Der Rahmen stimmte. 747 Zuschauer*innen verfolgten das Finale im Schaebens-Pokal der Frauen 2026 und sahen einen 2:0 (0:0)-Sieg des S.C. Fortuna Köln im regionalligainternen Duell mit Vorwärts Spoho Köln. Für den reibungslosen Ablauf, Kurzweil und gute Stimmung im Troisdorfer Aggerstadion hatten neben Spielerinnen auf dem Rasen und den haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen des FVM mit dem SV Rot-Weiß Hütte und dem FC Flying Albatros auch zwei Vereine aus der größten Stadt des Rhein-Sieg-Kreises gesorgt. Diese hatten erneut die Ausrichtung dieses Events übernommen. „Es hat alles wunderbar funktioniert und es freut uns, dass es wir eine Rekordkulisse verzeichnen konnten“, sagte Florian Schopp, Geschäftsführer des SV Rot-Weiß Hütte. Der 36-Jährige gilt als einer der „Väter“ des Finales in Troisdorf, hatte er doch maßgeblichen Anteil an der erfolgreichen Bewerbung um die Ausrichtung im Vorjahr. Sein Verein hatte damals zusammen mit dem benachbarten FC Flying Albatros die erstmalige Ausschreibung des Finals durch den Verbandsausschuss für Frauenfußball (VAfF) des FVM als Chance erkannt. Gemeinsam hatte man ein Konzept erstellt und damit die Verantwortlichen überzeugt.
„Wir hatten zuvor schon einmal ein Kreispokalfinale ausgerichtet, also ein wenig Erfahrung. Aber wir wussten nicht, wie groß das Endspiel-Event des Frauen-Pokals auf Verbandsebene ist“, sagt Schopp. Letztlich habe man vor der Jungfernfahrt im vergangenen Jahr „ein schönes Event für Mädchen und Frauen“ im Sinn gehabt und die Ausrichtung einer Begegnung zweier Teams, die zeigen, was in den höheren Spielklassen sportlich abgeht.
Erwartung mehr als erfüllt
Diese Erwartungen wurden zweifellos erfüllt. 633 Menschen kamen 2025 nach Troisdorf und sorgten für Endspiel-Stimmung, die bei den Protagonist*innen unisono Anklang fand. Nun wurde diese Marke noch einmal um mehr als 100 übertroffen. „Die Bude war schön voll und die Fans der beteiligten Teams haben richtig Stimmung gemacht. Es war rundum schön“, so Albatros-Vorstand Wolfgang Weithe-Berchtold. Er blickt zudem auf den Ausganspunkt vor mehr als einem Jahr zurück: „Die Kollegen von Rot-Weiß Hütte sind damals mit der Idee von der Ausrichtung auf uns zugekommen und haben uns von der Ambition überzeugt, das tolle Stadion auf diese Art zu nutzen.“ Heute könne man sagen, dass diese Idee gezündet habe. Selbstverständlich sei die Ausrichtung eine Menge Arbeit, betont der 66-Jährige. Von jedem der beiden Vereine seien mehr als zwei Dutzend Ehrenamtliche dabei, doch deren Einsatz zahle sich aus.
„In unserem Verein geht es sehr familiär zu. Da sind Papas, Mamas und Kinder in den unterschiedlichen Mannschaften aktiv und dann bei so einer Veranstaltung zusammen involviert“, sagt er. Zudem habe man schon immer gerne größere Veranstaltungen auf die Beine gestellt. In die kollektive Erinnerung des FC Flying Albatros hat sich etwa die Ausrichtung eines Trainingslagers der deutschen Nationalmannschaft eingebrannt. Noch mit Rudi Völler als verantwortlichem Mann an der Seitenlinie habe die DFB-Auswahl Anfang des Jahrtausends für eine Woche Station im Aggerstadion gemacht, „und wir haben Betreuung und Catering übernommen“, so Weithe-Berchtold.
Leuchtende Augen der Kinder als Lohn für den Einsatz
Nun freute er sich über die leuchtenden Augen der C-Juniorinnen, die die Spielerinnen der beiden Finalisten als Einlaufkinder auf den Platz begleiteten und wirbelte selbst mit dem Helferplan in der Tasche überall herum, wo Hilfe gebraucht wurde. Also irgendwo zwischen Kaffeebude, Grill, Bierwagen und VIP-Bereich.
So ähnlich gestaltete sich auch der Tag von Florian Schopp. „Ehrenamt ist immer Arbeit. Hauptsache, es kommt ein schöner Tag dabei heraus“, erklärte er. Mit dem Finale im Aggerstadion schaffe man zusammen eine Bühne, auf die man stolz sein könne. Stolz darf er auch auf die rasante Entwicklung seines Vereins in Sachen Mädchen- und Frauenfußball sein. Als man in Hütte vor zwei Jahren neben der bestehenden Frauenmannschaft auch ein Trainingsangebot für Nachwuchsspielerinnen ins Leben rief, spürte man schnell, dass man einen Nerv getroffen hatte. „Wir haben mit fünf Mädchen begonnen und vier Wochen später waren es 50“, erläutert er.
Rasanter Zuwachs im Mädchenbereich
Inzwischen sind rund 100 der insgesamt 550 Mitglieder seines Klubs Mädchen oder Frauen. Von Beginn an habe man die Akteurinnen der Frauenmannschaft mit ins Boot geholt. Diese packten fortan als Trainerinnen im Nachwuchsbereich an. So entstehen wertvolle Kontakte, schließlich ging es von Anfang an auch darum, der Seniorinnen-Mannschaft mit Juniorinnen-Teams einen Unterbau zu verschaffen. Das Konzept geht auf. Nach den D- und C-Juniorinnen-Mannschaften läuft seit Saisonbeginn auch erstmals ein B-Juniorinnen-Team für Hütte auf. Diese Entwicklung hat durchaus Charme. „Denn Frauen identifizieren sich nach meiner Beobachtung noch intensiver mit ihrem Verein und ihrer Mannschaft als es die Männer tun“, so der Rot-Weiß-Geschäftsführer.
Bei Flying Albatros – der Name erinnert an das unbeholfene Startmanöver des Vogels in einem alten Disneyfilm – hat man ähnliche Erfahrungen gesammelt. Zwar entstand der Verein schon 1987 aus einem Kreis von Freizeitfußballern, doch es vergingen einige Jahre, bis auch Frauen und noch später dann Mädchen dort eine sportliche Heimat fanden. Vor fünf Jahren hat man Teams für C- und B-Juniorinnen ins Leben gerufen. Inzwischen sind die drei Dutzend Mädchen fester Bestandteil des 450 Mitglieder zählenden Klubs. Weithe-Berchtold hat das alles intensiv verfolgt, ist er doch Gründungsmitglied der Albatrosse und seit 39 Jahren deren Geschäftsführer. Nun erneut Ausrichter eines großen Finals gewesen zu sein, erfüllt ihn mit Stolz.
Das geht auch seiner Frau Michaela nicht anders. Sie war beim Bonverkauf und im Catering eingespannt. „Selbstverständlich ist man den gesamten Tag auf den Beinen, aber man weiß, wofür man es tut. Nämlich für den Verein und für die Kinder“, sagt die Frau, die sich gewöhnlich als Kassiererin im Jugendvorstand und U-7-Trainerin beim FC Flying Albatros einbringt.
Engagement macht viel Spaß
Viel zu tun, aber auch große Freude hatten auch Christa Struppe, Beisitzerin im Vorstand vom SV Rot-Weiß Hütte, die mit ihrem Mann Daniel, der gewöhnlich die C-Juniorinnen coacht, bereits im vergangenen Jahr den Grillstand am Laufen hielt. „Wir hatten damals schon eine Menge Spaß und die Gäste waren sehr dankbar für die Bewirtung, da war es keine Frage, dass wir wieder dabei sein würden“, stellt sie klar. Die Stimmung sei nun erneut gut gewesen. „Es hat alles gut geklappt wir haben auch etwas vom Spiel gesehen.“
Das hat auch Sascha Meyer – wenn auch aus anderer Perspektive. Als Pressesprecher und Social-Media-Beauftragter verfolgte er das sportliche Geschehen immer wieder durch das Objektiv seiner Kamera. Auch er hat dies bereits im Vorjahr so praktiziert. Meyer hat aber nicht nur Spielszenen festgehalten, sondern auch den Aufbau der Veranstaltung und das bunte Treiben rund um das Finale. Man verstehe das Event auch als Chance, Kinder und Jugendliche für den Verein zu werben, erklärt er. In erster Linie seien die vielen Ehrenamtler aber dabei, um den Menschen einen schönen Tag zu bereiten. Für alle jene, die nicht live vor Ort seien, liefere er die Bilder, denn „die Leute müssen mitbekommen, was hier in Troisdorf zum zweiten Mal für ein tolles Event gelaufen ist“.
