Der Frauen- und Mädchenfußball ist längst ein fester Bestandteil vieler Vereine im Fußball-Verband Mittelrhein. Wie der nachhaltige Aufbau entsprechender Strukturen gelingen kann, zeigt der TuS Marialinden eindrucksvoll: Mit einer klaren Strategie, großem ehrenamtlichen Engagement und einer engen Verzahnung von Mädchen- und Frauenfußball hat der Verein ein attraktives Angebot für Spielerinnen aller Altersklassen geschaffen und zugleich das gesamte Vereinsleben nachhaltig bereichert.
Den Grundstein für den heutigen Erfolg legte der Verein zunächst im Mädchenfußball. Nach der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland stieg auch in Marialinden das Interesse von Mädchen am Fußball deutlich an. Zwar gab es zwischenzeitlich einige Herausforderungen, doch dank der engen Zusammenarbeit mit dem benachbarten SV Rot-Weiß Eulenthal konnte der Spielbetrieb dauerhaft gesichert werden. Aus dieser Kooperation entwickelte sich mehr als eine reine Spielgemeinschaft. Bereits ab 2018 trainierten und spielten die Frauen des SV Rot-Weiß Eulenthal auf der Sportanlage des TuS Marialinden. Als sich zeigte, dass beide Vereine dieselben Ziele und Vorstellungen verfolgten, reifte der Wunsch nach einer gemeinsamen Zukunft. Anstelle einer aufwendigen Fusion entschied sich die Mannschaft schließlich 2021 für einen Neustart unter dem Namen TuS Marialinden – bewusst in der Kreisliga B. „Die Zusammenarbeit funktionierte hervorragend. Deshalb haben wir uns entschieden, den Weg gemeinsam zu gehen und uns Schritt für Schritt wieder nach oben zu arbeiten“, erinnert sich Julia Fischer, Vorständin der Abteilung Fußball sowie Leiterin des Mädchen- und Frauenfußballs, an die damalige Entscheidung. Ein großer Vorteil: Der Verein konnte unmittelbar auf seine erfolgreiche Nachwuchsarbeit aufbauen. Bereits in der ersten Saison rückten mehrere Spielerinnen aus den eigenen Juniorinnen-Teams in die Frauenmannschaft auf. Genau diese Durchlässigkeit bildet bis heute einen zentralen Bestandteil des Konzepts.
Inzwischen gehören mehr als 50 Mädchen und 25 Frauen zum aktiven Spielbetrieb des TuS Marialinden. Drei Juniorinnen-Mannschaften in den Altersklassen U13, U15 und U17 bilden gemeinsam mit der Frauenmannschaft eine durchgängige Entwicklungskette. Die Teams trainieren regelmäßig miteinander, unterstützen sich gegenseitig und erleichtern talentierten Spielerinnen den frühzeitigen Übergang in den Seniorenfußball. Ergänzt wird das Angebot durch ein zusätzliches Torwarttraining, das allen Torhüterinnen offensteht. Auch sportlich trägt die kontinuierliche Arbeit Früchte. Alle drei Juniorinnen-Teams erreichten zuletzt bereits zum zweiten Mal in Folge das Kreispokalfinale. Die U17 sicherte sich sogar das Double, während die U13 und die U15 jeweils die Vizemeisterschaft und den zweiten Platz im Kreispokal belegten. Diese Erfolge sind Ausdruck einer nachhaltigen Nachwuchsarbeit, die den Spielerinnen nicht nur sportliche Perspektiven eröffnet, sondern sie auch langfristig an den Verein bindet.
Mindestens genauso wichtig wie die sportliche Entwicklung ist für den TuS Marialinden die aktive Einbindung der Frauen in das Vereinsleben. Von Beginn an wurde die Frauenmannschaft im Verein offen und positiv aufgenommen. Heute engagieren sich die Spielerinnen selbstverständlich bei Veranstaltungen, Vereinsfesten und Arbeitseinsätzen und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Vereinsgemeinschaft. „Wir wurden nicht nur auf dem Platz, sondern auch darüber hinaus von Anfang an aktiv ins Vereinsleben eingebunden. Ob beim Bau des neuen Vereinsheims oder bei Veranstaltungen – die Frauen sind heute ein selbstverständlicher Teil unserer Gemeinschaft“, sagt Fischer. Ganz ohne Herausforderungen ist dieser Weg allerdings nicht. Vor allem die Suche nach Trainer*innen stellt den Verein regelmäßig vor Aufgaben. Gerade im Mädchen- und Frauenfußball sei es schwierig, ausreichend engagierte Übungsleiter*innen zu finden. Deshalb setzt der Verein auf intensive Gespräche, Überzeugungsarbeit und die Unterstützung aus den eigenen Reihen. Eltern sowie Spielerinnen der Frauenmannschaft übernehmen Verantwortung im Jugendbereich und helfen dabei, den Trainingsbetrieb langfristig sicherzustellen.
Für Julia Fischer ist genau dieses Engagement einer der entscheidenden Erfolgsfaktoren. Sie selbst spielte bereits als Kind beim TuS Marialinden, wechselte später in den Mädchenfußball nach Eulenthal und begleitete schließlich die enge Zusammenarbeit beider Vereine aktiv mit. „Ich bin stolz darauf, was wir mit den beiden Vereinen geschaffen haben, und spiele nach wie vor sehr gerne und mit Leidenschaft für den TuS Marialinden“, sagt sie. Anderen Vereinen, die den Frauen- und Mädchenfußball ausbauen möchten, gibt Fischer einen klaren Rat mit auf den Weg: „Frauen sollten von Anfang an aktiv in den Entwicklungsprozess einbezogen werden. Gleichzeitig ist ein regelmäßiger Austausch zwischen Frauenmannschaft, Vorstand und den anderen Teams wichtig. Wer Verantwortung übernimmt und den Verein mitgestaltet, stärkt nicht nur den Frauenfußball, sondern die gesamte Vereinsgemeinschaft."
Der TuS Marialinden zeigt eindrucksvoll, dass Frauen- und Mädchenfußball weit mehr ist als die Gründung einer zusätzlichen Mannschaft. Entscheidend sind langfristige Perspektiven, eine enge Verzahnung der Altersklassen und die konsequente Einbindung in das Vereinsleben. So entsteht eine nachhaltige Struktur, von der nicht nur die Spielerinnen, sondern der gesamte Verein profitiert.
TuS Marialinden auf einen Blick
Frauenmannschaft seit: Saison 2021/22
Mädchenfußball seit: Nach der FIFA-Weltmeisterschaft 2006
Aktive Spielerinnen:
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Über 50 Mädchen
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Rund 25 Frauen
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Mannschaften:
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U13-Juniorinnen
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U15-Juniorinnen
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U17-Juniorinnen
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Frauenmannschaft
Besonderheiten:
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Enge Verzahnung von Juniorinnen und Frauenbereich
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Gemeinsame Trainingseinheiten von U17 und Frauen
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Spezielles Training für alle Torhüterinnen
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Frühe Heranführung talentierter Spielerinnen an den Seniorenfußball
Aktuelle Erfolge:
Alle drei Juniorinnen-Teams erreichten zuletzt zum zweiten Mal in Folge das Kreispokalfinale.
Erfolgsrezept:
„Frauen sollten von Anfang an aktiv in den Entwicklungsprozess einbezogen werden. Gleichzeitig ist ein regelmäßiger Austausch zwischen Frauenmannschaft, Vorstand und den anderen Teams wichtig."
