EINSZUEINS: Herr Brennecke, bevor wir einen Ausblick auf das Jahr 2018 wagen, blicken wir kurz zurück. Welche Veränderungen haben den FVM in den letzten Jahren besonders geprägt?
Die Aufgabe des Verbandes ist es ja, für unsere Vereine bestmögliche Bedingungen zu schaffen, damit diese die vielfältigen Angebote im Fußball wahrnehmen und umsetzen können. Das Fußballspiel ist im Grundsatz gleich geblieben, aber die Rahmenbedingungen haben sich in den letzten Jahren enorm verändert. Rechtliche und finanzielle Fragen sowie die Gewinnung von Mitgliedern und ehrenamtlichen Mitarbeitern drängen in den Vordergrund. Damit sind die Anforderungen komplexer geworden. Das merken wir an den Fragen, die uns täglich in der Geschäftsstelle erreichen.
Was hat sich in der Geschäftsstelle verändert?
Wir sind personell gewachsen und jünger geworden. Der FVM ist auf dem Arbeitsmarkt inzwischen für Absolventen ein attraktives Einstiegsunternehmen geworden. Das bedeutet auf der einen Seite Wissenszuwachs und neue Ideen, auf der anderen Seite natürlich auch eine höhere Fluktuation, weil weitere Schritte in der beruflichen Entwicklung anstehen. Das ist aber bewusst so angelegt. Insgesamt haben wir einen Qualitätssprung vollzogen und uns in den Aufgaben angepasst.
Das Organigramm ist auch gewachsen.
Wir sind zahlenmäßig gewachsen, weil neue Themen und neue Projekte hinzugekommen sind und wir Mitarbeiter aus Projektmitteln finanzieren können, um die Arbeit an der Basis zu stärken. Über den Masterplan und DFB-Mittel haben wir beispielsweise eine volle Stelle erhalten, Zuschüsse erhalten wir ab dem nächsten Jahr auch für die neue Stelle im Bereich Medien & Kommunikation. Dort wollten wir aber bereits jetzt aktiv werden, weil die Kommunikation unserer Angebote ein wesentliches Element ist. Unsere beiden FSJ-Koordinatoren, die 45 junge Menschen in den Vereinen, Kreisen und beim Verband betreuen, sind ebenso wie die „NRW bewegt seine Kinder“-Aufgaben über Projektmittel des LSB finanziert. Im Marketing haben wir nach der Auflösung des Vertrages mit einer Vermarktungsagentur lieber in eigene Mitarbeiter investiert, weil wir unsere eigenen Leistungen selbst am besten kennen und daher auch Unternehmen überzeugender ansprechen. Die neue Sachbearbeitungsstelle im Freizeit- und Breitensport ist eine Entscheidung unseres Präsidiums, das dieses Thema als wesentliches Element der Vereinsentwicklung sieht. Mit einer Angebotsausweitung können Vereine ihre Zukunft sichern. Dabei wollen wir noch stärker helfen. Bereits vor vier Jahren haben wir zudem in einen Mitarbeiter investiert, der Ansprechpartner für die Vereine in allen Fragen rund um das DFBnet ist. Wir haben einen Dienstleistungsauftrag, den nehmen wir ernst.
Im ersten Halbjahr stehen vor allem größere Veranstaltungen im Fokus der Arbeit der Geschäftsstelle. Was ist genau zu tun?
Das zweite Quartal ist traditionell geprägt von den Entscheidungen im Pokal und der Meisterschaft in allen Altersklassen und Wettbewerben. Daher nimmt die Vorbereitung dafür natürlich einen großen Raum ein – neben der täglichen Arbeit und den strategischen Themen, die weiterlaufen. Hinzu kommen verschiedene Groß- Veranstaltungen, die wir organisieren oder begleiten. Beim DFB-Pokalfinale der Frauen am 19. Mai organisieren wir die Mädchenturniere auf den Vorwiesen, betreuen die Volunteers und die Kinder des Rahmenprogramms, das sind fast 1.300 Mitwirkende. Unser Bitburger-Pokalfinale mit der ARD-Übertragung des Finaltags der Amateure nur zwei Tage später fordert uns in allen Bereichen: Von der klassischen Spiel- und Stadionorganisation über Sicherheitsfragen bis hin zur Vermarktung liegt alles in unserer Hand. Als im Januar bekannt gegeben wurde, dass auch das letzte Länderspiel vor der WM am 8. Juni in Leverkusen stattfindet, habe ich kurz geschluckt, weil wir auch dort als Landesverband eingebunden sind und das in der heißen Phase natürlich nochmal ein Pfund Mehrarbeit ist. Für diese Veranstaltungen läuft zudem der Ticketverkauf über den FVM, so dass auch hier mehrere Mitarbeiter involviert sind. Auf der anderen Seite sind diese Events immer tolle Highlights, die unsere Arbeit so vielfältig und reizvoll machen und unsere Mitarbeiter motivieren.
Welche Herausforderungen sehen Sie?
Wir haben in NRW in diesem Jahr eine komplette Pfingstferienwoche, viele potenzielle Besucher und Teilnehmer der Mädchenturniere werden wohl verreisen. Trotzdem setzen wir natürlich alles daran, in Köln, Bonn und Leverkusen möglichst volle Stadien zu haben, da werden wir auf allen Ebenen kräftig die Werbetrommel rühren. Was die Mitarbeiter angeht: Sie häufen in dieser Zeit, die alle anderen aufgrund der Feiertage für Kurzurlaube nutzen, die meisten Überstunden an, so dass wir an anderen Stellen Entlastung schaffen müssen, ohne unsere Dienstleistung zu vernachlässigen. Daher schließen wir seit ein paar Jahren die Geschäftsstelle rund um den Jahreswechsel komplett, damit alle mal ein paar Tage Ruhe finden. Das ist gut vertretbar, weil auch bei unseren Vereinen in dieser Phase der klassische Betrieb ruht. An dieser Stelle ein großer Dank an mein Team, das die anstrengende Eventphase Jahr für Jahr top bewältigt.
Wo ist der FVM insgesamt schon gut aufgestellt, wo kann er noch besser werden?
Besser werden muss immer eine Grundeinstellung sein. Wir arbeiten im FVM dafür an verschiedenen Themen. Digitalisierung ist ein wichtiges. Wir müssen noch dienstleistungsorientierter werden, unsere Angebote müssen einfacher zu nutzen und an die veränderte Arbeitswelt und Arbeitszeiten unserer Mitglieder angepasst sein. E-Learning wird ein großes Projekt. Der FVM kann keine Mitarbeiter in den Vereinen stellen, aber wir können gute Rahmenbedingungen schaffen, damit die Menschen sich leicht informieren können. Wir wollen dezentraler, zeit- und ortsunabhängiger in unseren Angeboten werden. Wir werden die Qualifizierung insgesamt noch stärker ausbauen. Im sportlichen Bereich sind wir mit unseren Lizenzen bereits sehr gut aufgestellt. Es gilt, die Kurzschulungen und damit das Angebot vor Ort weiter auszubauen und so die Vereine in der Breite zu stärken. Im Vereinsmanagement haben wir bereits hervorragende Angebote, die wollen wir noch weiter in die Vereine bringen. Denn das, was die Mitarbeiter in den Lehrgängen lernen, erleichtert ihnen die Arbeit vor Ort ungemein. Unser Ziel muss es sein, den Wert unserer Lehrgänge zu verdeutlichen. Gut aufgestellt sind wir in unseren Kernaufgaben wie im Spielbetrieb. Dort haben wir im Bereich "Flexibilisierung" viele Dinge vorangebracht und viele Wünsche unserer Vereine dank des guten Austausches umgesetzt. Zudem sind wir in der Entwicklung bundesweit Vorreiter, wie bei der FairPlayLiga oder der Veränderung von Ballgrößen und Torhöhen für Kinder. Im Bereich der Veranstaltungen haben wir ebenfalls eine sehr gute Qualität. Auch wenn die Veranstaltungen nicht über oder in Konkurrenz zu unseren altbekannten Kernaufgaben stehen: Sie sind ebenso wie die gute inhaltliche Arbeit eine Visitenkarte und damit wichtig für ein positives Image unseres Verbandes. Das und die Glaubwürdigkeit brauchen wir, um nach außen überzeugend die Interessen unserer Vereine gegenüber Politik, Wirtschaft und Medien vertreten zu können. Insgesamt können wir aber noch professioneller auftreten. Und das hat nichts mit einem Arbeitsvertrag zu tun, sondern ist eine Frage der Einstellung, egal ob ehren- oder hauptamtlich. Professionalität beginnt im Kopf. Alle Mitarbeiter handeln immer für die Organisation FVM und sollten mit der Ausrichtung des Verbandes vertraut sein. Unsere Entscheidungen werden von unseren Gremien demokratisch getroffen. Sie sind unsere Position und sollten auch nach außen vertreten werden. Und wenn der FVM in einem Thema drinsteckt, dann sollte das auch optisch deutlich werden.
Welche Herausforderungen sehen Sie für unsere Vereine?
Das Leben im Alltag hat sich verändert, die veränderten Möglichkeiten und Rahmenbedingungen in der Arbeitswelt und in der Schule haben direkten Einfluss auf das Vereinsleben, sei es nur, wenn es um spätere Trainingszeiten geht. Die Menschen müssen zudem den Wert erkennen, im Verein Sport treiben zu können. Dazu müssen Vereine sich mitunter neu aufstellen, neue Zielgruppen ansprechen, ihre bestehenden Mitglieder mit attraktiven und qualifizierten Sportangeboten binden und gegebenenfalls auch die Beitragsstruktur überdenken. Unsere Aufgabe als Verband ist es, sie dabei zu unterstützen.
Zur Person:
Dirk Brennecke (53) ist seit April 2011 Geschäftsführer des FVM. Davor war er als Geschäftsführer des Berliner Fußball-Verbandes und als Generalsekretär des Deutschen Baseball und Softball Verbandes tätig. Seine Karriere als Schiedsrichter führte ihn bis in die dritte Liga (OL Nordost) und als Assistent bis in die Regionalliga.
