Nur noch wenige Tage bis zum großen Endspiel! Der TSV Alemannia Aachen trifft im Rahmen des Finaltags der Amateure auf den Bonner SC und beide Vertreter kämpfen nicht nur um den Bitburger-Pokal, sondern auch um den Einzug in den DFB-Pokal 2024/25. Doch was macht beide Klubs aus? Wer sind die Spieler, auf die es zu achten gilt? Wir werfen einen Blick.
Der Klub
Gegründet wurde der Bonner SC im Juni 1965, doch seine Wurzeln reichen deutlich weiter zurück. Mit dem Bonner FV (1901) und TuRa Bonn (1904) bündelten schließlich zwei alteingesessene Größen der Stadt ihre Kräfte im BSC. Seither erlebten die Blau-Roten Jahrzehnte mit vielen Erfolgen, aber auch schwierigen Tagen. Zu den Glanzzeiten zählt zweifellos die Saison 1976/77, als Bonn der Zweiten Liga angehörte und gegen den FC St. Pauli, Arminia Bielefeld und Bayer 04 Leverkusen antreten durfte. Zwar erreichte man als Tabellensechszehnter den sportlichen Klassenerhalt, doch am 9. Juli 1977 führten Zahlungsschwierigkeiten zum Lizenzentzug. Es folgten Jahre fernab und an der Schwelle zum Profifußball. Nach dem Aufstieg im Sommer 2016 absolvierte der BSC fünf Spielzeiten in der Regionalliga West. In diese Zeit fällt auch der bislang einzige Erfolg im Bitburger-Pokal: 2017 bezwang der BSC den damaligen Drittligisten Fortuna Köln im heimischen Sportpark Nord mit 1:0. In der Folgesaison waren die Bonner dann erstmals nach rund vier Jahrzehnten wieder im DFB-Pokal dabei, scheiterte in der ersten Hauptrunde jedoch mit einer 2:6-Niederlage am Bundesligisten Hannover 96. Immerhin, der von Verteidiger Nico Perrey per Hacke erzielte Treffer zum zwischenzeitlichen 2:3 wurde zum Tor des Monats gewählt. 2022 stieg der BSC nach fünf Jahren Regionalliga-Angehörigkeit in die Mittelrheinliga ab. Seither heißt das große Ziel Wiederaufstieg: Doch weder mit dem einstigen Nationalspieler Lukas Sinkiewicz auf der Trainerbank noch mit dessen Nachfolger Giuseppe Brunetto sollte der Weg zurück in die Viertklassigkeit führen. Trotz einer beeindruckenden Bilanz unter dem im Oktober verpflichteten Coach Sascha Glatzel musste die Mannschaft Titelgewinn und Aufstieg in dieser Serie dem SV Eintracht Hohkeppel überlassen.
Die Mannschaft
Seit Sascha Glatzel beim Bonner SC als Coach das Sagen hat, hat das Team enorme Stabilität erlangt. 20 Meisterschaftsspiele ohne Niederlage sowie die Erfolge im Bitburger-Pokal sprechen Bände. Insbesondere die Defensive gilt als kaum zu überwinden. „Das ist nicht nur ein Verdienst der Abwehr. Auch wenn es abgedroschen klingt, die Verteidigung fängt vorne an“, sagt der BSC-Sportdirektor Daniel Zillken. Die von Glatzel geschaffene Gesamtkonstruktion stimme eben. „Wir leisten insgesamt starke Arbeit gegen den Ball. Das ist der Plan des Trainers. Wir wollen mit frühem Pressing den Gegner zu Fehlern zwingen“, erklärt Zillken. Im Tor gab es im Saisonverlauf ein Wechselspiel: Der vom FC Hennef zurückgekehrte Martin Michel – schon 2017 Keeper beim letzten Cup-Sieg des BSC – spielte im Bitburger-Pokal, Kevin Birk in der Meisterschaft. Mit Tarik Dogan, im vergangenen Jahr unter Glatzel Kapitän beim Meister FC Hennef, bildet ein routinierter Akteur ein starkes Innenverteidiger-Duo mit Massaman Keita. Die beiden Außenverteidiger Markus Wipperfürth und Adis Omerbasic kamen im Sommer zurück vom Regionalligisten 1. FC Düren. Sie verfügen über besondere Pokal-Erfahrung, zählten sie doch zu jenem Dürener Team, das 2020 im DFB-Pokal beim FC Bayern München antrat (0:3). Im Zentrum zieht Kapitän Maximilian Pommer die Strippen im Spiel des BSC. „Er ist ein Typ, der vorweggeht und den Takt vorgibt“, sagt Zillken. Als Vorbereiter und Torschütze setzt Leon Augusto immer wieder entscheidende Akzente im Spiel der Bonner. Zu den Toptorjägern gehören Michael Okoroafor und Jonas Berg. „Was uns aber wirklich stark macht, sind nicht die einzelnen Spieler, sondern der Zusammenhalt“, sagt Zillken. Und selbstverständlich hat die lange Serie ohne Niederlage das Selbstvertrauen wachsen lassen. „Entscheidend ist der Glaube an das, was wir tun“, betont Glatzel. Ohne diese Überzeugung seien die vielen Erfolge nicht möglich gewesen.
Der Trainer
Als Sascha Glatzel im Oktober den Trainerjob beim Bonner SC übernahm und damit die Nachfolge Giuseppe Brunettos antrat, drohte das Team als Liga-Achter die Tabellenspitze frühzeitig aus den Augen zu verlieren. Sein Debüt hätte nicht besser laufen können: In der Partie gegen den Tabellenführer SpVg Frechen 20 glückte ein 4:1-Sieg, der die Weichen auf Erfolg stellen sollte. In der Meisterschaft war das BSC-Team fortan nicht zu bezwingen und im Bitburger-Pokal nahmen die Bonner ebenfalls alle Hürden. „Sascha Glatzel ist nicht nur ein herausragender Fußballkenner, sondern auch eine Persönlichkeit“, so der Bonner Vorstandsvorsitzender Prof. Dr. Dirk Mazurkiewicz über den 47-Jährigen, der vor seinem Engagement in der Bundesstadt sieben Jahre lang den FC Hennef 05 gecoacht und sich im Sommer mit dem Titelgewinn von dem Mittelrheinligisten aus dem Rhein-Sieg-Kreis verabschiedet hatte. Glatzel gilt als Mann, der akribisch arbeitet und die lokale Fußballszene bestens kennt. Nach Stationen als Spieler beim FV Bad Honnef, Germania Dattenfeld und FC Hennef 05 beendete er mit Anfang 30 seine aktive Laufbahn und wechselte auf die Trainerbank. Über Blau-Weiß Friesdorf, eine Co-Trainer-Station bei Viktoria Köln und den FV Bad Honnef fand er zu den 05ern, denen er lange Zeit die Treue hielt. „Sein Erfolg spricht für sich, er hat einen klaren Plan und geht seinen Weg mit aller Konsequenz“, so Sportdirektor Zillken über den 47-Jährigen. Der Trainer glaubt an eine stetige Entwicklung und harte Arbeit mit dem Team. „Vor allem müssen meine Ideen zu den Spielern passen. Nur dann erreicht man, dass alle an einem Strang ziehen und man zusammen Erfolg hat“, erklärt Glatzel.
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