Manuela Stüßer, Daniela Nohl, Meike Frank und Sarah Pickartz leiteten zum zweiten Mal als Unparteiischen-Gespann ein FVM-Pokal-Finale der Frauen „Das ist auf jeden Fall ein Highlight“, sagt Stüßer. Angesichts der Erfahrung aus dem Jahr 2024 wusste sie, was auf sie zukomme, erklärt die 38-Jährige, „aber dieses Mal werde ich das Endspiel aus einer neuen Perspektive erleben“. Als vierte Offizielle war die Kölnerin im Mai 2024 dabei, nun führte sie die Teams als Schiedsrichterin auf das Feld.
Auch Nohl vollzog einen Rollenwechsel, wurde von der Schiedsrichterin zur Assistentin. Die 36-Jährige freute sich jedoch auch noch aus einem weiteren Grund auf neue Eindrücke. Denn erstmals hatte der FVM das Finale für mindestens zwei Austragungen nach Troisdorf vergeben. Und das dortige Aggerstadion (Taubengasse 203) wurde am Finaltag zur stimmungsvollen Arena für die Partie der beiden Regionalligisten DJK Südwest Köln und Fortuna Köln werden. „In Arnoldsweiler war es im vergangenen Jahr sehr schön, aber ich glaube, jetzt erwartet alle nochmal ein anderes Flair“, betonte sie und sollte im Nachgang recht behalten. „Wäre ich nicht als Assistentin dabei gewesen, hätte ich mir dieses Event als Zuschauerin angeschaut.“
Die Fitness der Kolleg*innen im Blick
Für sie war das Finale beinahe ein Heimspiel. Nohl lebt im wenige Kilometer entfernten Hennef, sie engagiert sich im Kreisschiedsrichterausschuss des Fußballkreises Sieg und hat seit einiger Zeit die Fitness der Kolleg*innen im Blick. „Seit einem halben Jahr bieten wir auf freiwilliger Basis für Frauen und Männer aller Altersklassen auf dem Platz des FC Hennef ein Training an. Die Resonanz ist absolut positiv“, sagt Nohl. Fahnenhaltung, Blickwinkeltraining, Konzentration unter körperlicher Anstrengung, Sprints und Intervalle, kurz: alles, was zum Rüstzeug eines Unparteiischen gehört, wird geübt. Es geht aber auch ums lockere Kicken und den Austausch untereinander. Manche Einheiten poste man auf Instagram, wo man Menschen erfolgreich zum Nachahmen animiere, erklärt sie.
Gestärkt werden nicht nur Ausdauer und Auge, sondern auch der Teamspirit. Der, das macht Nohl deutlich, gehört zur Schiedsrichterei dazu, mindestens so sehr wie in den anderen Facetten des Sports. Nohl weiß, wovon sie spricht. Sie war selbst jahrelang Jugendtrainerin und spielte mit dem SV Menden und Allner-Bödingen in der Mittelrheinliga, mit dem FC Sankt Augustin sogar in der Regionalliga. 2002 machte sie den Schiedsrichterschein und beschritt auch diesen Weg erfolgreich. In der 2. Frauen-Bundesliga hat sie Laura Duske assistiert und in der Frauen-Regionalliga leitet sie selbst Partien. „Seit einigen Jahren konzentriere ich mich nur noch auf die Schiedsrichterei. Dort war die Perspektive, etwas zu erreichen besser und das Verletzungsrisiko deutlich geringer“, sagt die 36-Jährige, die gerne noch in der Männer-Landesliga Partien leiten würde. „Der Reiz dieser Aufgabe besteht darin, dass man nie weiß, was einen erwartet. Auf dem Platz kann sich immer eine Dynamik entwickeln, diese Herausforderung zu meistern, macht Spaß und prägt die Persönlichkeit“, stellt sie klar.
Erfahrungen für das Leben gesammelt
Das sieht auch Stüßer so. „Man nimmt auf dem Platz für die Persönlichkeitsentwicklung viel mit“, betont die Erzieherin. Privat sei sie eher ein ruhiger Charakter. „Aber ich habe gelernt, mich meiner Rolle anzupassen, wenn das nötig ist.“ Als Schiedsrichterin müsse sie klar und bestimmt agieren. Das seien Tugenden, die auch im Job zeitweilig gefragt seien. Auch Stüßer kennt den Fußball aus mehreren Blickwinkeln: Sie hat für den TSV Kesternich in der Mittelrheinliga gespielt und ist zuletzt in der Bezirksliga für den FSV Köln 1899 aufgelaufen. Den Einstieg in die Schiedsrichterei fand sie nebenbei. 2001 habe eine Freundin sie auf die Möglichkeit aufmerksam gemacht, einen Schirischein zu erwerben. „Ich habe mich als junge Spielerin einfach oft geärgert, wenn zu unseren Begegnungen kein Unparteiischer“, schaut sie zurück. Aus dieser Kopfentscheidung ist längst eine Herzensangelegenheit geworden. „Nach den ersten schwierigen Einsätzen fand ich die Aufgabe faszinierend“, sagt die Kölnerin, die ebenfalls Begegnungen in der Frauen-Regionalliga und der Männer-Bezirksliga leitet. Aus der Liga kenne sie auch die beiden Kontrahenten im Pokalfinale. Dennoch sei es wichtig, mit einem guten Unparteiischen-Team den Weg nach Troisdorf anzutreten.
Sarah Pickartz war beim Finale die Jüngste im Bunde. „Dort dabei zu sein, ist eine tolle Wertschätzung“, findet die 21-Jährige, die ebenfalls bereits in der Frauen-Regionalliga pfeift. Das soll jedoch nicht die Endstation sein. „Ich will so hoch wie möglich kommen. Einmal in der Frauen-Bundesliga zu winken, wäre ein Traum“, erklärt sie. Ihr Engagement biete die reizvolle Chance, den Ehrgeiz zu stillen. Das motiviere sie. „Wenn ich Leichtathletik betreiben würde, wäre ich auch nicht glücklich, wenn ich jahrelang dieselbe Zeit laufen würde. Die Schiedsrichterei ist mein Sport, dort will ich weiterkommen“, erläutert sie. Einige Jahre spielte sie zudem Fußball. Als das Studium des Chemie-Ingenieurswesens zu zeitaufwendig wurde, entschied sie sich ganz bewusst für den Job an der Pfeife. „Ich empfinde dieses Hobby als vielseitiger. Man lernt mit unterschiedlichen Menschen umzugehen, sich zu organisieren und sich zu behaupten. Das kann ich in meinem eher männerdominierten Beruf als Chemikantin gut gebrauchen“, stellt sie klar. Hinzu komme das Gemeinschaftserlebnis. „Was man als Schiedsrichterin lernt, kann man nirgendwo anders lernen. Etwa mit eigenen Fehlern souverän umzugehen. Das konnte ich früher nicht gut“, sagt Pickartz.
„Mit dem Anpfiff stelle ich alles auf null“
Die beschriebene Faszination kann Meike Frank nur bestätigen. Die 22-Jährige hat ebenfalls bei einem Lehrgang, den sie an der Seite einer Freundin absolvierte, Feuer gefangen und dann einen steilen Aufstieg hingelegt. Sie pfeift in der Frauen-Regionalliga und Männer-Bezirksliga und würde nur allzu gerne weitere Etappenziele nehmen. „Es macht einfach Spaß“, bringt sie ihre Motivation auf den Punkt.
Erneut in einem Pokalfinale als Assistentin dabei zu sein, sei etwas Besonderes. „Ich freue mich sehr darauf. Im letzten Jahr waren die Stimmung und das Drumherum sehr schön. Ich denke, das Aggerstadion ist nochmal ein Schritt nach vorne. Das wird sicherlich sehr cool“, machte sie im Vorfeld der Partie deutlich. Die DJK Südwest kennt sie nicht nur aus dem Ligaalltag. Frank leitete schließlich das Halbfinalmatch der Kölnerinnen gegen den Stadtrivalen Vorwärts Spoho. „Natürlich informiere ich mich über beide Teams. Aber mit dem Anpfiff stelle ich alles an null und lasse das Spiel auf mich zukommen. Schließlich will ich nicht voreingenommen agieren“, sagt die Sportstudentin, die für den SC Uckerath im Einsatz ist. Im vergangenen Jahr habe man beim Finale zumeist die richtigen Entscheidungen getroffen. „Wir waren zufrieden“, sagt sie. Und beschreibt damit zugleich die gemeinsame Ambition für das Spiel nach dem Rollentausch.
Alle Schiedsrichterinnen auf einen Blick:
Position: Schiedsrichterin
Manuela Stüßer
Alter: 38 Jahre
Beruf: Erzieherin
Heimatverein: Bayer 04 Leverkusen
Position: Schiedsrichter-Assistentin
Daniela Nohl
Alter: 36 Jahre
Beruf: Personalerin
Heimatverein: FC Hennef 05
Position: Schiedsrichter-Assistentin
Meike Frank
Alter: 22 Jahre
Beruf: Sportstudentin im Bereich Sportmanagement
Heimatverein: SC Uckerath
Position: Vierte Offizielle
Sarah Pickartz
Alter: 21 Jahre
Beruf: Studium zur Chemie-Ingenieurin
Heimatverein: FC Bensberg
