Bitburger-Pokalfinale 2026: Viktoria Köln gewinnt im Elfmeterschießen gegen Fortuna Köln

Bitburger-Pokalfinale 2026: Viktoria Köln gewinnt im Elfmeterschießen gegen Fortuna Köln

Woher auch immer die Spieler des Drittligisten Viktoria Köln die Kraft nahmen: Nach 120 kräftezehrenden Minuten bei sommerlichen Temperaturen und einem dramatischen Elfmeterschießen hüpften und sangen sie vor ihrer Fankurve, als habe es all die Anstrengung nicht gegeben. Sie hatten es geschafft. Sie hatten mit einem 6:5 (0:0) im Elfmeterschießen den Regionalliga-Champion S.C. Fortuna Köln geschlagen, den Bitburger-Pokal 2026 gewonnen und den Einzug in den DFB-Pokal perfekt gemacht. Es war der elfte Triumph des Vereins aus dem Rechtsrheinischen im Cup auf Verbandsebene. Und ganz nebenbei der perfekte Einstieg für ihren Trainer Marian Wilhelm. Der 37-jährige Nachfolger von Olaf Janßen schloss seine Premierensaison mit einem Titel ab.

„Ich denke, in der Summe hatten wir ein Chancenplus. Kompliment an die Jungs. Sie haben mit jeder vergebenen Chance noch mehr Mut gefasst. Wir wollten es in den 120 Minuten entscheiden. Auch ich wollte nicht ins Elfmeterschießen. Aber für die ausverkaufte Hütte und das Derby konnte es aus Sicht der Fußballfans nichts Besseres geben“, sagt Wilhelm. Nun wünsche er sich im DFB-Pokal ein Spiel gegen den 1. FC Köln. „Das ist das Schönste, was man sich vorstellen kann. Aber wir nehmen den Gegner, den wir bekommen.“

Fortuna-Trainer Matthias Mink ist stolz auf seine Mannschaft

Matthias Mink, Trainer und Sportlicher Leiter der Fortuna, durfte ebenfalls stolz auf sein Team sein. „Es war ein extrem rassiges Spiel und unglaublich, was die Jungs auf beiden Seiten in der Verlängerung reingeworfen haben. Das Spiel hätte in die eine oder andere Richtung kippen können. Dass wir im Elfmeterschießen verloren haben, ist am Ende bitter, aber der Stolz überwiegt“, erklärte der 58-Jährige.

Vor 8.263 Zuschauer*innen im ausverkauften Sportpark Höhenberg begann die Fortuna forsch. Mit Pressing wurden die Bemühungen des Drittligisten, das Spiel aufzubauen, früh gestört. Es war zu spüren: Hier war kein klassischer Underdog am Werk, sondern ein Team, das wenige Tage zuvor eine äußerst souveräne Saison in der Regionalliga West mit dem Titelgewinn und Aufstieg abgeschlossen hatte. Der Klub aus der Südstadt ist also sieben Jahre nach dem Abstieg zurück auf der Landkarte des deutschen Profifußballs.

Doch wirklich beeindrucken ließen sich die Viktoria-Spieler nicht. So waren es zunächst nur Zweikämpfe, deren Entschlossenheit die stimmungsvolle Arena brodeln ließ, jedoch keine Torchancen. Meiko Sponsel versuchte es nach 14 Minuten einmal aus der Distanz, doch sein Schuss war leichte Beute für Lennart Winkler im Tor der Fortuna. Kurz vor der ersten Trinkpause nach 27 Minuten versuchte dann Viktorias Leonhard Münst mit einem Freistoß aus rund 20 Metern Tordistanz für Gefahr zu sorgen – vergeblich. Der Ball wurde so schnell aus dem Strafraum herausbefördert, wie er hereingeflankt worden war. Kurz danach war es Taylan Duman, der wenige Meter vor dem Tor der Fortuna nicht richtig an den Ball kam. Nach 38 Minuten folgte die nächste Torannäherung des Drittligisten: Nach einer Ecke von Münst misslang Torwart Winkler die Faustabwehr, Lars Dietz kam zum Kopfball, doch die Fortuna-Verteidiger bereinigten die Situation mit vereinten Kräften auf der Torlinie. Eine Tendenz war nun aber unübersehbar: Die Viktoria übernahm zusehends die Kontrolle. Doch bis zum Pausenpfiff blieb diese Entwicklung ohne Konsequenz.

Großes Engagement, aber keine Tore

Die Partie wurde nach dem Wiederanpfiff nickliger. Mehrfach musste Schiedsrichter Tarik Damar die Gelbe Karte zücken. In der 58. Minute kam es dann zur ersten hochkarätigen Torchance der Fortuna: Enzo Wirtz fand Nico Thier, der aus aussichtsreicher Position zum Abschluss kam, jedoch in Viktoria-Torwart Arne Schulz seinen Meister fand. Das Warten auf den großen Moment ging also weiter. Der Schlagabtausch wurde derweil munterer. Duman versuchte es mit Gefühl aus rund 18 Metern, doch Winkler war zur Stelle. Auf der anderen Seite verfehlte Enzo Wirtz per Kopfball aus spitzem Winkel das Tor.

Nach 72 Minuten erhoben sich dann die Viktoria-Anhänger und applaudierten: Simon Handle wurde ausgewechselt. Für den 33-Jährigen, der seit 2017 für die Viktoria aufläuft, endete damit seine Profilaufbahn. Der zwei Minuten später eingewechselte Robin Velasco führte sich mit einem schönen Zuspiel auf David Otto ein, der jedoch am Fortuna-Keeper scheiterte. Dann folgte eine Doppelchance: Erst traf Yannick Tonye mit einem Schlenzer die Latte des Fortuna-Tores, dann verpasste Sachse aus kurzer Distanz das 1:0. Auch Münst hatte nach 86 Minuten keinen Erfolg, sein Versuch wurde von Winkler mit einer tollen Parade vereitelt. Fünf Minuten später zirkelte Münst einen Distanzschuss ans Lattenkreuz, ehe Hamadi Al Ghaddioui im Gegenzug den Führungstreffer für die Fortuna verpasste.

Partie geht in die Verlängerung

Trotz der turbulenten Schlussphase wollte kein Tor fallen, und so ging es in die Verlängerung. Die begann ruhiger. Duman kam einmal zum Abschluss und auf der Gegenseite Jonas Michelbrink, dann waren die ersten 15 Minuten der Extrazeit schon abgelaufen. Die Partie wogte nun hin und her. Münst schoss einen Freistoß in die Hände von Fortuna-Keeper Winkler, auf der anderen Seite verzog Dejan Galjen am Tor vorbei, und immer wieder ließ Tonye seine Klasse aufblitzen.

Das alles war letztlich Makulatur. Wie schon im Final-Duell 2016 – damals noch im Bonner Sportpark Nord – ging es ins Elfmeterschießen. Damals hatte sich das Team aus der Südstadt mit 5:6 geschlagen geben müssen. Und nun, ein Jahrzehnt danach? Das war die Frage, die für Hochspannung in Höhenberg sorgte. Die Antwort ließ lange auf sich warten. Mit Duman, Dietz, Otto, Eisenhuth und Tonye trafen alle fünf Schützen für Viktoria Köln und zunächst auch mit Al Ghaddioui, Wirtz, Garcia, Fischer und Michelbrink alle im Dress der Fortuna. Es ging auch hier in die Verlängerung. Während Jakob Sachse traf, scheiterte Dejan Galjen an Viktoria-Torhüter Schulz, der kurz darauf in einer Traube jubelnder Teamkollegen versank.

Rudi Rheinstädtler zieht positive Bilanz

FVM-Vizepräsident Sport Rudi Rheinstädtler war stolz auf das stimmungsvolle Event in Höhenberg. „Das war ein tolles Pokalspiel. Es war sehr spannend. Wir sind sehr zufrieden. Dieses Spiel hat gezeigt: Amateursport kann sehr spannend und bewegend sein“, so Rheinstädtler. Erneut war das Finale im Bitburger-Pokal eingebettet in den „Finaltag der Amateure“ mit 21 Landespokalendspielen und einer mehr als siebenstündigen TV-Livekonferenz in der ARD und ihren Landesrundfunkanstalten.

S.C. Fortuna Köln: Winkler, Fünger (91. Fischer), Geerkens (85. Garcia), Thier (109. Galjen), Wirtz, Strauch, Kamm Al-Azzawe, Bornemann (69. Al Ghaddioui), Stanilevic (79. Michelbrink), Afamefuna, Telle.

FC Viktoria Köln: Schulz, Dietz, Duman, Münst, Eisenhuth, Handle (72. Tonye), Otto, Kloss, Sponsel (74. Velasco), Wolf (64. Engelhardt), Sachse.

Tore: -.

Elfmeterschießen: Duman, Dietz, Otto, Eisenhuth, Tonye und Sachse treffen für Viktoria Köln; Al Ghaddioui, Wirtz, Garcia, Fischer, und Michelbrink treffen für Fortuna Köln, Galjen verschießt.

Zuschauer: 8.263.

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