1.FC Düren, der Teamcheck
Der Klub:
Der Mittelrheinligist 1. FC Düren ist ein junger Verein, aber längst kein Verein ohne Geschichte. 2018 fanden in dem Klub die Fußballabteilungen des FC Düren-Niederau und der SG GFC Düren 99 zusammen. Zu deren Vorgängern zählte die SG Düren 99, die 1988 den Cup-Wettbewerb auf Mittelrheinebene gewann. In Düren bündeln also Traditionsklubs ihre Kräfte. Das sportliche Abschneiden kann sich sehen lassen. Schon im Vorjahr glänzte der 1.FC im Bitburger-Pokal. Erst im Halbfinale vor fast 6000 Zuschauern an der altehrwürdigen Westkampfbahn platzte der Traum vom Titelgewinn. Ausgerechnet mit einem 0:2 gegen den großen Nachbarn Alemannia Aachen. „Jetzt sehen wir uns im Finale wieder und unsere Mannschaft ist sicherlich stärker geworden“, sagt der Dürener Trainer Giuseppe Brunetto, der damals noch nicht dabei war. Als die vergangene Serie abgebrochen wurde, belegte seine Mannschaft den zweiten Tabellenplatz – auch das ein Beleg der Stärke. „Dass wir jetzt im Endspiel stehen und am bundesweiten Finaltag der Amateure in einer Live-Konferenz der ARD zu sehen sind, ist eine Riesensache“, sagt Brunetto, ein Ereignis, das den Klub noch tiefer im Bewusstsein der Dürener verankern werden.
Die Stärken:
Nach rund vier Wochen Vorbereitung fühlt man sich in Düren gerüstet für das Duell in Bonn – und den anschließenden Kampf um den Aufstieg. Das Team wurde mit einigen in der Region bekannten Spielern verstärkt. „Wir sind sicherlich kein normaler Mittelrheinligist“, sagt auch Coach Brunetto, der mit dem 1. FC in die zweite Saison geht. Erst vor wenigen Tagen wurde die Verpflichtung eines weiteren regionalligaerfahrenen Spielers bekannt gegeben: Markus Wipperfürth kommt vom Bonner SC nach Düren. Mit David Bors und David Pütz (beide Alemannia Aachen), Mario Weber (Bonner SC), Keeper Patrick Bade (RW Oberhausen) und Marc Brasnic (Berliner AK) wurden fünf weitere Akteure geholt, die bereits in der vierthöchsten Spielklasse aufgelaufen sind. „Wir sind in der Breite sehr gut besetzt. Jeder kann jeden ersetzen. Das sorgt für vollen Einsatz im Training“, macht Brunetto deutlich. Taktisch ist die Mannschaft durchaus variabel. Beim 2:0-Halbfinalsieg gegen Arnoldsweiler begann Düren mit einer Dreierkette und stellte später angesichts der Führung und der Unterzahl nach der Gelb-Roten Karte für Joran Sobiech auf Viererkette um. Mit Mario Weber und Jannis Becker verfügt man über eine starke Innenverteidigung. Marc Brasnic, einst in der Jugend von Bayer 04 Leverkusen kongenialer Partner des späteren Nationalspielers Benjamin Henrichs, weiß genau wie Daniel Bleja und David Bors, wie man eine gegnerische Abwehr überlistet.
Die Schwächen:
Die vielen Zugänge haben die individuelle Klasse der Dürener Mannschaft noch einmal gesteigert. Ob es sich schon um eine verschworene Gemeinschaft handelt, muss indes erst noch bewiesen werden. Und selbstverständlich sitzen nach nur einem Pflichtspiel längst nicht alle Abläufe. Nach dem Sieg gegen Arnoldsweiler beklagte der Sportliche Leiter, Dirk Ruhrig, die Mannschaft habe in der ersten Hälfte ideenlos und ohne Präzision im Spielaufbau agiert. „Die Automatismen sind noch nicht voll da“, sagt auch Brunetto, schließlich fehle es dem deutlich verändertem Team an Wettkampfpraxis. Zudem muss Kapitän Philip Simon (Innenbandriss) passen. Er fehlt als Leitfigur und Antreiber im Mittelfeld.
Der Gegner:
Alemannia Aachen spielt da, wo Düren erst hin will: in der Regionalliga. Außerdem bestreitet der Traditionsverein bereits das dritte Bitburger-Pokal-Finale in Serie. „Diese Erfahrung ist sicherlich ein kleines Plus“, glaubt Brunetto. Zudem könne die Alemannia auf eine eingespielte Mannschaft zurückgreifen. „Sie sind physisch stark und sehr gut organisiert“, findet der Dürener Trainer, der das Halbfinale der Alemannia beim Mittelrheinligisten FC Pesch (2:1) per Livestream verfolgte. Zudem habe man einen Beobachter entsandt, um vor Ort Eindrücke zu sammeln. An Respekt mangelt es also nicht. Doch in einem Spiel, betont Brunetto, sei immer einiges möglich.
Alemannia Aachen, der Teamcheck:
Der Klub:
Alemannia Aachen gehört zu den Traditionsvereinen im Westen Deutschlands. Der Regionalligist blickt auf eine lange, bewegte Geschichte zurück. Die Alemannia spielte in jahrelang in den höchsten Spielklassen der Republik. In der ewigen Tabelle der Zweiten Liga wird der Klub nur von der SpVgg Greuther Fürth übertroffen. Im DFB-Pokal erreichte man gleich dreimal das Endspiel und 2005 mischte Aachen sogar im Europapokal mit. Die jüngere Vergangenheit war nicht immer so rosig. Sportlich ging es von der Bundesliga in die Regionalliga und auch finanziell galt es, schwierige Zeiten zu meistern. Doch konnte man sich immer auf eine große Anhängerschaft verlassen und im Bitburger-Pokal ist und bleibt die Alemannia eine Klasse für sich. Sieben Titel machen den Verein zum Rekordchampion. Nun steht Aachen zum dritten Mal in Serie im Endspiel in Bonn. Nach dem 3:1 gegen Fortuna Köln im vergangenen Jahr will man nun zum achten Mal den Pott in die Kaiserstadt holen. Dieses Spiel sei von enormer Bedeutung für Spieler, Mitarbeiter, Verein und Stadt, betont Trainer Stefan Vollmerhausen.
Die Stärken:
Die Mannschaft der Alemannia ist ein eingespieltes Ensemble. Eines das außerdem weiß, wie man mit dem Druck einer bundesweiten Liveübertragung im Fernsehen und Internet klar kommt und sich durchsetzt. Zwar hat Vollmerhausen, der zuvor im Nachwuchsbereich von Bayer 04 Leverkusen und beim Regionalligisten Wuppertaler SV tätig war, jüngst Fuat Kilic auf der Trainerbank abgelöst, doch ein personeller Umbruch blieb aus. Die beiden 1,96 Meter großen Peter Hackenberg und Alexander Heinze bilden eine robuste und kopfballstarke Innenverteidigung und sind bei Standards durchaus für einen Treffer gut. Das Team gilt als physisch stark, hat aber mit dem technisch versierten Stipe Batarilo und Kai Bösing auch spielstarke Mittelfeldakteure. Beim 2:1-Halbfinalsieg beim Mittelrheinligisten FC Pesch überzeugten zudem der 19-Jährige Japaner Takashi Uchino als Linksverteidiger und der vom Chemnitzer FC verpflichtete Torhüter Joshua Mroß. Und noch einer machte im ersten Pflichtspiel der Alemannia nach monatelanger Pause ein guten Eindruck: Stürmer Vincent Boesen, dem ein Doppelpack glückte.
Die Schwächen:
Auch wenn Düren mit vielen namhaften Akteuren aufwarten kann, geht Regionalligist Aachen als Favorit in das Duell mit dem Mittelrheinligisten. Das könnte durchaus Druck erzeugen und zur Bürde werden. Zudem wird sich Aachen dieses Mal nicht im gewohnten Maße auf die Unterstützung durch seinen stimmgewaltigen Anhang verlassen können. Denn die meisten Plätze im Sportpark Nord werden Corona-bedingt unbesetzt bleiben. Hinzu kommt, dass Aachen die jüngste Fahrt in den Kölner Stadtteil Pesch nicht frei von personellen Sorgen antrat. Neben den Langzeitverletzten Leon Gaedicke und Sebastian Schmitt waren auch Andre Wallenborn, Muja Arifi und Neuzugang Dustin Zahnen nicht einsatzfähig. Auf der Bank saßen weitere angeschlagene Spieler. Auch deshalb nahm Vollmerhausen nur eine Einwechslung vor. Er brachte Robin Garnier. „Der war zwar auch nicht bei 100 Prozent, hat allerdings für das Team auf die Zähne gebissen“, so der Trainer. Mit David Pütz hat zudem ein etablierter Mittelfeldspieler den Verein in Richtung Düren verlassen.
Der Gegner:
In Aachen blickt man voller Respekt auf den Gegner. „Düren hat eine sehr gute Saison gespielt und sich nun erheblich verstärkt“, findet Alemannia-Coach Vollmerhausen. Der Gegner besitze ganz klar Regionalliganiveau und verfüge über einen deutlich größeren Kader. „Das ist mit Sicherheit kein klassischer Underdog“, sagt er. Düren sei ein aufstrebender Verein aus der direkten Nachbarschaft, ein Klub, der im Umland eine gute Rolle spiele. Daher gehe es in dieser Partie auch ums Prestige. Man sei aber bereit, sich dieser Herausforderung zu stellen. Und man habe das Zeug dazu, die Aufgabe zu meistern.
