Krönender Abschluss, Glanzlicht der Vereinsgeschichte und große Chance auf einen Titel – das Finale im FVM-Pokal der Frauen eröffnet Perspektiven, die kaum zu toppen sind. „Dieses Spiel ist ein absolutes Highlight für uns“, sagt Jule Brockerhoff, die Trainerin der DJK Südwest mit Blick auf das Duell mit dem Stadt- und bisherigen Regionalligarivalen Fortuna Köln am Donnerstag, 29. Mai, 14 Uhr. Fortuna-Abteilungsleiter Achim Stuhr greift in das gleiche Regal. „Dieser Wettbewerb hat einen sehr hohen Stellenwert für uns. Das haben wir immer gesagt und wir haben auch immer wieder Taten folgen lassen“, erklärt er. Tatsächlich ist sein Verein das Nonplusultra im Cup-Wettbewerb auf Mittelrhein-Ebene. Das Team ist nicht nur der Titelverteidiger. Sechsmal ging die Trophäe allein in den vergangenen zehn Jahren in die Kölner Südstadt. „Da soll der Pott auch bleiben“, macht Stuhr klar.
Die DJK Südwest steht derweil erstmals im Finale des Wettbewerbs. Damit sind die Rollen klar verteilt: Brockerhoffs Spielerinnen sind die Jägerinnen, die der Fortuna die Gejagten. Für Stuhr ist dies gewohntes Terrain. „Mit der Favoritenstellung sind wir bisher gut klargekommen“, findet er. Und doch betritt sein Klub Neuland. Erstmals hat der Verbandsausschuss für Frauenfußball (VAfF) eine Ausschreibung zur Ausrichtung des FVM-Pokalfinales der Frauen durchgeführt, Bewerbungen gesichtet und schließlich das Aggerstadion in Troisdorf (Taubengasse 203) zum Finalort für mindestens die nächsten beiden Endspiele im FVM-Pokal der Frauen ausgewählt. Emilie Schmidt, Vorsitzende des VAfF, freut sich auf die Premiere in Troisdorf: „Am Ende hat das Gesamtpaket der Gemeinschaftsbewerbung der beiden Vereine RW Hütte und FC Flying Albatros überzeugt: Das Engagement im weiblichen Fußball, ein engagiertes ehrenamtliches Team im Hintergrund, das zu einer gelingenden Organisation des Finales beitragen wird, und eine schöne Stadionanlage, die uns das Gefühl gibt, den nächsten Weiterentwicklungsschritt für unser Pokalfinale zu gehen“, blickt sie voller Vorfreude auf das Finale. Auch Alexander Bieber, Bürgermeister der Stadt Troisdorf, sieht dem anstehenden Endspiel mit positiver Erwartung entgegen: "Der Frauen- und Mädchenfußball verdient jede Unterstützung. Daher freut es mich, dass der FVM unser Aggerstadion für sein Finalspiel ausgewählt hat und sich der FC Flying Albatros und RW Hütte hier engagieren".
Optimismus trotz Wiederabstieg ungebrochen
Diese Emotion teilen Brockerhoff und ihren Spielerinnen. „Wir haben alle große Lust auf dieses Spiel“, sagt sie. Hinter ihrem Verein liegt ein Jahr voller Emotionen und Anstrengungen. Dem Aufstieg im Sommer folgte eine intensive Serie, an deren Ende der Wiederabstieg stand. „Uns war vorher klar, dass es sehr schwierig werden würde. Wir sind mit nahezu unverändertem Kader in die Regionalliga gegangen und dort auf Gegner getroffen, die über Spielerinnen mit einem größeren Erfahrungsschatz und einer anderen fußballerischen Ausbildung verfügen“, stellt sie klar. Man habe erst Tempo und Zweikampfstärke auf das ungewohnte Level heben müssen. „Jetzt zum Saisonende sind wir in der Liga angekommen, aber es hat nicht gereicht“, verweist Brockerhoff auf die Schlussphase der Meisterschaft mit zwei Unentschieden und einem Sieg. Trotz des vorzeitigen Abstiegs sei diese Spielzeit ein wertvoller Entwicklungsschritt für alle gewesen.
Und außerdem gab es ja auch noch den Pokal-Wettbewerb. Mit dem 8:0 im Achtelfinale beim Kreisligisten FC Rheinsüd Köln gelang Brockerhoffs Elf nicht nur ein perfekter Einstand, es blieb auch der höchste Sieg im gesamten Wettbewerb. Lina Stiens, Alisa Sinani, Nike Hellkuhl, Chiara Minasso, Julia Becker (2), Lina Schulte sowie ein Eigentor des Gegners ebneten den Weg ins Viertelfinale. Dort folgte ein 6:0 beim Bezirksligisten SV Eintracht Hohkeppel. Hannah Büllesbach (2), Sinani (3) und Jennifer Petzold trafen bei der Partie Mitte April. Der große Coup folgte dann rund drei Wochen später: Im Semifinale bezwang Südwest mit Vorwärts Spoho Köln ausgerechnet jenen Rivalen, der kurz zuvor mit einem 3:2-Erfolg im direkten Liga-Duell den Abstieg der DJK besiegelt hatte. „Wir konnten und wollten alles in dieses Spiel reinwerfen“, sagte Brockerhoff nachdem Marisa Montuori und Sinani ihr Team zum Sieg geschossen hatten.
Komplimente für den Gegner
Lob kam vom Gegner. „Südwest hat es verdient. Sie haben es gut gemacht und sind viel gelaufen“, so Spoho-Coach Josh Green. „Wir sind zu guten Leistungen in der Lage, nicht zuletzt, weil wir einen super Teamgeist haben“, meint Brockerhoff. Zu den Führungsspielerinnen zählen Felicitas Müller im Tor, Kapitänin Nora Kersting, ihre Stellvertreterin Paulina Verspohl und Torschützenkönigin Sinani. Sie sollen dazu beitragen, der Serie einen mehr als versöhnlichen Abschluss zu verleihen und die Brücke in die Zukunft zu schlagen. Schließlich würde die DJK Südwest als Cupsieger in die erste Hauptrunde des DFB-Pokals einziehen. „Überhaupt im Finale zu stehen ist grandios. Das ist ein Erfolg, der bleibt. Aber wir kommen sicher nicht nach Troisdorf, um dort der Fortuna zum Sieg zu gratulieren“, gibt sich Brockerhoff kämpferisch.
Dem favorisierten Gegner bescheinigt sie große Routine, Spielstärke, individuelle Klasse und vor allem Endspiel-Erfahrung. Maik Honold, Trainer des im Viertelfinale der Fortuna unterlegenen Mittelrheinigisten SV Viktoria Waldenrath-Straeten, hat eine besondere Zusammenfassung dieser Stärken geliefert: „Die Fortuna ist das oberste Regal der Regionalliga.“ Sein Team durfte nach dem 0:1 – Anna Grassinger traf für Köln – stolz auf den knappen Ausgang sein. Anerkennung kam ebenfalls von Gökhan Demirci, Trainer des Regionalligisten Alemannia Aachen: „Man muss anerkennen, dass die Fortuna viel Qualität in ihren Reihen hat“, erklärte er nach dem 0:2 im Halbfinale, bei dem Fortuna-Goalgetterin Vivien Schwing beide Treffer erzielte. In den Cup gestartet war die Fortuna mit einem 4:0 im Achtelfinale beim Bezirksligisten FV Bonn-Endenich, den Theresa Garsztecki, Emma Gumbel, Fabienne Meder und Alica Linden im Januar sicherten. Zu dieser Zeit mischte das Kölner Team noch im Kampf um den Titelgewinn in der Regionalliga mit. Dieser Traum platzte. Ein Umstand, der dem Cup-Wettbewerb nochmals einen höheren Stellenwert bescherte. „Der Pokalsieg wurde unser wichtigstes Ziel“, so Fortuna-Coach Tarek Maarouf.
Gute Mischung aus Erfahrung und Talent
Er kann auf eine gute Mischung aus erfahrenen Kräften und vielversprechenden Talenten setzen. Eine unverzichtbare Größe ist Schwing, die dem Angriff der Fortuna Durchschlagkraft verleiht. Für Routine sorgen Svenja Streller und Torhüterin Hanna de Haan, die ihre Karriere nun beenden wird. Zur neuen Generation zählen etwa Mittelfeldspielerin Gumbel, die zuletzt verletzte Außenverteidigerin Amelie Wortberg, Offensivkraft Muriel Bey und Torhüterin Alma Dimiri. „Sie sind jung und haben richtig Bock“, so Maarouf über seine Youngsters, die auf weitere Erfolge ihres Vereins auch auf nationaler Bühne hoffen. Erst im Herbst vergangenen Jahres erreichte das Team das Achtelfinale auf nationaler Ebene. Das Spiel gegen den Erstligisten Werder Bremen empfanden alle Beteiligten trotz des 0:3 als Highlight. Unklar ist noch, ob Rechtsverteidigerin Annika Boden im Finale auflaufen kann, sie plagen hartnäckige Wadenprobleme. „Aber insgesamt sieht es personell wieder ganz gut aus“, sagt Stuhr. Dennoch dürfe man einen Fehler nicht machen: „Wenn wir die DJK unterschätzen, kann das böse enden. Sie werden sicherlich alles für den Pokalsieg geben.“
Tickets im Online-Shop und an der Tageskasse
Die Tickets (Vollzahlerpreis 5,00 Euro; ermäßigter Preis 3,00 Euro) für das FVM-Pokalfinale der Frauen können im Online-Shop (bis Spielbeginn) sowie an der Tageskasse erworben werden. An der geöffneten Tageskasse ist ausschließlich Barzahlung möglich.
FVM-Pokal der Frauen 2024/25
Finale:
DJK Südwest Köln - S.C. Fortuna Köln Do., 29. Mai, 14 Uhr
