FVM-Geschäftsführung im Interview zu Pokalwettbewerben, Twin-Games und strategischen Schwerpunktzielen

FVM-Geschäftsführung im Interview zu Pokalwettbewerben, Twin-Games und strategischen Schwerpunktzielen

Sandra Fritz und Dirk Brennecke bilden die Geschäftsführung des FVM. Im Interview sprechen die beiden über die wachsende Bedeutung des Frauen- und Mädchenfußballs und über kommende Herausforderungen.

Frau Fritz, Herr Brennecke, für den Amateurfußball am Mittelrhein gibt es erfreuliche Entwicklungen. So ist mit der Firma Schaebens ein in Frechen ansässiges Familienunternehmen als Titelsponsor in den Frauen-Pokal-Wettbewerb auf Verbandsebene eingestiegen. Was sagt das über den Stellenwert des Frauenfußballs im FVM? 

Sandra Fritz: Die Zusammenarbeit mit einem in der Region ansässigen und zudem in der Frauen-Bundesliga engagierten Unternehmen freut uns sehr, denn die Partnerschaft besitzt eine große Strahlkraft. Das gilt umso mehr, weil diese Entwicklung eine funktionierende Gesamtstrategie widerspiegelt. Unser Ziel ist es, dem Mädchen- und Frauenfußball mehr Sichtbarkeit und Entwicklungsmöglichkeiten zu verschaffen, ihn nachhaltig zu stärken. Die FVM-Strategie unter dem Titel „Wir. Ihr. Zusammen.“ passt perfekt dazu.  Hier haben wir verschiedene Maßnahmenpakete in den Säulen „Mehr Spielerinnen“, „Mehr Ehrenamtlerinnen“, „Qualifizierung“ und „Spielbetrieb“ entwickelt, die über die nächsten Jahre wirken sollen. Die Partnerschaft mit Schaebens ist also ein wichtiger, aber nicht der einzige Bestandteil in unserem Bestreben, in diesem Bereich dauerhaft etwas zu bewirken. 

 

In den vergangenen Jahren sind die Wettbewerbe auf FVM-Ebene immer attraktiver geworden. Wo sehen Sie noch Steigerungspotenzial? 

Fritz: An dieser Stelle lohnt zunächst ein Blick in den Rückspiegel. Im Bitburger-Pokal haben wir zur Saison 2024/2025 eine Reform durchgeführt und den Wettbewerb auf Verbandsebene von 32 auf 64 Mannschaften ausgebaut. Vorangegangen war ein partizipativer Prozess, in dessen Rahmen wir die Vereinsbasis nach ihren Wünschen und Vorstellungen befragt haben. Im Pokal der Frauen wurde das Finale im letzten Jahr erstmals im Troisdorfer Aggerstadion ausgetragen und in die Organisation waren die ansässigen Vereine eingebunden, die bereits mit großem Engagement im Frauen- und Mädchenfußball dabei sind. 

Dirk Brennecke: Das hat sich bezahlt gemacht. Bei allen Beteiligten war zu spüren, mit wie viel Herzblut sie dabei waren und die Zuschauerzahl konnte sich mit mehr als 600 Menschen wahrlich sehen lassen. Es war also ein guter Schritt, dem Endspiel einen neuen Rahmen zu verschaffen. Wir werden das Finale bis mindestens 2027 im Aggerstadion austragen.  

Fritz: Die Pokal-Wettbewerbe sind auf einem guten Weg. Mit der Organisation des Meisterschaftsspielbetriebs der Frauen beschäftigen wir uns derzeit intensiv. Unser Ziel ist es, flächendeckend adäquate Spielangebote zu ermöglichen. Dafür muss auch ein kreisübergreifender Spielbetrieb diskutiert werden. Denn die Dichte an Vereinen ist in den Regionen sehr unterschiedlich. Inzwischen gibt es geeignete Tools, die helfen, Staffeln unter Berücksichtigung von Entfernungen zusammenzustellen.

Auch im Nachwuchsbereich wird es Veränderungen geben. Nachdem im Kinderfußball die Einführung der neuen Spielformen im Fokus stand und auch weiterhin stehen wird, werden wir nun Anpassungen im Jugendfußball in den Blick nehmen. Hierzu gibt es bereits eine Arbeitsgruppe, die sich intensiv mit dem Übergang vom Kinder- zum Jugendfußball befasst. Eine Idee ist die Einführung von Twin-Games, einem Spielformat, bei dem Mannschaften in vier Teams gleichzeitig auf zwei Feldern spielen, um mehr Spieler*innen in Aktion zu bringen und sie so stärker zu fördern.  

 

Das heißt, man steht hinter der Trainingsphilosophie Deutschland? 

Brennecke: Ja, wir stehen hinter dem Konzept. Denn dieses verfolgt das Ziel, die Trainingsarbeit in den Vereinen abwechslungsreich und interessant zu gestalten. Die Spieler*innen sollen Spaß haben, gefördert und gefordert werden. Ich bedauere, dass ich nie so trainiert habe. Die Ideen sehen eine hohe Intensität und Attraktivität für alle Beteiligten vor. Das funktioniert im Nachwuchs und im Senioren*innen-Fußball. Es geht immer um Spirit und Begeisterung, um möglichst viele Ballkontakte in spielnahen Situationen. Das bringt jeden Einzelnen und damit auch das Team insgesamt voran. 

 

Was muss geschehen, damit Sie am Ende 2026 voller Überzeugung von einem erfolgreichen Jahr sprechen können? 

Fritz: Wir haben uns für die aktuelle Wahlperiode vier Schwerpunkte gesetzt: Es stehen die Förderung des Frauen- und Mädchenfußballs, die Personalentwicklung, die Entlastung der Kreise und die Digitalisierung im Fokus. In letzterem Bereich geht es um Effizienz und Service. Wir denken beispielsweise über die Einführung eines KI-Chatbots nach. Fragen zu den Themen Spielberichtigung oder Qualifizierung können so rund um die Uhr gestellt und beantwortet werden. Ich werde also dann zufrieden zurückblicken, wenn wir in den vier Schwerpunkten unsere Teilziele für das Jahr 2026 erreichen konnten.  

Brennecke: Ein weiteres wichtiges Ziel besteht darin, die Mitgliederzahl konstant zu halten und die Vereine zu stärken. Im Ehrenamt werden sich die Babyboomer allmählich verabschieden. Unsere Antwort muss es sein, die Arbeit im Verein einfacher zu gestalten. Ich kann nur dafür werben, Neuerungen gegenüber offen zu sein. Klar, jede Veränderung ist erstmal mit einem gewissen Stressfaktor verbunden, aber die Erfahrung zeigt, dass es sich lohnt, neue Wege zu einzuschlagen.  

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