Nach 35 Jahren: SC Blau-Weiß 06 Köln zurück in der Landesliga

Nach 35 Jahren: SC Blau-Weiß 06 Köln zurück in der Landesliga

Es war spannend bis zum Schluss. Aber dann die Erlösung: Der SC Blau-Weiß 06 Köln hat sich am letzten Spieltag den Aufstieg in die Landesliga gesichert. Zuletzt war der Verein vor über 35 Jahren in dieser Spielklasse vertreten. Damals noch unter dem Namen SC Gebäudereiniger Blau-Weiß Köln. Was hat es damit auf sich?

Hinterher, als es geschafft war, gab es kein Halten mehr. Menschen, die sich mit Tränen in den Augen in den Armen liegen. Fußballer, die in ihren verschwitzten Trikots die Korken knallen lassen. Fans und Angehörige, die immer wieder dieselben Lieder anstimmen. Sie alle bejubeln gemeinsam den Schritt des SC Blau-Weiß 06 Köln in die Landesliga.

Der Aufstieg des SC Blau-Weiß 06 Köln steht in diesem Zusammenhang nur stellvertretend für hunderte, wahrscheinlich tausenden Aufstiege, die am vergangenen Wochenende – es war vielerorts der letzte Spieltag der Saison – gefeiert werden konnten. Emotionen überall. Es ist doch immer wieder schön zu sehen, welche Gefühle der Amateurfußball auslösen kann.

 

Rückkehr nach 29 Jahren

Der SC Blau-Weiß 06 Köln hat es nach einer turbulenten Saison mit vielen Höhen und Tiefen am letzten Spieltag durch ein 2:0 gegen den SV Schönenbach geschafft. Die Kölner benötigten einen Sieg, um als Zweitplatzierter den Aufstieg in die Landesliga über die Quotientenregelung zu schaffen. Am Ende war es ein Ritt auf Messers Schneide. Umso wichtiger war das 1:0 durch Tim-Maxim Harwardt in der 67. Minute. Die endgültige Erlösung war das 2:0 durch Maik Spiekermann in der 89. Minute. Danach: Ekstase in Blau und Weiß. Bis der nächste Tag begann, bis die Sonne wieder aufging.

Der Verein, der im kommenden Jahr seinen 120. Geburtstag feiern wird, kann auf eine bemerkenswerte Historie zurückblicken. 12 Jahre – von 1984 bis 1996 - war er unter dem Namen SC Blau-Weiß Gebäudereiniger Köln unterwegs und bis zum vergangenen Wochenende damals letztmalig in der Landesliga vertreten. Doch bis auf die Ligazugehörigkeit gibt es heute keinerlei Verbindungen mehr zu dem Namen Gebäudereiniger. "Das ist nur noch ein Teil unserer Geschichte", sagt Daniel Buss, Geschäftsführer des SC Blau-Weiß 06 Köln, am Morgen nach dem Aufstieg: "Heute sind wir ein moderner, gut strukturierter Fußballverein. 32 Teams nehmen am Spielbetrieb teil. Fünf Herren- und eine Damenmannschaft. Dazu die Ü32 und 25 Jugendmannschaften."

Besonders bemerkenswert ist der Erfolg des SC Blau-Weiß 06 Köln noch unter einem anderen Aspekt. Der Verein ist im Kölner Grüngürtel beheimatet. Aufgrund des Denkmal- und Naturschutzes sind bauliche Maßnahmen an der Platzanlage oder den Umkleidekabinen gar nicht oder nur in sehr geringem Umfang mit diversen Auflagen möglich.

 

"Sehen uns als blau-weiße Familie"

Geschäftsführer Buss nennt ein Beispiel für die Herausforderungen: "Wir hatten ein Jahr lang keine Umkleidekabinen und Duschmöglichkeiten. Mittlerweile gibt es immerhin zwei Container, in denen sich die Fußballerinnen und Fußballer umziehen und duschen können. Das ist noch immer nicht optimal, aber zumindest besser, als vorher."

Umso mehr sehen es die Verantwortlichen als Auszeichnung, dass so viele Menschen beim SC Blau-Weiß 06 Köln Fußball spielen wollen. "Bei uns steht der Teamgeist im Fokus", sagt Buss. "Und der ist bei uns wirklich überragend, weil wir uns nicht nur als Verein, sondern als blau-weiße Familie sehen. Alle, die sich mit unseren Werten identifiziert, sind willkommen. Wir schließen niemanden aus."

Raffaele Wolf ist noch sportlicher Leiter beim SC Blau-Weiß 06 Köln. Nach dieser Saison wird er Schluss machen und sich einer neuen Herausforderung stellen. "Gemeinsam haben wir hier sehr viel erreicht. Der Aufstieg der ersten Mannschaft in die Landesliga und der Reserve in die Kreisliga A sind aus meiner Sicht die Krönung", sagt Wolf. "Wir haben ein starkes Fundament gelegt, jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, an dem der Verein frischen Wind vertragen kann."

Die Saison wird wegen einer weiteren Besonderheit in Erinnerung bleiben und vermutlich den Weg in die Vereinshistorie finden. Denn der Aufstieg der ersten Mannschaft ist nur eine Sache, ein anderer Moment war ebenfalls bemerkenswert und hat deutschlandweit für Schlagzeilen gesorgt: Kürzlich ist Spielmacher Tilmann Demmer ein ganz besonderes Tor gelungen: Ein Schuss aus über 70 Metern ins Glück – oder besser gesagt: ins Fernsehen. Der 23-Jährige war zu Gast im "ZDF Sportstudio" und durfte sein können an der Torwand beweisen.

 

Text- und Bild: Martin Schwartz/fussball.de
Nach oben scrollen