Der Traum vom großen Coup blieb ein Traum. Mittelrheinligist Siegburger SV konnte den favorisierten Drittligisten Viktoria Köln im Viertelfinale des Bitburger-Pokals nicht stoppen und unterlag mit 1:2 (1:1). Und doch hinterließ dieser erste frühlingshaft anmutende Abend des Jahres zufriedene Gastgeber. „Das war ein sehr starkes Spiel von uns und eine tolle Erfahrung, gegen so einen Gegner aus dem Profibereich spielen zu dürfen. Die Jungs und alle an der Organisation dieses Events beteiligten Menschen haben einen richtig guten Job gemacht“, sagte Bernhard Lichtenberg, Sprecher und Stellvertretender Vorsitzender des Siegburger SV.
In den ersten Minuten der Begegnung schien der Traum vom Halbfinale sogar Realität zu werden. Denn die Gastgeber erwischten einen perfekten Start: Kelana Noah Mahessa brachte den Mittelrheinligisten gegen den Rekordchampion nach gerade einmal zwei Minuten vor rund 1.000 Zuschauer*innen in Führung. „Das war ein denkbar schlechter Start“, fand Viktoria-Trainer Marian Wilhelm. Der Favorit strauchelte, fiel aber nicht. Im Gegenteil: nach einer schönen Flanke erzielte Samuele Carella per Kopfball das 1:1 (15.). Und fortan drängte die Viktoria auf den Führungstreffer. Die Siegburger aber stemmten sich erfolgreich dagegen. „Wir haben es der Viktoria wirklich schwer gemacht“, fand Lichtenberg. So ging es beim Stande von 1:1 in die Kabinen. Heraus kamen die Gäste noch entschlossener.
Viktoria Köln entscheidet Partie erst nach 82 Spielminuten
„Wir hatten kaum noch Entlastungsangriffe“, so Lichtenberg. Und doch dauerte es bis zur 81. Minute, ehe Benjamin Zank eine Ecke von Tobias Eisenhuth per Kopfball zum 2:1 für die Gäste nutzen konnte. Ein wenig bangen mussten Viktoria-Trainer Wilhelm und sein Team aber noch. Zumal man nach der Gelb-Roten Karten für Frank Ronstadt die Schlussphase in Unterzahl bestritt. Tief in der Nachspielzeit hatten die Siegburger nochmal den Torschrei auf den Lippen, aber Alexander Tackie Sai verzog aus spitzem Winkel. „Wir konnten den Platz trotzdem erhobenen Hauptes verlassen“, war Lichtenberg überzeugt. Das konnte Wilhelm unterschreiben: „Wir wussten, dass ein guter Gegner auf uns wartet. Das hat sich bestätigt. Aber wir haben den Widrigkeiten erfolgreich getrotzt und sind jetzt froh, in der nächsten Runde zu stehen.
Auch einige Kilometer weiter nördlich, in der Centershop-Arena des Bergisch Gladbacher SSV Jan Wellem, ging der Underdog in Führung. Gegen den Mittelrheinligisten SV Eintracht Hohkeppel traf Christoph Nickel zum 1:0 für den letzten im Wettbewerb verbliebenen Bezirksligisten. Und beinahe wäre ihm auch noch das 2:0 gelungen. Einmal schloss er etwas überhastet aus guter Position ab, einmal fehlten ihm Zentimeter, als sein Schuss am Pfosten landete. „Wer weiß, wie die Partie gelaufen wäre, wenn das 2:0 gefallen wäre“, sagte SSV-Coach David Gsella. Doch das blieb ein Gedankenspiel. Am Ende sollte Favorit Hohkeppel dieses Viertelfinale deutlich mit 6:1 (2:1) für sich entscheiden.
Hohkeppel stellt mit Doppelpack Weichen auf Sieg
Ferhat Saglam stellte dabei die Weichen noch vor der Pause per Doppelpack auf Sieg: Zunächst behielt er im Eins-gegen-Eins die Nerven und überwand SSV-Keeper Kiril Chosov, ehe er nach 44 Minuten per Kopfball das 2:1 folgen ließ. „Es war wichtig, dass wir mit einem Vorsprung in die zweite Hälfte starten konnten“, so Kevin Theisen, Sportlicher Leiter beim SV Eintracht. Mike Owusu (48.), Arian Amyn (68.), Hendrik Strobel (78.) und Rudolf Karl Gonzales Vass (80.) legten vier weitere Tore zum 6:1-Endstand nach. „Jan Wellem hat es gut gemacht, aber mit dem 3:1 war eine Vorentscheidung gefallen“, so Theisen. SSV-Trainer Gsella sah das ähnlich. Lange Zeit sei man gut im Spiel gewesen, „aber am Ende merkt man dann eben die Qualität des Gegners. Wir haben etwas zu hoch, aber verdient verloren“, erklärte er.
In der Runde der letzten Vier steht auch der Regionalligist Bonner SC. Das Team um BSC-Coach Björn Mehnert feierte einen 4:0 (1:0)-Sieg beim Landesligisten Borussia Lindenthal-Hohenlind. „Es war ein verdienter Sieg gegen guten Landesligisten“, fand der Coach. Angesichts der knappen Führung – nur Daiki Kamo hatte nach 28 Minuten getroffen – blieb die Partie zunächst spannend.
Bonner SC steht nach 4:0 im Halbfinale
„Wir hatten das Spiel eigentlich im Griff, aber es war eben nicht entschieden. Daher habe ich den Jungs in der Pause gesagt, dass sie einen Schritt mehr machen müssen. Das haben sie getan“, erklärte Mehnert, für dessen Mannschaft Markus Wipperfürth nach 56 Minuten das 2:0 nachlegte. „Dieser Treffer ist vielleicht zu früh gefallen. Danach war es schwer, noch einmal Kräfte zu mobilisieren“, so die Einschätzung von Roland Gabriel, dem Sportlichen Leiter der Gastgeber. Tatsächlich blieb die Wende aus. Robin Bird (69.) und Marzouk Kotya-Fofana (90.) trafen zum 4:0-Endstand. Gabriel stellte seiner ersatzgeschwächten Mannschaft dennoch ein gutes Zeugnis aus: „Die Jungs, die auf dem Platz standen, haben es gut gemacht. Mehr war nicht drin.“
Weiterhin vom ersten Titel im Bitburger-Pokal seit 2013 träumen darf man beim Regionalliga-Spitzenreiter S.C. Fortuna Köln. Vor 7.012 Zuschauer*innen im Kölner Südstadion gelang es dem Team um Fortuna-Coach Matthias Mink den Drittligisten TSV Alemannia Aachen mit einem 1:0 (0:0) aus dem Wettbewerb zu werfen. „Es war ein Pokal-Fight. So wollen wir weitermachen. Denn wir wollen ins Finale“, sagte Mink nach dem Abpfiff. Gleichwohl gestand er ein, dass nicht die dominante Mannschaft dieses Match gewonnen hatte, sondern die effektivere. „Man kann sicherlich besser Fußball spielen, aber das zählt letztlich nicht“, so Mink. Sein Pendant auf der Alemannia-Bank, Mersad Selimbegovic, hatte Mühe, Gründe für die Niederlage zu benennen. „Es gibt Tage, die sind schwer zu erklären. Die Jungs waren konzentriert, zielstrebig und gut in der Verteidigung. Es gab viele Situationen, in denen wir hätten treffen können. Wir hatten kein Glück, überhaupt nicht“, beklagte er.
Nico Thier schießt S.C. Fortuna Köln zum Sieg
Omar Sillah verpasste bei seinem Kopfball die Führung (24.) genau wie Niklas Castelle, der nur die Latte traf (41.), dann fand wieder Sillah seinen Meister im starken Kölner Keeper Lennart Winkler (45.). Das ging Valmir Sulejmani nicht anders, auch er scheiterte an Winkler (55.). „Wir hätten zurückliegen können“, erkannte auch Mink an. Doch sein Team hielt sich schadlos und schlug dann eiskalt zu. Am Ende des ersten gefährlichen Vorstoßes lief Nico Thier frei auf Manuel Riemann im Tor der Alemannia zu und vollendete mit einem entschlossenen Flachschuss ins kurze Eck zum 1:0 (57.). Weil Bentley Baxter Bahn weitere Chancen ausließ und Lamar Yarbrough per Kopfball nach einer Flanke von Gianluca Gaudino nur den Pfosten traf (90.+5) traf, blieb es beim knappen Erfolg der Kölner.
Bitburger-Pokal 2025/26
SSV Jan Wellem 05 (BZL) – SV Eintracht Hohkeppel (MRL) 1:6
Siegburger SV 04 (MRL) – Viktoria Köln (3. Liga) 1:2
SC Borussia Lindenthal-Hohenlind (LL) – Bonner SC (RL) 0:4
S.C. Fortuna Köln (RL) – TSV Alemannia Aachen (3. Liga) 1:0
Modus
- Gespielt werden sechs Runden inklusive Finale.
- Klassentiefere Teams genießen im Bitburger-Pokal bis einschließlich Halbfinale Heimrecht.
- Das Finale findet am 23. Mai 2026 im Kölner Sportpark Höhenberg statt.
- Der Sieger qualifiziert sich für die erste Hauptrunde des DFB-Pokals.
Geplante Spieltermine gemäß Rahmenterminkalender
- Halbfinale: 24. bis 26. März 2026
- Finale: 23. Mai 2026
Weitere Auslosungstermine
Die Halbfinals im Bitburger-Pokal der Herren und im Schaebens-Pokal der Frauen werden voraussichtlich Anfang März 2026 ausgelost.
