FVM-Geschäftsführung: „Wir müssen für die Olympia-Bewerbung unsere Startnummer abholen“

FVM-Geschäftsführung: „Wir müssen für die Olympia-Bewerbung unsere Startnummer abholen“

Sandra Fritz und Dirk Brennecke bilden die Geschäftsführung des FVM. Im Interview sprechen die beiden über die Rolle Olympischer sowie Paralympischer Spiele für den Mittelrhein.

Der Mittelrhein kann auch in den nächsten Jahren international: 2029 werden in Köln Partien der UEFA WOMEN’S EURO ausgetragen und nun träumen viele sportbegeisterte Menschen auch noch von Olympischen Spielen im Rheinland. Da kann das Arbeiten als geschäftsführendes Duo an der Spitze des FVM doch nur Freude machen, oder? 

Drik Brennecke: Beide Vorhaben lösen Freude aus und motivieren unheimlich. Denn daraus kann man vieles entwickeln. Klar sind zwei Dinge: die UEFA EURO 2024 kann nicht als Blaupause dienen, wir brauchen neue Idee und wir können nicht bis 2029 mit der Umsetzung warten. Wir müssen zeitnah starten. Ein Beispiel ist die Vision, dass jedes Mädchen in Köln im Offenen Ganztag wöchentlich eine Stunde Fußball spielen kann. Dafür braucht es vollen Einsatz. Wir müssen Menschen gewinnen, die dieses Angebot umsetzen können.  Das können FSJler oder BuFDis sein, vielleicht auch Aktivrentner. Auch die Infrastruktur muss vorhanden sein, das wird eine Aufgabe für die Stadt Köln. Über eines muss man sich im Klaren sein: Die EURO bringt kein Wachstum im Frauenfußball, sondern bei den Mädchen. Diesen Prozess gilt es zu verstärken, um nachhaltig etwas zu erreichen.  

Sandra Fritz: Großveranstaltungen müssen in erster Linie immer Katalysator für die langfristig Entwicklung sein. Nehmen wir das DFB-Pokalfinale der Frauen als Beispiel: Wir haben uns immer ein ausverkauftes Stadion gewünscht, aber die heutige Entwicklung war kaum abzusehen. Wir haben bereits am ersten Tag für das diesjährige Pokalfinale am 14. Mai über 10.000 Tickets verkauft, obwohl die Finalisten noch nicht einmal feststehen. Wir gehen also erneut von einem ausverkauften Stadion aus. Die begleitenden Mädchen-Turniere im Vorfeld boomen ohne Ende. Wir werden nun auch einen Kids-Cup für E- und F-Juniorinnen neben den bekannten Turnieren für D- und C-Juniorinnen anbieten. Der Standort Köln bietet so viel Potenzial. Das wird im Mai und Juni so richtig deutlich.  

Brennecke: Das ist richtig, denn binnen fünf Wochen steigen das Highlight-Spiel der Bundesliga-Frauen des 1. FC Köln gegen Bremen, das Frauen-Pokalfinale, das DFB-Pokalfinale der Juniorinnen und dann auch noch das WM-Qualifikationsspiel der Frauen Deutschland gegen Norwegen. Das passt perfekt zu unserem Vorhaben und Auftrag, den weiblichen Fußball sichtbar zu machen und mit begleitenden Aktionen Vereine voranzubringen. Wir wollen das Potenzial nutzen und profitieren dabei von der Zusammenarbeit in einem starken Netzwerk, zu dem das städtische Sportamt und der Profifußball gehören.  

 

Welche Strahlkraft kann eine Olympia-Bewerbung erzielen? 

Brennecke: Eine enorme. Die gesamte Sportlandschaft erhielte einen Schub. Das Konzept ist sehr stimmig. Es ist nachhaltig ausgerichtet, weil sehr viele der Sportstätten bereits existieren oder langfristig genutzt werden könnten und es ist dazu geeignet, großartige Ideen und Vorstellungen in die Köpfe zu bringen. Das Schwimmen könnten vor 60.000 Zuschauer*innen in der Arena auf Schalke steigen, andere Wettkämpfe vor der Kulisse der Essener Zeche Zollverein, der Marathonlauf vor dem Kölner Dom enden. Köln erhielte mit Kreuzfeld einen neuen Stadtteil. Das wären tolle Bilder, die um die Welt gehen und ein enormer Imagegewinn. 

 

Und welche Wirkung hätte das Ringen um Olympische Spiele für den Amateur-Fußball am Mittelrhein? 

Fritz: Es wäre Rückenwind für die Motivation der vielen ehrenamtlichen Menschen im Sport. Für die Athlet*innen würden zudem moderne Trainingsanlagen entstehen, die auch nach den Spielen bereitstünden, es würde also in die Sportinfrastruktur insgesamt investiert.  

Brennecke: Klar ist, solange wir im Rennen sind, wird es sicherlich keine Kürzungen bei der Unterstützung von Sportlern und Vereinen geben. Wir müssen uns der Verantwortung für nächste Generation bewusst sein und diese Chance ergreifen. Bis zum 19. April können die Bürger*innen in Köln und in der Rhein-Ruhr-Region für Olympische und Paralympische Spiele abstimmen. Dabei geht es darum, die Startnummer für die Olympia-Bewerbung abzuholen. Wenn es eine Mehrheit gibt, sind wir im Wettkampf und dann wird man sehen, was passiert. Unser olympischer Dreikampf lautet, Anschreiben öffnen, ja ankreuzen und abstimmen! 

 

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