Sarah Leonbacher vom TSV Böbingen, einem 1300 Mitglieder zählenden schwäbischen Mehrspartenverein, ist nach den Tagen in Malente einfach nur begeistert: „Zum ersten Mal konnte ich mit Frauen im gleichen Alter zusammenarbeiten, die alle dasselbe Ziel haben: Den Fußball im Ehrenamt stärken. So etwas habe ich bisher noch nicht erlebt. Der Austausch war unglaublich wertvoll. Ohne die 'GOAL, Girl! Akademie' hätte ich diese Möglichkeit nicht gehabt. Das schätze ich wirklich sehr."
Drei Tage lang hatte die DFB-Stiftung Egidius Braun zur GOAL, GIRL! Akademie eingeladen. Eine Fortbildung für jederfrau inklusive Unterkunft im malerisch gelegenen Uwe Seeler Fußball Park in Malente unweit des Timmendorfer Strands. Alle Unkosten übernahm die Stiftung.
„Uns selbst nicht aus den Augen verlieren"
Dabei richtete sich die Akademie an engagierte, junge Frauen, die sich bereits in ihrem Verein erfolgreich einbringen. Fachwissen über Vereinsmanagement, wie zur Öffentlichkeitsarbeit, genauso wie die Entwicklung als Engagierte und Persönlichkeit wollte die Stiftung fördern. Die Akademie bot zudem eine wertvolle Plattform für Austausch, Networking und gemeinsames Lernen. Die Sichtbarmachung von Frauen-Power im Fußball - auch darum ging es in den Tagen von Malente.
Maren Möller, Trainerin einer A-Juniorenmannschaft beim Hamburger Verein VfL Lohbrügge, hebt die Bedeutung des Workshops „Werten und Entscheidungen" hervor: „Es war besonders wichtig, in Bezug auf unser Selbstbewusstsein unseren eigenen Wert zu erkennen. Und es ist hilfreich zu begreifen, dass wir auch im Ehrenamt Entscheidungen treffen können, bei denen wir auch mal 'Nein' sagen dürfen, um auf uns selbst zu achten. Denn auch wenn wir gerne für andere da sind, dürfen wir uns selbst nicht aus den Augen verlieren."
Maike Hoyck begleitete als Resilienztrainerin die GOAL, GIRL! Akademie. Sie coacht Führungskräfte, berät aber auch Privatpersonen beim Umgang mit den zwei bis drei großen Krisen, die einen unvermeidlich im Laufe des Lebens ereilen. Lykka Maibaum aus Berlin fand besonders diesen Workshop zur Resilienz wertvoll: „Es war spannend, aktiv darüber nachzudenken, welche Ressourcen mir Kraft geben und mich unterstützen, aber auch, was mich stresst und mir Energie raubt."
Anne Klischies vom Schleswig-Holsteinischen Fußballverband und Katrin Niehoff vom Hamburger Fußball-Verband lieferten spannende Einblicke in die Landesverbands-Arbeit, insbesondere im Bereich Mädchen- und Frauenfußball. Weitere Erkenntnisse konnten gewonnen werden bei einer Gesprächsrunde mit Marieke Patyna vom Hamburger SV, Yvonne Petrich vom Hamburger Fußball-Verband, der Vorsitzenden der Hamburger Sportjugend Juliane Bötel sowie der Geschäftsführerin der Hamburger Sportjugend, Pia Wilke. Die "Fußball kann Mehr gGmbH" zeigte den Teilnehmerinnen in einem Workshop auf, wie Netzwerke aufgebaut und gepflegt werden können.
Herzliche Gruppe und tolle Gemeinschaft
Auch die offene und unterstützende Atmosphäre der Akademie überzeugte. Helene Schmalfeld, die im Ehrenamt beim SV Blau-Weiß Dölau als Fußballtrainerin einer Männermannschaft tätig ist, lobte: „Jede ist bereit, sich selbst weiterzuentwickeln und gleichzeitig die anderen auf ihrem Weg zu unterstützen." Leandra Giannaki, die die Frauenabteilung ihres Vereins SC 08 Elsdorf im Fußball-Verband Mittelrhein mitgegründet hatte, sah es genauso: „Ich finde, wir sind eine sehr herzliche Gruppe. Obwohl wir uns erst seit Kurzem kennen, bildeten wir sofort eine tolle Gemeinschaft."
Dabei reagiert der Fußball durchaus auf eine Problemlage. Denn mit dem Wegbrechen der „Baby Boomer" in den kommenden Jahren wird es auch im Fußball-Ehrenamt luftiger werden. Dringend nötig also, dass auch junge Frauen noch stärker Verantwortung in ihren jeweiligen Vereinen übernehmen.
Sarah betonte abschließend die weitreichende Bedeutung solcher Akademien für die Frauen im Ehrenamt: „Ich nehme den Wunsch mit, auch andere junge Frauen für das Ehrenamt zu begeistern. Ich merke, dass viele Frauen sich entweder nicht trauen oder sich noch nicht bereit fühlen. Aber diese Workshops haben mir gezeigt, dass viel mehr in uns steckt, als wir oft denken."
Einzigartige und bestärkende Erfahrung für junge Frauen
Die GOAL, GIRL! Akademie wurde als Pilotprojekt von der DFB-Stiftung Egidius Braun organisiert. In einem Erfahrungsbericht fasst Teilnehmerin Greta die Akademie aus Sicht der Teilnehmerinnen zusammen.
Eine einzigartige und bestärkende Erfahrung für 18 junge Frauen im Alter von 17 bis 24 Jahren. Die Idee der Akademie war es, einen Raum explizit für junge Frauen zu kreieren, die ehrenamtlich im Fußballverein aktiv sind. Wir wollten erleben, wie es ist, mal nicht die einzige Frau zu sein. Im Rahmen der Akademie hatten wir die Gelegenheit, nicht nur mehr über den Fußball und seine Strukturen zu lernen, sondern auch uns selbst besser kennenzulernen und uns als Frauen in einem männerdominierten Bereich zu stärken. Die Akademie bestand aus zwei intensiven Wochenenden: das erste in Malente, das zweite in Berlin. An beiden Wochenenden ging es darum, uns zu empowern, zu vernetzen und neue Perspektiven für unsere persönlichen, als auch sportlichen Ziele zu gewinnen. Begleitet wurde die GOAL, GIRL! Akademie von Coach Maike Hoyck.
Zwei Wochenenden voller lehrreicher Workshops
Das erste Wochenende war geprägt von lehrreichen Workshops zur Persönlichkeitsentwicklung und Diskussionen über die Ungleichheiten zwischen Männer- und Frauenfußball. Gleichzeitig wurden uns Projekte vorgestellt, die sich aktiv für mehr Mädchen und Frauen im Fußball einsetzen. Wir konnten gemeinsam mit Gästinnen reflektieren, wie es sich anfühlt, als Frau in einem solchen männerdominierten Sport tätig zu sein und was sich verändern muss, um mehr Mädchen zu motivieren, in Sportvereine einzutreten oder ehrenamtlich aktiv zu werden.
Am zweiten Wochenende in Berlin konnten wir direkt an die Gruppendynamik des ersten Wochenendes anknüpfen. In Berlin hatten wir das Privileg, weitere großartige Gäste kennenzulernen. Marie-Luise Eta, erste weibliche Co-Trainerin in der 1. Bundesliga, gab uns spannende und wertvolle Einblicke in ihre Karriere und bestärkte uns, dass man es als Frau nach ganz oben schaffen kann. Für viele von uns ist Marie-Luise Eta ein ganz wichtiges Vorbild. Christine Lambrecht, ehemalige Bundesverteidigungsministerin, zeigte uns, wie Frauen auch in der Politik und in Führungspositionen erfolgreich sein können. Bei einem Treffen mit der Sportjugend Berlin und mit Christine Lehmann, stellv. Vorsitzende des Ausschusses für Frauen- und Mädchenfußball beim Berliner Fußball-Verband e.V. konnten wir unsere praktischen Erfahrungen teilen. Wir haben gemeinsam überlegt, wie wir als Frauen im Sport und im Fußball mehr Sichtbarkeit erlangen und Toleranz erfahren können.
Ein weiteres Highlight des zweiten Wochenendes war der Kommunikationsworkshop mit Lilly Volk. In diesem Workshop haben wir nicht nur Kommunikationsfähigkeiten erlernt, sondern auch ein neues Bewusstsein für unsere eigene Sicherheit und Präsenz entwickelt. Wir haben gelernt, wie wir unseren Körper und Kopf trainieren können, um auch in Stresssituationen funktionieren zu können.
Schon nach dem ersten Wochenende haben sich viele bestärkt gefühlt und sind voller Tatendrang neue Themen und Projekte angegangen, um Mädchen und Frauen in ihrem Verein noch besser zu unterstützen. Diese beiden Wochenenden haben uns nicht nur mit neuem Wissen und konkreten Handlungsimpulsen ausgestattet, sondern auch ein Netzwerk aus gleichgesinnten Frauen geschaffen, mit denen wir uns langfristig austauschen und unterstützen können.
Die GOAL, GIRL! Akademie war für uns eine wertvolle Gelegenheit, unsere Ziele zu definieren, neue Fähigkeiten zu erlernen und den Mut zu fassen, uns als Frauen in der Sportwelt und darüber hinaus zu behaupten. Wir sind motiviert, gestärkt und unfassbar dankbar aus diesen beiden Wochenenden herausgegangen und freuen uns darauf, die gewonnenen Erkenntnisse in die Tat umzusetzen.
Text und Foto: DFB-Stiftung Egidius Braun / fussball.de
Hier geht es zur Website der DFB-Stiftung Egidius Braun.
