Schiedsrichterin Antonia Bexen hat zusammen mit ihren Assistentinnen Lisa Reinecke und Silja Engisch sowie der Vierten Offiziellen Virgilia Schmitz das Finale im Schaebens-Pokal der Frauen geleitet. Das Quartett erlebte in Troisdorf einen besonderen Tag, der sie in der Überzeugung bestärkte, dass das Engagement als Schiedsrichterin für unvergessliche Erlebnisse und wichtige Erfahrungen sorgt.
Am Freitag, 1. Mai, habt Ihr gemeinsam zum Gelingen des Endspiels im Schaebens-Pokal der Frauen beigetragen. Wie hat Euch die Atmosphäre im Troisdorfer Aggerstadion gefallen?
Silja Engisch: Die Stimmung war richtig gut. Die Fans haben viel Lärm gemacht, das war megaschön und hat dem Spiel besonderen Charakter verliehen. Hinzu kam natürlich das superschöne Wetter.
Seid Ihr mit Eurer Leistung zufrieden?
Antonia Bexen: Ja, ich glaube, wir dürfen sehr zufrieden sein. Es war insgesamt ein faires Spiel, das erst am Ende etwas hitziger geworden ist. Aber ich denke, wir hatten es auch in dieser Phase im Griff. Schwierige Szenen gab es kaum. Auch die Rote Karte für die Spoho-Torhüterin wegen einer Notbremse war glasklar. Irgendwie tut einem die Spielerin leid, aber die Situation war eindeutig.
Dieser Einsatz war vermutlich ein Highlight in Eurer Unparteiischen-Laufbahn. Welche Momente und Spiele werden Euch sonst noch unvergesslich bleiben?
Lisa Reinecke: Ich hatte vor drei Jahren schon einmal die Gelegenheit, ein Finale im FVM-Pokal der Frauen – damals noch in Arnoldsweiler – zu pfeifen. Das war ein Highlight. Im selben Jahr durfte ich das Euskirchener Kreispokal-Finale der Herren pfeifen und das als erste Frau. Auch das war toll und mit ein bisschen Anspannung im Vorfeld verbunden.
Engisch: Ich erinnere mich gerne daran, schon 2024 das ARAG-Verbandspokal-Finale der D-Juniorinnen und im Jahr darauf das Endspiel der C-Juniorinnen geleitet zu haben. Diese Partien hatten einen besonderen Charakter.
Virgilia Schmitz: Für mich bleibt auch mein erstes Spiel überhaupt unvergesslich. Es war am 7. April 2022, ein D-Junioren-Match in Neunkirchen-Seelscheid. Es war aufregend und hat viel Spaß gemacht, von der Theorie in die Praxis zu kommen.
Bexen: Unvergesslich bleibt mir ein Spiel während meines Auslandssemesters in Wien. Ich war als Assistentin bei einer österreichischen Frauen-Bundesliga-Partie im Einsatz, die sogar im TV übertragen wurde.
Sind es diese besonderen Tage, die zum Weitermachen motivieren?
Reinecke: In gewisser Weise ja. Eine Ansetzung für ein Endspiel ist ein Zeichen des Vertrauens und gibt einem immer einen zusätzlichen Push, noch mehr Gas zu geben.
Schmitz: Für mich ist eigentlich jedes Spiel ein besonderes. Ich freue mich immer darauf, weil ich diesen Sport liebe. Hinzu kommt aber auch das gute Gefühl, wenn man im Gespann unterwegs ist. Teamgeist ist ein wichtiger Teil des Sports, das gilt für Mannschaften, aber auch für Schirigespanne. Das gegenseitige Vertrauen zu spüren und zusammen zu agieren, macht Freude.
Bexen: Aus meiner Sicht steht auch weniger das einzelne Spiel im Fokus. Ich finde es insgesamt gut, dem Fußball etwas zurückgeben zu können, nachdem ich lange selbst gespielt habe.
Würdet Ihr es anderen jungen Menschen, insbesondere Mädchen empfehlen, eine Laufbahn als Schiedsrichterin zu starten?
Engisch: Definitiv ja. Man entwickelt sich unfassbar weiter. In meinen vier Jahren als Schiedsrichterin hat mich dieses Hobby geprägt. Man sammelt viele Erfahrungen und erwirbt Führungsfähigkeiten.
Reinecke: Das stimmt. Dieses Engagement ist für Persönlichkeitsentwicklung super, es hilft im Job und Privaten weiter. Ich bin durch meine Erfahrungen als Schiedsrichterin selbstbewusster und entscheidungsfreudiger geworden.
Engisch: Ja, man lernt, sich durchzusetzen – selbst gegenüber Menschen, die älter sind als man selbst. Nicht jeder Moment ist einfach, aber man lernt beständig dazu.
Schmitz: Hinzu kommen einmalige Erlebnisse. Für mich war es beispielsweise super, beim Vorwiesen-Turnier anlässlich des DFB-Pokal-Finals der Frauen in Köln, Partien leiten zu dürfen. Dort waren Bundesliga-Schiedsrichterinnen dabei, die uns spannendes Feedback gegeben haben.
Bexen: Außerdem braucht es Schiedsrichter*innen, weil es ohne sie schlicht nicht geht. Sie sind unverzichtbarer Teil des Fußballs.
Warum habt Ihr Euch für das Engagement als Unparteiische entschieden und was habt Ihr durch das Ehrenamt gelernt?
Bexen: Ich habe nach dem Abitur ein FSJ bei Fortuna Bonn absolviert und mich dort unter anderem um die Schiribetreuung gekümmert. So ist der Kontakt entstanden, ich habe eine neue Perspektive kennengelernt und bin selbst neugierig geworden. Als Schiedsrichterin erfährt man auf jeden Fall, wie man unterschiedliche Charaktere händelt. Man entwickelt ein Gespür und kann die Menschen meist schon nach wenigen Minuten einschätzen.
Reinecke: Ich wollte es besser machen als manche Unparteiische, die ich als Spielerin erlebt hatte. Die Spielerinnen und Spieler sollten nach dem Abpfiff zufrieden sein. Das war meine Motivation. Nachdem ich mir einen Kreuzbandriss zugezogen hatte und nicht mehr spielen konnte, war es mir zudem wichtig, dem Fußball treu bleiben zu können. Gelernt habe ich, schnell Entscheidungen zu treffen und diese zu vertreten sowie nach schlechten Spielen nicht lange frustriert zu sein.
Engisch: Irgendwann habe ich alte Fotos von meinem Vater gesehen. Er hat mit 13 Jahren als Schiri angefangen. Das hat mich motiviert. Damals wusste ich noch nicht, was für positive Erfahrungen mir dieses Hobby bescheren würde.
Schmitz: Nach einem Gespräch mit unserem Vereinsvorsitzenden habe ich mich für den Anwärterlehrgang entschieden. Ich wusste vorher nicht, dass es so einfach ist, Schiri zu werden. Ich habe es nie bereut. Weil dieses Hobby die Chance bietet, an einer Aufgabe zu wachsen und ein sicheres Auftreten und Selbstbewusstsein zu gewinnen.
Der FVM hat im Herbst vergangenen Jahres die Kampagne „Wir. Ihr. Zusammen.“ ins Leben gerufen, um den Frauen- und Mädchenfußball im Mittelrhein nachhaltig zu stärken, zu fördern und sichtbar zu machen. Welche Wünsche habt Ihr für das weibliche Schiedsrichter-Amt im FVM?
Reinecke: Ich finde es wichtig, mehr Mädels für dieses Engagement zu begeistern. Denn diese Zahl der Schiedsrichterinnen ist noch ausbaufähig.
Engisch: Die Kampagne finde ich gut – und ja, wir brauchen viel mehr Frauen als Unparteiische. Mich freut es, wenn ich sehe, dass Mädchen dazukommen. Die Kampagne kann dabei für Rückenwind sorgen.
Schmitz: Es ist wichtig, die guten Seiten einer Unparteiischen-Laufbahn hervorheben und weitere Mädchen dafür zu gewinnen. Aber man sollte die negativen nicht unerwähnt lassen. Wenn man als Schiedsrichterin auf den Platz kommt, wird man noch immer von einigen Leuten kritisch beäugt. Man muss sich eher beweisen als Männer. Das sollte man immer wieder öffentlich thematisieren, damit sich in den Köpfen der Menschen etwas bewegt. Als Schiedsrichterin darf man sich nicht einschüchtern lassen. Wir müssen uns vielleicht noch anders durchsetzen, das heißt aber nicht, dass das unmöglich ist.
Bexen: Die Anstrengungen im DFB und FVM halte ich prinzipiell für wichtig, um den Frauenfußball sichtbarer zu machen. Es wurde auch schon einiges erreicht. Das zeigt vor allem die gestiegene Zahl von Fußballerinnen. Das ist eine gute Entwicklung auch für die Situation der Unparteiischen. Denn ich halte es für wichtig, wenn Schiedsrichter*innen auch die Spieler*innen-Perspektive kennengelernt haben. Diese Erfahrung hilft, gegenseitiges Verständnis zu entwickeln. Daher sollte es unterstützt werden, parallel als Spieler*in und Schiedsrichter*in dabei zu sein.
Steckbriefe des Schiri-Gespanns:
Name: Antonia Bexen
Position im Schaebens-Pokal-Finale: Schiedsrichterin
Alter: 28
Beruf: Junior-Qualitätsmanagerin im Lebensmitteleinzelhandel
Schiedsrichterin seit 2019
Leitet Spiele in der Männer-Landesliga und Frauen-Regionalliga
Heimatverein: FC Viktoria Köln
Name: Lisa Reinecke
Position im Schaebens-Pokal-Finale: Schiedsrichter-Assistentin
Alter: 23
Beruf: Polizistin
Schiedsrichterin seit 2016
Leitet Spiele in der Männer-Bezirksliga und Frauen-Regionalliga
Heimatverein: SG Erfthöhen 98
Name: Silja Engisch
Position im Schaebens-Pokal-Finale: Schiedsrichter-Assistentin
Alter: 19
Beruf: Studentin der Zahnmedizin
Schiedsrichterin seit 2022
Leitet Spiele in der Männer-Bezirksliga und Frauen-Regionalliga
Heimatverein: SV Viktoria Rot-Weiss Waldenrath-Straeten
Name: Virgilia Schmitz
Position im Schaebens-Pokal-Finale: Vierte Offizielle
Alter: 24
Beruf: Studentin der Osteuropäischen Geschichte
Schiedsrichterin seit 2022
Leitet Spiele in der Männer-Kreisliga A und Frauen-Regionalliga
Heimatverein: Wahlscheider SV
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