Bis sich die Tür öffnete und sie ihre Fußballbegeisterung end- lich ausleben durfte, dauerte es einige Zeit. Aber vielleicht hat genau jenes Warten bei Tanja Büscher den Willen gestärkt, möglichst vielen anderen Menschen die besagte Tür zu öffnen. „Ich hätte als Jugendliche gerne selbst gespielt, aber das war mir wie vielen anderen Mädchen damals nicht erlaubt“, schaut die 56-Jäh- rige zurück. Diese Zeiten sind längst vergangen.
Der Mädchen- und Frauenfußball genießt heute eine ganz andere Akzeptanz“, sagt die Wahlscheiderin, die sich seit langem im Verein und Mädchenspiel- ausschuss des FVM ehrenamtlich engagiert.
Bester Beleg dieser Veränderung war die Football Experience am Kölner Tanzbrunnen. Dass dort auch Mädchenturniere zum umfangreichen Programm im Kontext der UEFA EURO 2024 gehörten, war eine Selbstverständlichkeit. Büscher war als eine der Organisator*innen der Wettbewerbe für C- und D- Juniorinnen im Einsatz. „Es macht einfach Spaß, hier dabei zu sein und die Begeisterung der Spielerinnen zu erleben“, sagte sie. Mit anzupacken ist für sie nicht neu. Seit rund drei Jahrzehnten tut sie dies ehrenamtlich. Sie steht da- mit exemplarisch für die vielen Menschen, die einen Teil ihrer Freizeit dem Fußball und damit der Ge- meinschaft widmen. Büscher hat unterschiedliche Mannschaften aufgebaut und trainiert. Außerdem ist sie Vorsitzende des Mädchenspielausschusses im FVM. Sie hat den Wandel also nicht nur erlebt, sie hat ihn angekurbelt.
Von der Abwehrspielerin zur Trainerin
Alles begann beim SV Eintracht Hohkeppel, wo sie ihre jüngeren Brüder regelmäßig zum Training be- gleitete und bei Bedarf als Trainerin einsprang. Ende der 1980er-Jahre stand sie dann erstmals selbst auf dem Platz. „Mehrere Frauen hatten Lust zu spielen, ich habe mich darum gekümmert, dass eine Mann- schaft entstand“, erklärt die einstige Abwehrchefin. Mit der Geburt ihres Sohns Marcel 1990 wurde die Zeit für die aktive Karriere knapp. Dafür rückte das Engagement auf der Bank näher. Büscher coachte das Team ihres Juniors. Doch dabei blieb es nicht. Als Tochter Mandana im Grundschulalter mit dem Fußball beginnen wollte, wurde sie zur doppelten Trainerin. „Meine einzige Bedingung war, dass sie sich um ausreichend Spielerinnen kümmern sollte", so Büscher. Nach wenigen Wochen hatte die Tochter die Hürde locker genommen. „Da standen 30 Mä- dels bereit“, erinnert sich Büscher, die später auch eine Frauenmannschaft in dem Lohmarer Stadtteil aufbaute.
Je stärker der Gegenwind, desto größer der Wille
Bei der Arbeit mit Mädchen und Frauen sei sie an- fangs auf Skepsis gestoßen. Doch je stärker die Zweifel, desto hartnäckiger wurde ihr Bemühen. „Ich wollte mich unbedingt in dieser Männerdomä- ne durchsetzen. Meine Motivation war es, den Mäd- chenfußball voranzubringen“, macht sie deutlich. Das bestärke sie auch in ihrer Arbeit im Mädchen- spielausschuss. „Es braucht immer Kämpfer*innen und Vorreiter*innen“, sagt Tanja Büscher. Als Beispiel nennt sie ihren Einsatz für die Etablierung eines A- Juniorinnen-Spielbetriebs.
Im Verein hat ihr Elan inzwischen andere Betäti- gungsfelder erhalten. Im Fußballkindergarten be- treut Büscher Drei- bis Sechsjährige. Zudem rief sie vor rund anderthalb Jahren ein Inklusionsteam ins Leben. Dort spielen Kinder und Jugendliche mit geistigen und körperlichen Beeinträchtigungen. „Diese Mädchen und Jungen sind mir sehr schnell ans Herz gewachsen. Man spürt eine intensive Dank- barkeit dafür, gemeinsam auf dem Platz zu stehen und spielen zu können“, beschreibt Büscher. Auch wenn das Altersspektrum von neun bis 21 reiche, harmoniere das Team wunderbar. „Alle unterstützen sich gegenseitig. Davon profitieren wiederum alle.“ Neben dem wöchentlichen Training bricht das Team zu Ausflügen auf, um Neues kennenzulernen. „Basis bleibt aber immer die gemeinsame Begeisterung für den Fußball“, sagt Büscher, die sich beruflich um das Thema Inklusion in einer Kita kümmert.
UEFA EURO 2024 als Katalysator der Entwicklung
Als Katalysator dieser Begeisterung, da ist sich Bü- scher sicher, wird sich die UEFA EURO 2024 erweisen. Bei der Football Experience hat sie die Ausstrahlung und Kraft dieses Turniers hautnah erfahren. „Dort hat man erlebt, welche positive Energie der Fußball entfalten kann“, sagt sie. Büscher wünscht sich, dass insbesondere inklusive Angebote noch mehr Auf- merksamkeit erfahren. Denn die Begeisterung für den Fußball könne so vieles bewegen. Es brauche dazu lediglich Menschen, die bereit seien, anderen Türen zu öffnen.
Dieser Artikel erschien als Teil der EINSZUEINS-Ausgabe 2/2024.
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