Bitburger-Pokal: Patrick Mioska vor Spiel des Lebens in doppelter Mission

Bitburger-Pokal: Patrick Mioska vor Spiel des Lebens in doppelter Mission

Wenn das Flutlicht am Dienstag, 18. November, an der Aachener Sportanlage Wolferskaul angeschaltet wird, dürfte nicht nur Patrick Mioska ein Kribbeln beschleichen. „Ich kann mir absolut nichts anderes vorstellen, als dass an diesem Abend Gänsehaut-Atmosphäre herrschen wird“, sagt der 34-Jährige. Um 19 Uhr wird er mit der DJK Rasensport Aachen-Brand im Achtelfinale des Bitburger-Pokals auf den Traditionsverein S.C. Fortuna Köln treffen. Nie zuvor ist sein Verein so weit in diesem Wettbewerb gekommen. Rund 1.000 Zuschauer*innen werden das Spielfeld säumen und für die meisten Akteure im Team des Landesligisten wird das Spiel ihres Lebens beginnen, sobald sie die Hände der Einlaufkinder losgelassen haben.

Mioska hat schon vor sechs Jahren einmal ein Match gegen einen vergleichbar großen Gegner absolviert, auf dem Tivoli gegen den TSV Alemannia Aachen gespielt, doch auf der eigenen Anlage hat er so eine Begegnung noch nicht erlebt. Und schon gar nicht in doppelter Funktion. Seit Sommer ist er nicht mehr nur einer der Routiniers im Kader von DJK-Trainer Daniel Formberg, sondern auch Sportlicher Leiter des Vereins und damit auch einer der ehrenamtlichen Kräfte, die bei der Organisation dieses Events gefordert sind. „Freizeit“, sagt Mioska, „habe ich im Moment null.“

Ehrenamtler des Klubs packen für gemeinsames Ziel an

Angesichts des großen Zuschauerandrangs gilt es, Absprachen mit Polizei, Stadtverwaltung und Caterern zu treffen, es werden zusätzliche Toiletten benötigt, die Akkreditierungen bearbeitet, ein Festzelt aufgebaut und ein Sicherheitsteam zusammengestellt. In einigen Bereichen setze man auf die Expertise Externer, das meiste aber schultern Ehrenamtler und Mitglieder des Vereins. „Die Spieler der zweiten und dritten Mannschaft haben beispielsweise zugesagt, als Ordner bereitzustehen“, so Mioska. Trotz all der Arbeit mache es Spaß, im Team etwas zu bewegen. In vorderster Reihe sind neben ihm auch der Vorsitzende Detlef Hesse und sein Kompagnon in der Sportliche Leitung, Lukas Berg, involviert.

Vor Augen haben sie ein gemeinsames Ziel: Sie wollen das Duell mit einem der besten Teams aus der Regionalliga West zu einem besonderen Abend für den gesamten Verein machen, zu einem Abend, der Identifikation schafft „und den Leuten vor Augen führt, wie es sein kann, wenn es richtig voll auf der Anlage wird“, betont er. Schon jetzt meldeten sich Menschen aus dem Umfeld, die man schon länger nicht gesehen habe. „Die Stunden nach dem Spiel, wenn wir uns im Festzelt treffen und einen hoffentlich friedlichen Abend rekapitulieren, werden sich bestimmt wie ein Klassentreffen anfühlen“, ist Mioska überzeugt.

Seit dem Bambini-Alter ununterbrochen im Verein

Das gilt insbesondere für jene im Verein, die der DJK Rasensport schon lange die Treue halten. Für Detlef Hesse, für dessen Sohn Christian, ein weiteres Urgestein im Kader, für Coach Formberg, der von Unterbrechungen abgesehen, seit Jahren dabei ist – und nicht minder für Mioska. Letzterer fand 1996, noch im Bambini-Alter zum Verein, den er nie verließ. Zwar liegt sein Elternhaus nur rund 400 Meter vom Platz entfernt, „aber ich komme nicht unbedingt aus einer fußballverrückten Familie“, sagt er. Kindergartenfreunde und der Vater eines Kumpels, der die kleinen Kicker damals trainierte, hätten ihn mitgenommen. Und er ist für immer geblieben.

„Dabei gab es auch Phasen in der Jugend, in denen es sportlich nicht so rund lief“, schaut er zurück. Die Freundschaften hätten ihn damals bei der Stange gehalten. Zudem reüssierte Mioska auch auf dem Platz. Der ehe schmächtige Spieler, avancierte mit Fleiß und gutem Spielverständnis zum talentierten Akteur, der noch als A-Junior bei den Senioren debütierte. Als Linksverteidiger und später als Sechser erlebte der beidfüßige Kicker den steten Aufstieg des Vereins. Von der B-Liga ging es bis hinauf in die Landesliga. Mioska hat Aufstiege, aber nie einen Abstieg erlebt. Zu den Highlights zählen das besagte Match im Bitburger-Pokal auf dem Tivoli, das sich trotz des 0:5 angesichts der stimmungsvollen Spielstätte und des klangvollen Gegners positiv in die Erinnerung eingebrannt hat. „Das ist jetzt sechs Jahre her. Moritz Pomp, der im Moment leider nach einem Kreuzbandriss noch ausfällt, Christian Hesse und Delany Arigbe waren damals auch noch mit dabei“, so Mioska, der zudem lebhafte Erinnerungen an ein Spiel im Frühjahr 2022 hat, als man vor 600 Zuschauer*innen dem direkten Konkurrenten um den Landesliga-Aufstieg SV Helpenstein per Last-Minute-Tor ein 1:1 abrang.

Teamgeist und Leidenschaft als Schlüssel zum Erfolg

Auch seine aktuelle Mannschaft, davon ist er überzeugt, ist zu großen Taten fähig. „Wir können Leidenschaft auf den Platz bringen und einen besonderen Spirit entwickeln“, sagt er. Die Geschehnisse der vorangegangenen Runde dienen als perfekter Beleg: In der Auftaktrunde feierte man ein 2:1 (1:1) beim Bezirksligisten TV Konzen. Den erlösenden Treffer für Rasensport Brand nach 87 Minuten in einem emotionalen Match erzielte Mioska selbst – per Strafstoß. „Ich mache zwar nicht viele Tore und bin auch nicht der etatmäßige Schütze, aber Elfer liegen mir“, erklärt er.

Gegen den FC Teutonia Weiden, immerhin ein Mittelrheinligist, lag die DJK nach 70 Minuten bereits mit 1:4 zurück, als eine große Aufholjagd begann. Binnen der verbleibenden 20 Minuten sorgten Catalin-Ionel Pinetea, Luca Diehr und Arigbe für den kaum mehr für möglich gehaltenen Ausgleich. Es ging in die Verlängerung. Nun schlug Arigbe – der schon das 1:0 erzielt hatte – zum dritten Mal zu. Nach 119 Minuten. Aus mehr als 30 Metern Tordistanz. Das 5:4 löste völlige Euphorie aus, jedenfalls bei allen, die es mit Rasensport Brand hielten. „Ich habe an dem Tag überhaupt kein gutes Spiel gemacht, aber das war natürlich trotzdem ein wahnsinniges Erlebnis“, so Mioska. Es sind aber nicht nur diese Momente der Glückseligkeit, die ihn am Fußball faszinieren. Es ist auch der Alltag, der Gang zum Training und das Miteinander. „Die Woche kann noch so stressig sein“, sagt der Angestellte einer großen Versicherung, „wenn ich in die Kabine komme, habe ich immer gute Laune.“

Ehrenamt als Chance zu gestalten

Diese Augenblicke will der 34-Jährige auch anderen ermöglichen. Darum packt er ehrenamtlich als Sportlicher Leiter an. „All die Jahre haben sich andere gekümmert, das alles aufrechtzuerhalten. Ich könnte es nicht mit mir selbst vereinbaren, wenn dieses Vereinsleben nicht auch in Zukunft weiterliefe“, macht er deutlich. Das Engagement koste zwar Kraft, „aber man tankt eben auch auf andere Weise Energie, kann eigene Ideen umsetzen und gestalten“. Solange der Köper noch mitmacht und der Ehrgeiz nicht nachlässt, will Mioska noch selbst die Schuhe schnüren und parallel in der Führung Verantwortung übernehmen. Das verschaffe ihm Erfahrung in der Einschätzung von Menschen, im Umgang mit Verantwortung für andere und schade damit bestimmt auch nicht im Job. Und es beschert ihm die Chance, Highlights wie nun im Bitburger-Pokal gleich in doppelter Dimension zu erleben.

Foto: Elmar Cüpper
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