Probelauf beim ASC Loope: „Die Zertifizierung schafft Vergleichbarkeit und Vertrauen“

Probelauf beim ASC Loope: „Die Zertifizierung schafft Vergleichbarkeit und Vertrauen“

21 Klubs aus ganz Deutschland waren in den unlängst abgeschlossenen Probelauf des DFB zur „Zertifizierung von Vereinen“ eingebunden. Dieser wird nun ausgewertet, um das weitere bundesweite Vorgehen festzulegen.Mit dabei war auch der rund 740 Mitglieder zählende ASC Loope aus Engelskirchen im Fußballkreis Berg des FVM. Im Gespräch blicken Präsidiumsmitglied Oliver C. Daniels, Vorsitzender der FVM-Kommission für Vereinsberatung, FVM-Club-Berater Marcus Neunzig sowie Markus Blossey und Dirk Berends aus dem geschäftsführenden Vorstand des ASC auf den zurückliegenden Testlauf.

FVM: Der Probelauf zur „Zertifizierung von Vereinen“ ist abgeschlossen. Haben die ersten Ergebnisse zu einer Fortsetzung der Initiative ermutigt?

Oliver C. Daniels: Auf jeden Fall. Die erste wichtige Erkenntnis gab es schon ganz am Anfang, nämlich, dass es lediglich bundesweit einheitliche Standards für die Zertifizierung von Leistungszentren der Profiklubs gibt. Für die Amateurklubs haben nur wenige Landesverbände Qualitätssiegel für bestimmte Themenfelder.

Ein DFB-Zertifikat, das Amateurklubs ganzheitlich in den vielen Facetten des Vereinslebens beleuchtet und trotz regionaler Unterschiede für eine gewisse Vergleichbarkeit sorgt, existiert nicht. Dabei werden die Menschen immer mobiler. Wer etwa in einen anderen Landesverband umzieht und für sich und/oder seine Kinder eine sportliche Heimat sucht, kann sich bislang nicht so leicht einen Überblick verschaffen. Dann geht es schließlich nicht um die Ligazugehörigkeit der ersten Mannschaft oder deren Tabellenplatz, sondern darum, ob der Verein zukunftssicher aufgestellt ist, ob er ein Leitbild und Schutzkonzepte verfolgt oder – kurz gesagt – ob man sich oder sein Kind dort guten Gewissens anmelden kann.

Marcus Neunzig: Außerdem stehen viele Amateurvereine vor zunehmend komplexen organisatorischen und strukturellen Herausforderungen – vom Ehrenamtsmanagement über Angebotserweiterungen bis hin zu administrativen Anforderungen. Ein Zertifizierungsprogramm soll sie genau dort abholen. Es hilft Vereinen, ihre internen Abläufe zu hinterfragen und Verantwortlichkeiten klarer zu strukturieren, um Grundlagen für eine funktionierende Vereinsarbeit zu schaffen. Man könnte sagen, die Zertifizierung hält den Verantwortlichen einen Spiegel vor und eröffnet eine neue Perspektive. Man schaut losgelöst vom alltäglichen Schaffen auf das eigene Wirken und die grundsätzlichen Abläufe.

Markus Blossey: Das haben wir auch so erlebt. Im Alltag gibt es meist so viele Dinge zu erledigen, dass man übergeordnete Weichenstellungen nicht so einfach in Angriff nimmt.

FVM: Wie groß war denn der Aufwand für die Zertifizierung?

Dirk Berends: Das kam auf die unterschiedlichen Kategorien und Aspekte an. Manche Basiskriterien wie etwa das Vorhandensein einer Schiedsrichterkabine oder ähnliche Fragen zur Infrastruktur kann man schnell abhaken. Andere Aspekte benötigen mehr Recherche und Einsatz. Wir haben beispielsweise schnell ein Seminar zum Management von Konflikten gefunden. Nach einer Möglichkeit, einen Basis-Kassierer-Kurs zur weiteren Qualifizierung zu absolvieren, habe ich ein wenig gesucht, ehe ich ein passendes Online-Angebot gefunden habe. Grundsätzlich gilt: Man muss nicht alles neu erfinden, sondern kann oftmals auf bestehenden Strukturen aufbauen. Wichtig ist, dass Vereine eine gewisse Offenheit mitbringen, sich zu hinterfragen und Einblicke zu geben, sonst klappt es nicht.

FVM: In welchem Punkt sind Sie denn als Unterstützer ins Spiel gekommen, Herr Neunzig?

Marcus Neunzig: Bei der Umsetzung einer Präambel in der Vereinssatzung sowie dabei, sich offensiv und öffentlich gegen Gewalt zu äußern, habe ich konkrete Vorschläge gemacht. Zudem habe ich auf Angebote zur Qualifizierung aufmerksam gemacht.

FVM: Die Vereine werden im Zertifizierungsprozess also nicht allein gelassen?

Oliver C. Daniels: Es wird sicherlich eine konkrete Ansprechpartnerin oder einen konkreten Ansprechpartner geben müssen, um zu schauen, ob bestimmte Vorhaben auch umgesetzt und angegebene Strukturen tatsächlich vorhanden sind, aber auch, um mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Im Kern geht es um Hilfe zur Selbsthilfe, also um zielgerichtete Unterstützung von Vereinen, die die Maßnahmen dann wiederum umsetzen und leben müssen. Wer diese unterstützende Funktion übernimmt, wird jedoch erst nach Abschluss der Analyse des bundesweiten Testlaufs festgezurrt werden. Klar ist, dass es die etablierte Vereinsberatung weiterhin geben wird. Die Zertifizierung wird ein freiwilliger Prozess sein.

Marcus Neunzig: Ja, diese beiden Angebote muss man unabhängig voneinander sehen. Die Club-Beratung hilft bei konkreten Fragestellungen, die Zertifizierung ist indes eher als Fahrplan zu verstehen. Dabei werden auch Kriterien abgefragt, die vom Verein bisher nicht betrachtet wurden, die das alltägliche Arbeiten aber erleichtern können, wenn man sich einmal damit auseinandersetzt. Ein Beispiel ist das Aufstellen eines Kinderschutzkonzepts. Das heißt, die Zertifizierung kann Impulse liefern, um weitere Überlegungen und den Austausch mit den Fachleuten im Verband anzustoßen.

FVM: Das heißt, die Zertifizierung kann Impulse liefern, um weitere Überlegungen und den Austausch mit den Fachleuten im Verband anzustoßen.

Markus Blossey: Davon bin ich auf jeden Fall überzeugt. Dieser Prozess kann sehr hilfreich sein. Oftmals ist es schon eine wichtige Grundlage, den Namen eines Ansprechpartners oder bestehende Unterstützungsangebote zu kennen, um einen Schritt weiterzukommen.

Dirk Berends: Letztlich geht es um zwei Punkte für die Vereine: Wir wollen attraktiv für derzeitige und künftige Mitglieder sein. Dafür braucht es bestimmte Weichenstellungen und eine Sichtbarkeit nach außen.  Ein bundesweit bekanntes Zertifikat wäre dabei ein dickes Plus, vielleicht ähnlich einer Hotelbewertung bei der Planung einer Reise. Es schafft Vergleichbarkeit und Vertrauen. Und zweitens wollen wir effizient und strukturiert arbeiten, um Aufgaben flexibel verteilen und neue Menschen für ein ehrenamtliches Engagement begeistern zu können.

Markus Blossey: Das ist ein wichtiger Punkt. Es wird immer schwieriger, Leute zu finden, die helfen. Das liegt auch daran, dass die Abläufe fremd sind. Der Zertifizierungsprozess hilft, Aufgaben klar zu definieren und transparent zu machen.

Welchen Nutzen kann der FVM aus einer Zertifizierung von Vereinen schöpfen?

Oliver C. Daniels: Grundsätzlich stärkt dieser Prozess die Vereine. Und darum geht es uns. Fußball wird hauptsächlich in den Vereinen angeboten und gespielt – nicht in den Verbänden. Die Rückmeldungen im Verlauf von Beratungsprozessen werden aber zweifellos auch spannende Erkenntnisse liefern, wie wir ganz konkret die Beratung optimieren können, um Vereinen Optionen zu geben, besser zu werden. Der Bedarf an grundsätzlicher Beratung ist meines Erachtens hoch, aber die Nachfrage noch ausbaufähig, weil Vereinsmitarbeitende oftmals vom Tagesgeschäft überholt werden.

Mit der Zertifizierung werden Entwicklungen in den Klubs angestoßen. Es wird ein Qualitätssiegel für fußballinteressierte Menschen und eine Orientierungsmarke für weitere Vereine geschaffen.


Was ist die DFB-Vereinszertifizierung?

  • Bei der DFB-Vereinszertifizierung handelt es sich um ein Projekt des DFB und seiner Landesverbände, mit dem Amateurvereine in ihrer Arbeit unterstützt und für ihre Arbeit ausgezeichnet werden sollen.
  • Das Projekt soll einerseits für eine inhaltliche, zukunftsgerichtete Entwicklung der Vereine sowie deren Strukturen sorgen, andererseits dabei unterstützen, Mitglieder zu gewinnen und zu binden.
  • Angesichts der Komplexität eines solchen Projekts haben sich der DFB und die Landesverbände darauf verständigt, einen Testlauf mit ausgewählten Vereinen durchzuführen. Aus dem Verbandsgebiet des FVM nahm der ASC Loope an diesem Testlauf teil und wurde dabei vom Club-Berater Marcus Neunzig begleitet.
  • Die Testphase wurde bewusst ergebnisoffen gestaltet. Die gewonnenen Erkenntnisse werden ausgewertet und bei der weiteren Ausgestaltung des Projekts berücksichtigt.
  • In einer Abschlussveranstaltung zur Testphase waren sich alle Beteiligten einig, dass diese wesentlich zur Vereinsentwicklung beigetragen hat und Vereine von einer Entwicklung unter Beratung und Begleitung des Landesverbandes profitieren.
  • Wann die DFB-Vereinszertifizierung offiziell für alle Vereine angeboten wird, kann derzeit noch nicht abgeschätzt werden.
  • Schon jetzt haben Vereine jedoch die Möglichkeit, an zahlreichen Beratungs- und Qualifizierungsangeboten zur eigenen Vereinsentwicklung teilzunehmen.
  • Ansprechperson für alle Fragen rund um die „Zertifizierung von Vereinen“: Daryousch Argomand (E-Mail: daryousch.argomand(at)fvm.de ; Telefon: 02242/91875–54)
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