Karibisches Flair am Atlantik, an manchen Tagen mehrere tausend Zuschauer und heiß umkämpfte Spiele: Bei der WM in Mexiko waren Anfang Dezember die besten Kleinfeld-Kicker der Welt am Ball. Für die deutsche Kleinfeld-Fußballnationalmannschaft war der Traum vom Titel nach dem Viertelfinale vorbei. In der Runde der letzten Acht setzten sich die Niederländer mit 3:1 durch.
Sven Wurm, Verteidiger des Bezirksligisten SV Schönenbach aus dem Fußball-Verband Mittelrhein, war bei dem Turnier in Cancún im DFB-Trikot am Ball. Der 30-Jährige berichtet im Interview von einem tollen Turnier, seiner Jugendzeit mit unter anderem Nationalspieler Leroy Sané und wertvolle Erfahrungen unter einem BVB-Star als Trainer.
Sven Wurm, wie war es in Mexiko?
Sven Wurm: Das war ein großartiges Erlebnis, von der Organisation, dem ganzen Drumherum vor Ort und natürlich den Spielen im Stadion von Cancún direkt am Meer. So ein Land über den Fußball kennenzulernen, ist außergewöhnlich, das haben wir sehr genossen. Sportlich allerdings hätten wir uns mehr erhofft.
Es ging nicht gut los…
Wurm: Ja, nach den ersten beiden Gruppenspielen waren wir fast schon raus, nachdem wir 0:3 gegen die Ukraine und 2:3 gegen Spanien verloren hatten. Die Ukraine war ein sehr starker Auftaktgegner, die gehören zu den Top 5 in der Welt. Gegen Spanien hätte es auch anders ausgehen können, danach waren wir natürlich unter Druck.
Ihr musstet im letzten Gruppenspiel Kolumbien schlagen und die Ukraine gegen Spanien gewinnen, beides möglichst mit ein paar Toren Unterschied.
Wurm: Die Ausgangslage war nicht einfach, aber es hat ja dann geklappt. Wir haben Kolumbien mit 7:1 besiegt, und die Ukrainer haben ihren Job auch erledigt. Mit ein bisschen Glück sind wir also mit drei Punkten weitergekommen und haben es dann im Achtelfinale gegen Ungarn gut gemacht. Bei der EM im Sommer in Moldawien sind wir noch gegen Ungarn in derselben Runde ausgeschieden, durch ein Gegentor in der letzten Sekunde. Die Revanche war geglückt, wir sind mit einem 3:2 ins Viertelfinale eingezogen.
War die Auswahl der Niederlande dann eine Nummer zu groß?
Wurm: Das war schon ein Brett, sie hatten einige Futsal-Profis in ihren Reihen und waren daher der Favorit. Auf dem Kleinfeld kann sich allerdings alles immer schnell ändern, das Spiel war lange offen, ehe sie sich am Ende mit 3:1 verdient durchgesetzt haben.
Polen hat die WM gewonnen, mit einem 3:1 im Finale gegen Gastgeber Mexiko. Eine Überraschung?
Wurm: Nein! Polen war schon bei der EM sehr stark und ist im Kleinfeld-Fußball gut aufgestellt. Das gilt zum Beispiel auch für Kasachstan, das Dritter geworden ist. Das ist vom Namen her ein Land, das man im Fußball nicht so weit vorne erwartet, aber man kann das nicht mit dem "normalen" Fußball vergleichen.
Ging es für euch nach dem letzten Einsatz direkt nach Hause?
Wurm: Ja, die meisten von uns hatten zwei Tage später schon wieder Einsätze in der Icon League, so dass wir das Endspiel nicht mehr sehen konnten. Das war schade, denn die Stimmung gerade bei den Spielen des Gastgebers war natürlich super. Da waren nicht nur 3000 Zuschauer im Stadion, sondern auch draußen haben viele Fans mitgefiebert. Unser Hotel war ganz in der Nähe, so dass wir alles mitbekommen haben.
"Wir sind zum Strand gegangen und haben dort gechillt - das war überragend im Dezember"
Die WM ging insgesamt über neun Tage. Habt ihr außerhalb der Spiele etwas vom Land oder der Region mitbekommen?
Wurm: Wenn wir einen spielfreien Tag hatten, sind wir zum Strand gegangen und haben dort gechillt - das war überragend im Dezember. Einige andere Teams waren im selben Hotel, so dass man sich auch abseits des Platzes mal untereinander gesehen hat. Ich bin auf jeden Fall mit vielen schönen neuen Eindrücken nach Hause gekommen.
Wie konntest du dich vom WM-Highlight 10.000 Kilometer entfernt innerhalb weniger Tage auf den Alltag im kleinen Schönenbach und in der Bezirksliga umstellen?
Wurm: Das war kein Problem. Ich habe im Fußball bewusst ein paar Schritte zurückgemacht, nachdem ich vor einem Jahr noch mit Eintracht Hohkeppel in der Regionalliga gespielt hatte. Der SV Schönenbach liegt mir am Herzen, dort bin ich ja als Spielertrainer aktiv. Ich hatte lange den Traum vom Profifußball und dafür andere Dinge vernachlässigt, aber inzwischen stehen andere Dinge im Vordergrund - vor allem die Familie und der Beruf.
Du hast in der Jugend bei Bayer Leverkusen gespielt. Welche späteren Profis haben da deine Wege gekreuzt?
Wurm: In der B-Jugend habe ich unter anderem mit Leroy Sané, Jonas Meffert und Leart Paqarada in einer Mannschaft gespielt. Das waren schöne Zeiten, genau so wie später in den Senioren beim RSV Meinerzhagen, als Nuri Sahin mein Trainer war. Bei ihm habe ich den Fußball verstanden, das war eine prägende Erfahrung, die mich unheimlich weitergebracht hat.
