Kölns Oberbürgermeister Torsten Burmester im FVM-Interview über die einmalige Chance für Sport, Stadt und Gemeinschaft.
Herr Burmester, Sie sind selbst in Kölner Vereinen aktiv – unter anderem beim FC Rheinsüd Köln. Welche Chancen entstehen bereits durch die Olympiabewerbung für Vereine, Ehrenamtliche und den Breitensport in Köln?
Olympische und Paralympische Spiele wirken immer auch als Motor für die Sportentwicklung. Große Ereignisse erzeugen einen Run auf die Sportarten – gerade Kinder und Jugendliche lassen sich von Erfolgen inspirieren und kommen verstärkt in die Vereine. Darauf müssen wir uns dann vorbereiten und den Schub für den Breitensport in Deutschland nutzen. Gemeinsam können wir dann die infrastrukturellen Hürden wie Wartelisten eingeschränkte Nutzungszeiten usw. beseitigen.
Welche positiven Auswirkungen hat der angesprochene Modernisierungsschub auf die Sportinfrastruktur der Stadt?
Allein in Köln hat das Sportamt einen Sanierungsbedarf von 80 Prozent bei den städtischen Anlagen festgestellt. Schon im Vorfeld der Bewerbung legen Land und Bund neue Förderprogramme auf. Das sind ermutigende Signale, die sich im Falle einer Austragung noch deutlich verstärken würden. Wir dürfen nicht vergessen: Neben den großen Wettkampfstätten werden auch die Anlagen des Breitensports als Trainingsflächen benötigt. Dadurch entstehen weitere Investitionsmöglichkeiten im Breitensport.
Wie kann das Ehrenamt von Olympia profitieren?
Ehrenamt ist eine Grundvoraussetzung für die Durchführung der Spiele. Wir brauchen eine große Zahl an Volunteers. Die Spiele zeigen sehr positiv, wie ehrenamtliches Engagement internationale Begegnung und persönlichen Austausch ermöglicht. Und das motiviert für das Ehrenamt an der Basis.
Die Olympischen und Paralympischen Spiele sollen zwischen 2036 und 2044 in Deutschland stattfinden. Warum sollten die Bürger*innen bis zum 19. April für die Bewerbung stimmen?
Erstens: Olympia bietet eine große Chance für den Sport und für die soziale Stadt Köln. Durch die enge Verbindung von Olympischen und Paralympischen Spielen – fast alle paralympischen Sportarten nutzen dieselben Wettkampfstätten – entstehen echte Teilhabemöglichkeiten. Und auch die Kölner*innen können an den Sportereignissen als Fans partizipieren. 14 Millionen Tickets, so viele wie nie zuvor, sorgen in der Region KölnRheinRhuhr für finanziell erreichbare Angebote.
Zweitens: Die Spiele können einen erheblichen Modernisierungsschub auslösen – von besserem ÖPNV über einen neuen Autobahnanschluss bis hin zu neuen Wohnungen. Das Olympische und Paralympische Dorf wird nach den Spielen Wohnraum in einem neuen Stadtviertel im Kölner Norden schaffen. Und: Für die Spiele werden ausschließlich bestehende oder temporäre Sportstätten genutzt – das schafft echte Nachhaltigkeit.
Drittens: Wir bieten die größte Bühne für den größten Sport. Die Spiele ermöglichen herausragende Leistungen und wir als Gesellschaft können diese anerkennen und feiern.
Köln ist Leading-City der Bewerbung. Welche Chancen bringt das mit sich?
Wir haben Köln bewusst zur Leading City gemacht, weil der Name international eine starke Wiedererkennbarkeit besitzt. Damit geht eine besondere Verantwortung einher, die wir gerne übernehmen. Umso erfreulicher ist es, dass sich die gesamte Stadtgesellschaft hinter die Bewerbung stellt – Wirtschaft, Handwerk, Karneval sowie Profi- und Breitensport.
Was bedeutet es Ihnen persönlich als Oberbürgermeister mit DOSB-Verbundenheit an der Spitze der Leading-City zu stehen?
Ich habe diese Aufgabe gerne angenommen. Durch meine Erfahrungen bei den Spielen in Peking, Vancouver, Tokio und Paris kann ich die Bewerbung realistisch einschätzen und wichtige Schritte ableiten – wie etwa den breiten demokratischen Legitimierungsprozess, den KölnRheinRuhr mit dem Bürgerentscheid geht.
Was wünschen Sie sich für die öffentliche Diskussion rund um Olympia?
Wir sagen zu oft „Nein, weil“ und zu selten „Ja, wenn“. Statt Gründe zu suchen, etwas nicht zu tun, sollten wir offener darüber nachdenken, wie Projekte so gestaltet werden können, dass sie Stadt und Gesellschaft nützen.
Die Olympischen Winterspiele in Mailand/Cortina sind gerade zu Ende gegangen. Welchen Einfluss kann das auf die Bewerbung Kölns haben?
Ich hoffe, dass die Begeisterung durch die Bilder und Erfolge aus Mailand wächst. Wenn Menschen diese positiven Emotionen erleben und sagen: „Das will ich auch“, dann wird das unserer Bewerbung Rückenwind geben.
Über Torsten Burmester
Torsten Burmester (SPD) ist seit dem 1. November 2025 Oberbürgermeister der Stadt Köln. Zuvor war er Vorstandsvorsitzender des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) und Generalsekretär des Deutschen Behindertensportverbands. Der Diplom-Sportlehrer studierte an der Deutschen Sporthochschule Köln und stand über 35 Jahre als Handball-Torwart im Tor. Er ist Fürsprecher der Bewerbung um die Olympischen und Paralympischen Spiele in der Region KölnRheinRuhr.
