Schaebens-Pokal der Frauen: S.C. Fortuna Köln verteidigt den Titel mit einem 2:0 gegen Vorwärts Spoho

Schaebens-Pokal der Frauen: S.C. Fortuna Köln verteidigt den Titel mit einem 2:0 gegen Vorwärts Spoho

Die Nachspielzeit lief schon eine ganze Weile, als Trainer*innen, Betreuer*innen und Ersatzspielerinnen des S.C. Fortuna Köln Zentimeter um Zentimeter an den Spielfeldrand heranrückten und immer lauter Siegesgesänge anstimmten. Dann ertönte endlich der Schlusspfiff und gab den Weg frei, um auf den Platz zu sprinten und mit den dortigen Spielerinnen zu hüpfen, zu tanzen und den Sieg im Schaebens-Pokal der Frauen 2026 zu feiern. Der Regionalligist sicherte sich den erneuten Erfolg im Cup mit einem 2:0 (0:0) gegen den Ligarivalen Vorwärts Spoho.

Der Jubel auf dem Feld war dabei nur der Auftakt für eine große Party. Erst ging es vorbei an den nach Troisdorf mitgereisten Fans der Fortuna, wo eine Hand nach der nächsten abgeklatscht wurde, ehe es weiterging zur Pokal-Übergabe „Ich glaube nicht, dass ich die Mädels heute noch gebremst bekomme. Sie werden richtig Gas geben“, sagte Marc Gertzen. Auch für den Fortuna-Trainer war dieser Erfolg im Schaebens-Pokal ein besonderer. Er wird sich mit Saisonende vom Job an der Seitenlinie verabschieden, seine Doppelfunktion beenden und fortan ausschließlich als Sportlicher Leiter in der Kölner Südstadt weiterarbeiten. „Besser hätte dieses Kapitel nicht enden können“, freute er sich.

Emilie Schmidt: „Beste Werbung für den Frauenfußball“

Auch in den Reihen des unterlegenen Gegners waren die Tränen der Enttäuschung schnell getrocknet. Schon wenige Minuten nach Abpfiff ließ sich das Team um Spoho-Coach Josh Green und die eigens geehrte Torschützenkönigin Gianna Rackow (vier Tore) von den Fans feiern. Diese Szenen hinterließen Eindruck. „Dieses Spiel und der gesamte Rahmen hier im Aggerstadion waren beste Werbung für den Frauenfußball“, freute sich Emilie Schmidt, die Vorsitzende des Verbandsausschusses für Frauenfußball. Das Finale mit einer Rekordkulisse von 747 Zuschauer*innen sei so wie erwartet zu einer Leuchtturmveranstaltung geworden und habe somit der Strategie „WIR. IHR. ZUSAMMEN. Für Frauen & Mädchen im FVM” weiteren Rückenwind verliehen. Der FVM hat es sich unter diesem Titel zum Ziel gesetzt, Frauen und Mädchen im Fußball am Mittelrhein zu fördern und sichtbarer zu machen. Teil der Kampagne ist es, die Anzahl aktiver Spielerinnen, Trainerinnen, Schiedsrichterinnen und engagierter Ehrenamtlerinnen zu steigern und allen ein passendes Angebot auf und neben dem Platz zu bieten.

Auf diesem Weg schon ziemlich weit sind nicht nur die beiden im Finale vertretenen-Vereine aus der größten Stadt am Mittelrhein, sondern auch die zwei in Troisdorf heimischen Vereine SV Rot-Weiß Hütte und der FC Flying Albatros, die zum zweiten Mal die Ausrichtung des Endspiels an der Seite der haupt- und ehrenamtlichen Kräfte des FVM übernommen hatten. Sie bereiteten die Bühne für diesen Vergleich der derzeit beiden besten Frauen-Teams vom Mittelrhein jenseits des Profibereichs.

Fortuna startete druckvoll

Die Partie begann mit einer druckvoll agierenden Fortuna-Mannschaft. Diese hatte deutlich mehr Ballbesitz. Doch Vorwärts Spoho hielt konzentriert dagegen. „Wir haben heute extrem viel gegen den Ball gearbeitet, sind viel gelaufen und haben mit der nötigen Leidenschaft gespielt“, fand Spoho-Coach Josh Green. Das Manko im Spiel seiner Formation sei aber die fehlende Kreativität und das unkonzentrierte Offensivspiel gewesen. „Wir waren mit Ball nicht gut genug. Zwar haben sich uns Räume geboten, wir haben diese aber nicht gut bespielt“, erklärte der Coach des Vereins aus dem Kölner Westen. So sei es lange Zeit ein Spiel zwischen den Strafräumen gewesen. Das sah sein Kollege auf der Fortuna-Bank ein wenig anders. „Wir haben 90 Minuten dominiert und hätten auch schon zur Pause führen müssen“, sagte Gertzen und verwies auf die Tormöglichkeiten für Vivien Schwing und Alina Recht, deren Abschlüsse das Spoho-Tor verfehlten.

Achim Stuhr, Abteilungsleiter bei der Fortuna schwante schon Böses. „Ich hatte die Befürchtung, wenn Spoho einmal richtig durchkommt, dann gehen sie direkt in Führung“, sagte er. Doch es kam anders. Sieben Minuten nach dem Wiederanpfiff stoppte Spoho-Keeperin Jana Theisen die Kölner Angreiferin Schwing außerhalb des Strafraums mit einem Foul und sah angesichts der Notbremse Rot. „Ich mache ihr absolut keinen Vorwurf. Das kann passieren. Außerdem hat sie uns im Saisonverlauf schon viele Punkte gerettet“, sagte Green, der mit Lauryn Lang eine Feldspielerin auswechseln musste, um Ersatztorhüterin Leonore Gruber zwischen die Pfosten zu beordern.

Spoho spielt von der 52. Minute an in Unterzahl

In Überzahl drängte die Fortuna nun noch entschlossener auf den Führungstreffer. Diesen erzielte schließlich Svenja Streller per Kopfball (71.) – ausgerechnet Streller: die Stürmerin wird ihre Karriere im Sommer beenden. Die Flanke hatte mit Danielle Bender eine eingewechselte Spielerin gegeben. Stuhr atmete durch. „Denn wir wollten auf keinen Fall ins Elferschießen und damit in eine Nervenschlacht geraten“, so der Abteilungsleiter bei dem Südstadtverein.

Spoho rang um eine Antwort. Doch die wenigen erfolgsversprechenden Vorstöße führten letztlich selten zu guten Abschlusssituationen. „Ansätze waren da, aber es hat einfach nicht gereicht“, meinte Green. Der 34-Jährige musste bei einem Lattentreffer von Fortuna-Spielerin Fabienne Meder noch einmal die Luft anhalten, durfte aber bis in die Nachspielzeit auf einen Lucky Punch seiner Mannschaft und damit zumindest den Gang in die Verlängerung hoffen. Dieser Glücksmoment blieb jedoch aus. Und so war es Bender, die mit einem Kontertreffer zum 2:0 spät für klare Verhältnisse sorgte (90.+3). „Sie hat schon häufig bewiesen, dass sie als Joker Qualitäten besitzt“, so Gertzen über die Vorbereiterin des 1:0 und Schützin des 2:0. Insgesamt habe seine Elf eine sehr reife Leistung gezeigt und souverän gewonnen, sagte er.

Lob für die mitgereisten Fans

Sein Pendant auf der anderen Seite gab ihm Recht. „Letztlich geht das Ergebnis in Ordnung“, so Green, der dennoch stolz auf seine Spielerinnen und der Verein war. „Uns haben so viele Leute begleitet und super angefeuert, das war megaschön. Dieser Verein ist einmalig. Daher werden wir auf jeden Fall ein wenig feiern.“ Auch Stuhr sprach den Fans des Gegners ein Kompliment aus. „Die haben genau wie unsere Leute richtig Rambazamba gemacht.“ Am Vereinsheim der Fortuna werde nun ein langer Abend folgen.

Anlass dafür gibt es reichlich: Die Fortuna sicherte sich nicht nur den fünften Titel in Serie, der Klub tritt auch in der Qualifikationsrunde zum DFB-Pokal an und darf dann auf einen namhaften Kontrahenten und weitere große Taten im Cup-Wettbewerb hoffen.

 

Fotoquelle: FVM/Fabian Navarro Rubio
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