Rote Karte für Rechtsaußen: Seit 25 Jahren gegen Rassismus – Die mutige Initiative des Jo Ecker feiert Geburtstag

Rote Karte für Rechtsaußen: Seit 25 Jahren gegen Rassismus – Die mutige Initiative des Jo Ecker feiert Geburtstag

Jo Ecker hat 2001 die Initiative „Fußballvereine gegen Rechts“ ins Leben gerufen. 25 Jahre später ist das Engagement des Düreners wichtiger denn je. Nicht ohne Grund ist Ecker schon mehrfach ausgezeichnet worden. Was macht der 69-Jährige genau – und warum?

Ein Tag hat sich tief in Jo Eckers Erinnerung eingebrannt. Was vor 25 Jahren geschah, veränderte sein Leben nachhaltig – und ließ in ihm die Idee zur Initiative „Fußballvereine gegen Rechts“ entstehen. Erst war es nur ein Gedanke. Heute ist es eine Bewegung, die ganz Deutschland erreicht hat und darüber hinaus auch in anderen Ländern präsent ist.

Wie kam es dazu? Ecker war Trainer der C-Junioren des FC Düren-Niederau. Das Kreispokalhalbfinale bei einem Nachbarverein stand auf dem Programm – Derbyzeit. Schon als Ecker die Anlage betrat, überkam ihn ein ungutes Gefühl. Eine Gruppe glatzköpfiger Männer mit Bomberjacken und Springerstiefeln hatten sich dort versammelt. „Das war die Zeit, als im Kreis Düren noch Mitglieder der rechtsextremen NPD und der mittlerweile verbotenen Kameradschaft Aachener Land gerne mal auf Fußballplätzen auftauchten, um rassistischen Stress zu machen“, erinnert sich Ecker. Auch Spieler seines Teams wurden während der Begegnung lautstark und dauerhaft beleidigt.

„Irgendwann konnte ich es nicht mehr ertragen“, erinnert sich Ecker: „Ich habe den Schiedsrichter aufgefordert, den Beleidigungen ein Ende zu machen. Er meinte nur, dass er nichts machen könne.“ Also handelte Ecker selbst und brach die Begegnung beim Spielstand von 7:0 für sein Team ab. „Ich musste meine Spieler schützen“, sagt er heute: „Die Situation war nicht mehr tragbar. Die Konsequenzen waren mir egal.“ Die Partie wurde mit 2:0 für den Gegner gewertet und Ecker durfte acht Monate nicht mehr als Trainer arbeiten.

Es war die Geburtsstunde seiner Initiative gegen Rassismus und Gewalt, für die er mehrfach ausgezeichnet wurde. Unter anderem bekam er 2008 den Julius Hirsch Preis des DFB verliehen. Der deutsche Staat würdigte sein Engagement mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande. Er ist mittlerweile Ehrenbürger der Stadt Düren. Seit Christian Wulff haben alle Bundespräsidenten die Schirmherrschaft für seine Aktion übernommen. Direkt nach den Erlebnissen gründete Jo Ecker die Aktion „Vier Schrauben für Zivilcourage“. Er ließ Schilder mit einer eindeutigen Botschaft auf den Fußballplätzen anbringen: „Kein Platz für Rassismus und Gewalt.“ Was im Kreis Düren begann, ist inzwischen in ganz Deutschland Thema. Ecker hat mittlerweile 2000 Schilder auf eigene Kosten produzieren lassen und diese an interessierte Vereine geschickt. Selbst ins Wembley-Stadion in London hat es eines seiner Schilder geschafft. „Ich mache das, weil es mir wichtig ist. Die ganze Sache hat sich zu einer Herzensangelegenheit für mich entwickelt.“

Ecker lässt sich nicht von seinem Weg abbringen. Zeitweise haben ihn massive Beschimpfungen erreicht, sogar Morddrohungen waren dabei. Aber Ecker macht weiter, weil er davon überzeugt ist, dass es richtig und wichtig ist. Der in Würselen geborene Fußballprofi Yannick Gerhardt unterstützt Ecker und seine Initiative. Auch die beiden Lokalpolitiker Mo Khomassi und Bilal Salim sind dabei. Zuletzt hat sich auch DFB-Präsident Bernd Neuendorf mit Ecker über dessen Initiative ausgetauscht.

Seit sechs Jahren engagieren sich auch die Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter des FVM für die Aktion „Teams gegen Rassismus und Gewalt“. Dafür hat Ecker Banner bereitgestellt, die vor jedem Spiel gemeinsam mit beiden Mannschaften präsentiert werden. Trotz aller Widerstände empfindet Jo Ecker seine Arbeit nicht als Last, sondern als Verpflichtung. „Wenn wir im Fußball nicht für unsere Werte einstehen, wo dann?“, sagt er. Für ihn ist der Sport mehr als ein Spiel – er ist ein Ort, an dem Respekt, Fairness und Menschlichkeit sichtbar werden müssen.

Dass sich mittlerweile Tausende Vereine seiner Botschaft anschließen, bestärkt ihn nur weiter. Und auch wenn er weiß, dass Rassismus nicht von heute auf morgen verschwindet, glaubt Ecker fest daran, dass jeder Platz, an dem sein Schild steht, ein kleiner Schritt in die richtige Richtung ist. „Ich bin 69, aber solange ich kann, mache ich weiter“, sagt er und lächelt. „Es geht nicht um mich – es geht um die Menschen, die Schutz brauchen. Und wenn Fußball dabei helfen kann, dann lohnt sich jeder einzelne Tag.“

Feierstunde im September

Die Initiative "Fußballvereine gegen rechts" feiert am Samstag, den 12. September 2026 ab 11:30 Uhr auf der Sportanlage in Düren-Birkesdorf ihr 25-jähriges Bestehen. Neben zwei Charity-Spielen wird es auch eine Podiumsdiskussion u.a. mit DFB-Präsident Bernd Neuendorf und Shary Reeves, einer Sport-Botschafterin der Stadt Köln, geben. Weitere Informationen zur Veranstaltung finden Interessierte im Instagram-Post des Gründers.

Hinweis für Vereine

Jo Ecker stellt interessierten Vereinen kostenlos ein Schild mit der Aufschrift „Kein Platz für Rassismus und Gewalt“ zur Verfügung. Er übernimmt sowohl die Herstellung als auch den Versand. Seine einzige Bitte: Die Vereine sollen ihm ein Foto zusenden, das das Schild auf ihrer Sportanlage zeigt. Dieses Motiv nutzt er für seine Kommunikationskanäle. Wer ein Schild erhalten möchte, kann sich per E-Mail melden unter: gegen-rechts(at)gmx.net

WDFV-Anlaufstelle

Wenn Sie im Fußball Betroffene*r von Gewalt oder Diskriminierung geworden sind oder Kenntnis von einem Vorfall haben, wenden Sie sich an die WDFV-Anlaufstelle (anlaufstelle@wdfv.de). Weitere Informationen zur zentralen Anlaufstelle für Gewalt-, Diskriminierungs- und Extremismusvorfälle finden Sie hier.

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