Michael Bernhardt im Interview: "Man lernt Entscheidungen zu treffen und dafür einzustehen"

Michael Bernhardt im Interview: "Man lernt Entscheidungen zu treffen und dafür einzustehen"

Michael Bernhardt, Vorsitzender des Schiedsrichterausschusses des FVM, hat als Schiedsrichter und Assistent bis in hohe Spielklassen Erfahrungen gesammelt. Im zweiten Teil des Interviews berichtet er unter anderem über die Grundvoraussetzungen und die Vorteile der Schiedsrichterei. 

FVM: Was heißt es eigentlich Schiedsrichter*in zu sein?  

Bernhardt: Man ist mittendrin und muss sich immer wieder in eine gute Entscheidungsposition bringen. Daher gilt es, Zweikämpfe wahrzunehmen, zu bewerten und mit dem Regelwerk abzugleichen. Ist es ein verbotenes Tackling? Liegt ein strafbares Handspiel vor? Am Ende muss man eine Entscheidung treffen und diese auch nach außen, trotz möglicher Widerstände, überzeugend vertreten.   

FVM: Welche drei Grundvoraussetzungen muss man für das Schiedsrichterwesen mitbringen?  

Bernhardt: Zunächst eine gewisse Grundfitness, dann Freude daran, am Fußballspiel beteiligt zu sein und schließlich Freude daran, Entscheidungen zu treffen.  

FVM: Vorausgesetzt ich bringe alles mit und habe den Schiedsrichterlehrgang im Kreis erfolgreich durchlaufen: Was brauche ich noch, um auf dem Fußballfeld eine optimale Entscheidung zu treffen? 

Bernhardt: Die optimale Entscheidungsentfernung beträgt ungefähr acht bis zehn Meter. Das bedeutet, dass du diesen Abstand zur Spielszene haben solltest, um sie optimal bewerten zu können. Bist du zu nah, kannst du die Dynamik eines Zweikampfs nicht erkennen. Bist du zu weit, dann kannst du letztlich nicht ideal das Trefferbild erkennen. Es ist nicht immer ganz einfach, den richtigen Abstandsradius zu wählen, weil man das Spiel lesen muss.  

FVM: Kannst du nochmal ganz konkret sagen, welche Benefits die Schiedsrichterei mit sich bringt? 

Bernhardt: Vor allem die Charakter- bzw. Persönlichkeitsschulung. Man lernt Entscheidungen zu treffen und dafür einzustehen.  

FVM: Und wieso würdest du sagen, macht die Schiedsrichterei Spaß? 

Bernhardt: Weil ich Teil des Spiels, der Fußballfamilie bin. Nicht nur als Fan, sondern als Schiedsrichter, der das Spiel aus jedem Blickwinkel betrachten kann, den man sonst nicht hat.  

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