Die DFB-Stiftung Sepp Herberger ehrt jedes Jahr Vereine, Verbände, Personen und sportliche Einrichtungen, die sich in besonderem Maße sozial engagieren. Zu den Säulen der Arbeit der Sepp-Herberger-Stiftung zählen der Behindertenfußball, das Thema Resozialisierung, Fußball Digital, Schule & Verein sowie das Sozialwerk. Auch Klubs aus dem Fußball-Verbandes Mittelrhein wurden 2022 mit Sepp-Herberger-Urkunden ausgezeichnet.
Bloß dazustehen und betroffen zuzuschauen, kam für die Verantwortlichen und Aktiven der Frauenabteilung des TSV Alemannia Aachen nach der Jahrhundertflut im Juli vergangenen Jahres nicht in Frage. Die Wassermassen hatten katastrophale Schäden angerichtet, an Ahr und Erft, aber auch in Ortschaften unmittelbar vor den Toren ihrer Heimatstadt. „Eigentlich war Ferienzeit, alle wollten sich erholen, schöne Dinge erleben. Auch ich war im Urlaub. Doch dann kam die Flut“, erinnert sich Gerti Minartz aus dem Abteilungsvorstand der Alemannia. „Als wir die Nachrichten aus dem Katastrophengebiet gehört haben, war für uns klar, dass wir etwas machen müssen und das haben wir dann auch getan.“ Dieses Engagement blieb nicht unbemerkt. So wurde der Traditionsverein aus Aachen von der DFB-Stiftung Sepp Herberger mit der Sepp-Herberger- Urkunde in der Kategorie Sozialwerk ausgezeichnet.
Im Sommer 2021 war daran noch nicht zu denken. Zunächst galt es, ein Projekt oder Betroffene zu finden, um konkret anpacken zu können. Das war gar nicht so leicht. Vielerorts lief Hilfe an, doch die Situation war für Außenstehende unübersichtlich. Die TSV-Ehrenamtler hörten sich in ihrem Umfeld und im Verein um. Schließlich wurde man auf die Familie einer TSV-Jugendspielerin aus Inden-Altdorf aufmerksam, die alles verloren hatte. „Sie hatten gerade erst ihr Haus renoviert und standen nach der Flut vor dem Nichts“, so Minartz, die kurze Zeit später gemeinsam mit Verena Göntges, der stellvertretenden Jugendleiterin der Alemannia, nach Inden-Altdorf aufbrach, um sich selbst einen Eindruck von der Lage zu verschaffen. „Was wir gesehen haben, hat uns die Sprache verschlagen“, erklärt die 56-Jährige. Zerstörung und Menschen, die Todesängste ausgestanden und alles verloren hatten. „Die Familie war so fertig, sie konnten kaum Rede und Antwort stehen, waren immer wieder den Tränen nahe“, erinnert sich Minartz. Das Haus, der Garten, alles sei kaputt und voller Unrat gewesen. Immerhin waren alle Familienmitglieder mit dem Leben davongekommen. „Zum Glück war die Tochter, als das Wasser kam, nicht zu Hause. Denn ihr Zimmer befand sich im Keller, der binnen Sekunden überspült wurde und zur tödlichen Falle hätte werden können.“
Fußball war eine wichtige Ablenkung
Zurück in Aachen wurden alle Hebel in der Frauen-Abteilung der Alemannia in Bewegung gesetzt, um der Familie zur Seite zu stehen. Eifrig wurden bei Mitgliedern und Angehörigen Sach- und Geldspenden gesammelt. Aufrufe über soziale Medien halfen, die Aktion publik zu machen. „Wir wurden schließlich förmlich mit Spenden überhäuft. Das war Wahnsinn und wir mussten manche Hilfsgüter erst einmal lagern“, erläutert die Kassiererin der TSV-Frauen. Möbel, Kleidung, Schuhe – alles Mögliche kam zusammen. Einige Euro erbrachte die Versteigerung von Fußball-Equipment, das die unweit Aachens aufgewachsene heutige Spielerin des VfL Wolfsburg, Kathrin Hendrich, auf Anfrage stiftete. Und Vereinsausrüster Frank Rauscheid kümmerte sich um neue Trainingsbekleidung für die Tochter. „Wir haben auch die Fahrten zum Training organisiert. Für das Mädchen war der Fußball eine wichtige Ablenkung“, blickt Minartz zurück.
Inzwischen ist das Haus der Familie wieder intakt. Vergessen sind die Ereignisse aber selbstverständlich nicht. „Diese Leute haben uns so viel Dankbarkeit entgegengebracht, das ist beeindruckend“, so Minartz. Die Verleihung der Sepp- Herberger-Urkunde sei eine weitere Bestätigung gewesen. „Auf diese Weise haben viele Leute im Verein und im Umfeld erfahren, was die Ehrenamtler alles bewegen. Wie die Fußballerfamilie zusammenhält, auch abseits des Platzes.“
Spieler mit und ohne Handicap
Etwas Besonderes leisteten auch die Fußballer*innen des BSV Viktoria Bielstein. Sie verdienten sich die Sepp-Herberger-Urkunde in der Kategorie Handicap-Fußball. Bereits 2019 gründete der BSV eine Inklusionsmannschaft. Dadurch verzeichnete man einen enormen Zulauf. Um auch den jüngeren Vereinsneulingen mit Handicap gerecht zu werden, entschied man sich dazu, zusätzlich eine U16-Inklusionsmannschaft zu gründen. Dort spielen nun Mädchen und Jungen ab sieben Jahren – mit und ohne Behinderung.
In der Kategorie Schule & Verein wurde der SV Rot-Weiß Dünstekoven prämiert. Dem Verein gelang es, weitreichende Kooperationen in der Gemeinde aufzubauen. Inzwischen stellt der Verein in vielen Kitas und Schulen Ballsport-Kurse und Fußball-AGs auf die Beine. Hinzu kommen weitere Freizeit-Aktionen im Ort und zahlreiche Workshops. Dem Verein gelingt es auf diese Weise, eine große Jugendabteilung zu erhalten und eine bedeutende Rolle im Leben des Ortes einzunehmen.
Der FC Hertha Bonn Fußball erhielt eine Sepp-Herberger-Urkunde in der Kategorie „Fußball Digital“ für seine Idee, Videos anzufertigen und diese über soziale Medien und die Klub-Homepage auszustrahlen. Authentisch, charmant und mit Witz stellten die Bonner*innen dabei ihr Motto „Mit Herz und Fuß am Ball“ vor. Als Protagonisten kamen ausschließlich Spieler*innen und Ehrenamtler*innen der Hertha zum Einsatz. So konnte Werbung für eine Aktion anlässlich des Tags des Mädchenfußballs betrieben und zudem neue Trainer*innen gewonnen werden.
Das sind die Sepp-Herberger-Urkunden:
Alljährlich werden die Sepp-Herberger-Urkunden für beeindruckendes ehrenamtliches Engagement an Akteur*innen des organisierten Fußballs von der DFB-Stiftung Sepp Herberger verliehen. Ausgezeichnet werden herausragende Aktivitäten aus dem Handicap-Fußball, der Resozialisierung von Strafgefangenen sowie in der Kooperation zwischen Schulen und Vereinen. Seit dem Jahr 2016 werden zudem Fußballorganisationen und Projekte prämiert, die sich im Bereich „Fußball Digital“ engagieren und dabei neue Technologien und Möglichkeiten nutzen. In der Kategorie „Sozialwerk“ wird zusammen mit der Horst- Eckel-Stiftung der „Horst-Eckel-Preis“ verliehen, mit dem ein Engagement für in Not geratene Fußballerinnen und Fußballer geehrt wird.
Die Bewerbungsphase für die nächsten Sepp-Herberger-Urkunden ist bereits gestartet. Hier können Sie sich bis Dienstag, den 10. Januar 2023, bewerben.
Hier können Sie sich für die Sepp-Herberger-Urkunden 2023 bewerben.
