Peter Oprei: Vom Senkrechtstarter zum Türöffner für andere

Peter Oprei: Vom Senkrechtstarter zum Türöffner für andere

Besondere Momente hat Peter Oprei einige erlebt. Als Fußballer, als Schiedsrichter und später auch als Funktionär an der Seite der Unparteiischen am Mittelrhein. Viele dieser schönen Augenblicke hat er sich selbst hart erarbeitet. Das weiß er. Aber er hat auch nicht vergessen, dass es Wegbegleiter gab, die an ihn geglaubt und ihm Möglichkeiten eröffnet haben. „Wenn es diese Menschen nicht gegeben hätte, die mich an die Hand genommen, mir Vertrauen geschenkt und mich unterstützt haben, hätte ich meinen Weg so nicht gehen können“, sagt der 70-Jährige.

Oprei denkt dabei etwa an seinen Aufstieg als Schiedsrichter, der ihn bis in die damalige Regionalliga West/Südwest, seinerzeit noch der direkte Unterbau der Zweiten Bundesliga, führte. Diesen Werdegang legte er in rekordverdächtigem Tempo zurück. Nur die damaligen Vorgaben, stets eine vorgeschriebene Zeit in einer Klasse zu pfeifen, bremsten ihn auf dem Weg nach oben. „Das hatte selbstverständlich mit Leistung zu tun, wäre jedoch ohne Unterstützer wie die Schiedsrichter-Obmänner Heinz Brill und Heinz Gahre nicht möglich gewesen“, ist er überzeugt.

„Ich wollte etwas zurückgeben“

Diese Erfahrung hat vor allem eines bewirkt: Sie hat eine tiefe Dankbarkeit hinterlassen und den Wunsch gestärkt, selbst ebenfalls zum Fürsprecher zu werden und anderen Türen zu öffnen. „Das war immer mein wichtigster Antrieb“, betont er, „ich wollte etwas zurückgeben.“

Die Verleihung der FVM-Ehrenmitgliedschaft ist nun ein weiterer Beleg dafür, dass Oprei dies gelungen ist. Auszeichnung gab es auch zuvor schon. So erhielt er die FVM-Verdienstnadel in Gold (2003) sowie die FVM-Ehrennadel in Silber (2010) und Gold (2019) für sein außergewöhnliches Engagement. Von 2001 bis 2013 war Oprei im Verbandsschiedsrichterausschuss aktiv, ehe er zu dessen Vorsitzenden und außerdem zum Präsidiumsmitglied avancierte. Er trat damals die Nachfolge von Hans-Jürgen Baier an, ein Mann, der zweifellos auch zu Opreis Förderern zählte.

Verantwortung auf westdeutscher Ebene übernommen

Auch auf westdeutscher und nationaler Ebene engagierte sich der Mann aus Rott, einem Ortsteil der an der belgischen Grenze gelegene Gemeinde Roetgen. Im WDFV, wo er seit 2004 Beisitzer im Verbandsschiedsrichterausschuss gewesen war, übernahm er 2020 ohne zu zögern Verantwortung als Vorsitzender, nachdem sein Vorgänger Andreas Thiemann unerwartet verstorben war. Zeitgleich erfolgte die Berufung zum Beisitzer im DFB-Schiedsrichterausschuss. Pflicht und Ehre sei ihm das gewesen, betont er. Wo andere sich wegduckten, machte Oprei den Rücken gerade und packte an. Begonnen hatte das bereits 1998, als er im Fußballkreis Aachen den Posten des Kreislehrwarts übernahm.

Kurz zuvor war seine 1984 begonnene aktive Schiedsrichter-Karriere mit einem Highlight zu Ende gegangen. Oprei leitete das Spiel zur Eröffnung der neuen Anlage des SV Breinig. Dabei begrüßte der Heimatverein des damaligen DFB-Präsidenten Egidius Braun den amtierenden UEFA Champions League-Sieger Borussia Dortmund um Weltstars wie Jürgen Kohler, Andreas Möller und Stéphane Chapuisat. „Das war schon ein ganz besonderes Erlebnis“, schaut Oprei zurück. Das gelte auch für viele Meisterschaftsspiele in seiner zweijährigen Zeit als Regionalliga-Schiedsrichter, die aufgrund der strikten Altersvorgaben endete. Ein weiteres Highlight sei das FVM-Pokalfinale zwischen Rhenania Würselen und der U-23 von Bayer 04 Leverkusen gewesen. „Das hatte besonderen Charme, weil die beiden besten Teams der damaligen Oberliga sich gegenüberstanden und ein Spiel auf Topniveau abgeliefert haben, das Bayer 04 knapp mit 2:1 für entscheiden konnte.“

Viele besondere Spiele erlebt

In die Reihe besonderer Spiele gehört auch ein Freundschaftsspiel des frischgebackenen UEFA-Pokalgewinners FC Schalke 04 1997. „Schalke kam damals noch mit Manager Rudi Assauer und Coach Huub Stevens“, erinnert sich Oprei, dessen jüngere zweier Töchter drei Tage später zur Welt kam. Der Mann aus der Eifel schrieb auch ein kleines Stück internationale Geschichte, als er das erste Match im Rahmen eines Austauschprogramms mit den Niederlanden im Nachbarland leitete und dabei von einem niederländischen TV-Sender begleitet wurde. „Aus stundenlagen Dreharbeiten sind nachher drei Minuten und 20 Sekunden Bericht geworden“, muss er heute darüber schmunzeln.

Den Weg zur Schiedsrichterei hatte er eher per Zufall gefunden. Denn begonnen hatte Oprei wie viele andere als begeisterter Spieler, erst beim SC Aachen, dann beim FVR Forst, wo er auch als Seniorenspieler debütierte. Als er mit Ende 20 trotz einer tadellosen Vorbereitung beim Bezirksligisten Schwarz-Rot Aachen zum Liga-Auftakt überraschend nicht zum Zuge kam, fand er als Unparteiischer eine neue Herausforderung und mit dem Bundesliga-Schiedsrichter Hans-Joachim Kautschor einen Kreislehrwart, der ihn „vom ersten Tag an beeindruckte“, wie er sagt. „Das war der Beginn meiner Laufbahn und meiner Liebe zur Schiedsrichterei“, erklärt er.

Im Team unterwegs zu sein und sich auf dem Platz immer wieder auf viele unterschiedliche Charaktere einzustellen, habe ihn nachhaltig fasziniert. „Genau das wollte ich dann auch an junge Menschen weitergeben“, sagt er. So packte er als Funktionär an. „Wer etwas verhindern will, sucht Gründe, wer etwas erreichen will, sucht Wege“, das sei immer sein Motto gewesen unter dem er die „vielen spannenden Aufgaben beim FVM und WDFV“ angegangen sei.

„Jahr des Schiedsrichters“ als Meilenstein

Die größte Herausforderung habe darin bestanden, die Vorlage des erweiterten polizeilichen Führungszeugnisses für Schiris verpflichtend einzuführen. „Das war das dickste Brett“, sagt der Mann vom FC Roetgen. „Außerdem habe ich es bei keinem Vereins-Dialog, keiner Sitzung und keinem Auftritt verpasst, zu betonen, dass wir Schiedsrichter ein Teil des Spiels sind“, macht der 70-Jährige deutlich. Ein Meilenstein im Ringen um Anerkennung sei auch das Jahr des Schiedsrichters 2023 gewesen. „Die vielen Aktionen, wie das Programm Profi wird Pate oder die Anwärterlehrgänge auf Verbandsebene, haben einiges bewirkt“, ist er sicher.

So könne er nun guten Gewissens einen Schlussstrich unter sein ehrenamtliches Engagement im FVM ziehen. „Ich bin zufrieden, denn ich hatte einen tollen Ausschuss, mit tollen Mitarbeitern. Wir haben zusammen viel erreicht und ich glaube, der Verband ist gut aufgestellt. Aber ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, dass ich ohne weinendes Auge Abschied nehme“, sagt Oprei, der bis zum Renteneintritt mehr als vier Jahrzehnte in einem Büro für Vermessungstechnik tätig war. Das umfassende Engagement sei eben ein großer Teil seines Lebens und nur dank seiner Frau Michaela möglich gewesen. Nun warten neue Aufgaben. Oprei will sich der Gartenarbeit widmen, Italienisch und Klavierspielen lernen und vor allem Zeit für seinen Enkel Theo haben.

FVM-Präsident Christos Katzidis schätzt Opreis langjähriges Engagement: „Peter Oprei zeigt seit Jahrzehnten, was es heißt, sich mit ganzem Herzen für die Schiedsrichterei einzusetzen. Als langjähriger Unparteiischer hat er viele besondere Spiele geleitet und auch in herausfordernden Situationen stets souverän agiert. Seit über einem Jahrzehnt führt er unseren Schiedsrichterausschuss – mit hoher Fachlichkeit, organisatorischem Geschick und echtem Teamgeist. Mit Energie, Genauigkeit und unermüdlichem Einsatz bringt er unser Schiedsrichterwesen kontinuierlich voran – ein echtes Vorbild für Fairness, Verlässlichkeit und Engagement im Hintergrund.“

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