Deutsch-russischer Fachkräfteaustausch: Zur WM nach Russland

Laurin Krohn ist 19 Jahre alt und gehört als FSJler der FVM-Bildungsgruppe an. Im Rahmen eines deutsch-russischen Fachkräfteaustauschs hatte er die Möglichkeit zur Weltmeisterschaft zu fliegen. Für den FVM blickt Laurin auf seine Zeit in Russland zurück.

Deutsch-russischer Fachkräfteaustausch: Zur WM nach Russland

"In einer E-Mail unserer FSJ-Koordinatorin Barbara Schwinn erfuhr ich von dem Angebot der Deutschen Sportjugend. Das bestand daraus, eine Woche lang gemeinsam mit etwa 20 anderen Menschen aus ganz Deutschland, die sich im Sportbereich engagieren, zur Weltmeisterschaft nach Russland zu fliegen und dort unter dem Motto "Fußball verbindet – football unites" in den Austausch mit russischen Aktiven zu treten. Begeistert von der Idee, schickte ich meinem Verein spontan noch auf dem Weg mein Motivationsschreiben – wohl wissend, dass es eigentlich aussichtslos ist, bei einer so kleinen Gruppe einer der Auserwählten zu sein. Nun ja: Einen Monat später stand ich tatsächlich gemeinsam mit den anderen angenommenen Bewerbern am Frankfurter Flughafen und wartete auf unseren Flug nach Rostov am Don. Nach einer langwierigen und hektischen Reise kamen wir schließlich abends in Rostov an. Nach dem ersten Schock, nämlich den Anstieg von milden 20 Grad in Frankfurt auf satte 35 Grad in Rostov, war unser erstes Ziel unsere Unterkunft, welche von der staatlichen Universität in Rostov gestellt wurde.

Das erste Highlight folgte aber noch am Flughafen von Rostov. Extra für uns hatte man eine Gruppe Musiker engagiert und man führte uns, nachdem wir von ihnen mit russischen Spezialitäten versorgt wurden, traditionelle russische Lieder auf. Schon dort ein kleiner Vorgeschmack auf die gastfreundliche Art und Weise, von der wir in der kurzen Zeit erfahren sollten.

Nach diesem phänomenalen Empfang fuhren wir zu unserer Unterkunft und durften den späten Abend ausklingen lassen. Die Stimmung wurde an diesem Abend vom russischen Delegationsleiter ein bisschen genommen, da der versprochene Besuch des Vorrundenspiels Island – Kroatien kurzfristig nicht klappte. Da muss ich aber die Gruppe, mit der ich dorthin reiste, hervorheben. Von Minute eins an verstanden wir uns alle hervorragend und das machte sich in diesem Moment bemerkbar, da wir uns gegenseitig wieder aufbauen konnten. Es war ja das vermeintliche Highlight schlechthin dieser Reise gewesen. Rückblickend muss ich aber sagen, dass das Spiel vermutlich in meinen Erzählungen zu Hause eh auf der Strecke geblieben wäre, da der Austausch mit den russischen Vertretern, aber auch vor allem mit den anderen deutschen Teilnehmern so intensiv und interessant war, dass es alles überstrahlt hat und die Woche wie im Flug vorbeigegangen ist. Was mich inhaltlich am meisten verwundert aber auch fasziniert hat, ist die russische Art des organisierten Sporttreibens. Trotz einer mehrstündigen Einführung in das System, kann ich dieses nur grob erklären, nämlich das alles staatlich organisiert ist und es Sportvereine, so wie wir sie kennen, nicht gibt, sondern alles an Schulen und Universitäten angegliedert ist. Verrückt, oder? Fußball-Verbände, wie den FVM, gibt es in Russland gar nicht. Der Fußball wird dort nicht im Breitensport betrieben, eine "Basis" ist dort gar nicht vorhanden. Ist man talentiert und die finanziellen Möglichkeiten der Familie lassen das zu, wird man vom Schulsport direkt in spezifische Sportschulen geschickt und betreibt Sport sofort auf Leistung.

Apropos Geld: Licht und Schatten in der Hinsicht in der Gesellschaft liegen sehr weit auseinander. Wurden wir bei offiziellen Terminen nur zu sauberen und modernen Plätzen in Rostov geführt, so habe ich mir auf meiner morgendlichen Laufrunde auch ein eigenes Bild von der anderen Art machen können. Begibt man sich von der offiziellen FIFA-Fanzone und dem Prachtboulevard in Rostov weiter weg, gelangt man ganz schnell in Gegenden, wo Straßenhunde, aufgerissene Straßen und eigentlich nicht mehr bewohnbare Häuser das Stadtbild mitprägen. Auch eine gute Erfahrung, um reflektierter und gelassener bestimmte Situationen im Alltag in Deutschland hinzunehmen.

Komme ich aber nun zu einem weiteren Highlight dieser Reise, dem Freundschaftsspiel mit mittlerweile unseren russischen Freunden. Definitiv eine schöne Abwechslung zwischen all den vielfältigen Vorträgen, den Diskussionsrunden und dem nicht kleinen kulturellen Programm, trotz des Umstandes von 39 Grad ohne Schatten. Nach dieser gleichermaßen lustigen, wie schweißtreibenden Angelegenheit ging es, nachdem wir das Fußballspiel Deutschland – Südkorea verfolgt haben, zu einem Restaurant, in dem wir auf die "Druzhba" (Freundschaft) angestoßen haben. Dort konnte ich auch meinen, im Flugzeug auswendig gelernten Toast, "Baljoe spasiba sa prigaljenje! Kak sdorowa sto fsj mi sdjes swodnja sabrilis. Sa Milich dam!", zum ersten Mal richtig präsentieren.

Alles in allem war dieser Austausch eine spannende, unheimlich wertvolle und lehrreiche Erfahrung für mich, da ich vorher noch nie in Russland war und dementsprechend dies meine ersten eigenen richtigen Berührungspunkte mit dem Land waren. Dass dies noch im Rahmen eines solchen Großereignisses wie der Weltmeisterschaft geschehen ist, und ich ein Teil einer deutschen Delegation sein durfte, ist für mich etwas ganz besonderes. Mit all den Eindrücken und neu geschlossenen Freundschaften treibt es mich ungemein an, auch nach meinem FSJ dem Fußball, in welcher Form auch immer, erhalten zu bleiben. Denn das hat man in dieser einzigen Woche wirklich feststellen können: Fußball verbindet!"

Text: Laurin Krohn

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