Teamplay im Trainerstab: Weg von der "One-Man-Show"

Auf der "großen" Fußballbühne sind Trainer wie Joachim Löw, Jürgen Klopp oder Pep Guardiola äußerst präsent. Fast kann sich der Eindruck aufdrängen, das Trainieren einer Fußballmannschaft sei eine „One-Man-Show“. Tatsächlich arbeiten jedoch im Profifußball im Hintergrund ganze Trainer- und Betreuerstäbe. Im Amateurfußball sind es, wenn auch in kleinerem Umfang, ebenfalls oft mehrere Personen, die eine Mannschaft gemeinsam trainieren und begleiten – und sich wie die Aktiven zu einem eingespielten Team entwickeln müssen. Was macht ein Team hinter dem Team aus? Welche Herausforderungen gibt ist – und welche Aspekte kann ich im Großen wie im Kleinen umsetzen?

Teamplay im Trainerstab: Weg von der "One-Man-Show"

Eingespielte Teams sehen zwar aus wie ein Selbstläufer, sind aber keinesfalls selbstverständlich oder ergeben sich gar automatisch. Das gilt im Fußball für die Mannschaft auf dem Platz ebenso wie für das Trainer- und Betreuerteam. Umgekehrt wird es schneller sichtbar: Ungeklärte Rollen und unausgesprochene Erwartungen können schnell zu Konflikten führen. Sachbezogene Konflikte wie unterschiedliche Vorstellungen von Zielen und Wegen können dabei in Beziehungskonflikte umschlagen. Dann stimmt die Chemie nicht mehr.

Was zeichnet erfolgreiche Teamarbeit aus?

Mindestens vier Komponenten erscheinen zentral:

  1. Gemeinsame und geteilte Ziele
  2. Klare Aufgabenverteilung
  3. Zusammenhalt und Unterstützung
  4. Verantwortungsübernahme in kritischen Situationen

Gemeinsame und geteilte Ziele

Mannschaften setzen sich für gewöhnlich Ziele. Für das Trainer- und Betreuerteam greifen oft die gleichen Ziele. Doch darüber hinaus verfolgen Trainer- und Betreuerteams möglicherweise weitere Ziele, die über die Saison hinausreichen. So kann es beispielsweise ein Ziel sein, junge Spieler aufzubauen. Wichtig für erfolgreiche Teamarbeit ist, dass die Ziele geteilt werden. Dazu ist es erforderlich, dass die Ziele besprochen werden.

Konfliktpotenzial besteht vor allem dann, wenn über Ziele nicht gesprochen wurde. Auch können sich im Laufe der Saison Ziele verändern. Beim Aufsteiger, der zu Beginn nur das Ziel „Klassenerhalt“ hatte und zur Hinserie im oberen Tabellendrittel mitspielt, können schnell neue Ambitionen entstehen. Daher ist es hilfreich, Ziele regelmäßig zu reflektieren und die Zielsetzung bei Bedarf anzupassen. Neben gemeinsamen und geteilten Zielen bedarf es auch klarer Zuständigkeiten.

Klare Aufgabenverteilung

Wir können uns gut ein Bild davon machen, was Aufgabe des Trainers und was des Co-Trainers ist. Bei der Fülle an Aufgaben ist es jedoch wichtig, sich auch hierüber Klarheit zu verschaffen – zumal in unterschiedlichen Vereinen und je nach Kompetenzen im Trainer- und Betreuerteam Aufgaben unterschiedlich verteilt werden. Auch können unausgesprochene Erwartungen bestehen, was die einzelnen Personen tun sollen und was sie tunlichst unterlassen sollen. Eine fehlende Aufgabenklarheit birgt ebenfalls Konfliktpotenzial. Dann hat der Trainer möglicherweise das Gefühl, dass der Co-Trainer ihm zu viel mitmischt und gleichzeitig dessen Aufgaben vernachlässigt.

Der Co-Trainer hat möglicherweise hingegen das Gefühl, dass der Trainer ihm bei seiner Arbeit „dazwischen grätscht“. Sind die Zuständigkeiten hingegen klar, dann können Aufgaben effizienter abgearbeitet werden. Wichtig ist auch, dass Vertreterregelungen geschaffen werden. Wer übernimmt welche Aufgaben, wenn der Trainer nicht da ist? Macht der Co-Trainer dann zwei Jobs oder wird hier anders verfahren?

Zusammenhalt und Unterstützung

Eine Mannschaft sollte geschlossen auftreten und sich gegenseitig unterstützen. Gleiches trifft auch auf das Trainer- und Betreuerteam zu. Der Zusammenhalt äußert sich in einem wertschätzenden Umgang miteinander. Anerkennendes Lob sowie konstruktives Feedback sind hier Elemente, die den Zusammenhalt fördern. Gerade dann, wenn jedoch hohe Anforderungen zu bewältigen sind, bedarf es auch einer aufgabenbezogenen Unterstützung. Die Teammitglieder sind gefordert, sich mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Für besonders kritische Situationen ist es zudem erforderlich, dass alle für das gemeinsame Ziel einstehen.

Verantwortungsübernahme

Der Leitspruch der drei Musketiere lautet: „Einer für alle und alle für einen!“ Der letzte Teil des Leitspruches betont den Zusammenhalt und die Unterstützung. Der erste Teil lenkt die Aufmerksamkeit auf die Eigenverantwortung jedes einzelnen Teammitgliedes. Wenn ein Teammitglied beispielsweise sieht, dass Aufgaben nicht erfüllt werden oder die geteilten Ziele gefährdet sind, dann verweist er nicht auf Zuständigkeiten, sondern spricht dies an oder handelt entsprechend. Dies fängt bereits bei kleinen Dingen an. Der Co-Trainer, der sich wundert, weshalb der Trikotkoffer so leicht ist, schaut noch einmal nach, ob denn auch genug Trikots eingepackt wurden.

Gemeinsame und geteilte Ziele, klare Aufgaben, Zusammenhalt und Unterstützung sowie Verantwortungsübernahme drücken sich immer in konkreten Alltagssituationen aus. Trainer- und Betreuerteams sollten sich im Vorfeld der Saison über die vier Komponenten erfolgreicher Teamarbeit austauschen und dabei konkrete Beispiele benennen.

So stellt sich beispielsweise gerade bei personellen Veränderungen im Verein die Frage, wer aus dem Trainer- und Betreuerstab zum „Inner Circle“ zählt und beispielsweise unmittelbar vor dem Spiel sowie in der Halbzeitpause in der Kabine ist. Bei bestehenden und lange zusammenarbeitenden Teams kann die Zusammenarbeit der vergangenen Saison reflektiert werden. Derartige Prozesse können auch professionell zum Beispiel durch sportpsychologische Expertinnen und Experten begleitet werden.

Teamplay-Checkliste für Trainer & Betreuer

Geteilte und gemeinsame Ziele:

  •  Welche Ziele verfolgen die einzelnen Mitglieder?
  • Welche Ziele werden von allen geteilt?
  • Inwieweit sind die Ziele der Mannschaft gegenüber kommuniziert?

Klare Aufgabenverteilung:

  •  Welche Aufgaben und Tätigkeiten sind an die unterschiedlichen Rollen geknüpft?
  • Welche Wünsche und Erwartungen haben die Teammitglieder an die eigene Rolle und andere Rollen im Team?
  • Wo bestehen starke Abhängigkeiten zwischen Rollen und Aufgaben, die eine regelmäßige Reflexion benötigen?

Zusammenhalt und Unterstützung:

  •  Wo wünschen sich die Teammitglieder Unterstützung (z.B. Tipps, Rückmeldung)
  • Inwieweit gibt es Zeit und Raum für Feedback?
  • Welche Regeln für den Umgang mit Konflikten sollen gelten?

Verantwortungsübernahme:

  • Was sind kritische Situationen, in denen jeder Einzelne gefordert ist, um die Ziele sicherzustellen?
  • In welchen dieser Situationen soll lediglich ein Hinweis erfolgen?In welchen dieser Situationen soll gehandelt werden?

Weiterführende Literatur: Kauffeld, S. (2001). Teamdiagnose. Göttingen: Hogrefe. Linz, L. (2014). Erfolgreiches Teamcoaching: Ein Team bilden – Ziele definieren – Konflikte lösen. Aachen: Meyer & Meyer Verlag

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