Der Bestsellerautor und der Fußball: Linus Geschke ist derzeit einer der angesagtesten Thrillerautoren in Deutschland. Mit seinem Debüt gelangte er aus dem Stand auf die Bestsellerliste, seine Jan-Römer-Serie wurde aufwendig verfilmt. Die ersten beiden Teile seiner Donkerbloem-Trilogie - "Der Trailer" und "Das Camp" - standen ebenfalls wochenlang auf der SPIEGEL-Bestsellerliste. Der dritte und letzte Teil "Die Schlucht" erscheint am 2. Oktober im Piper-Verlag.
Der 55 Jahre alte Schriftsteller lebt in Köln und ist leidenschaftlicher Fußballfan. FUSSBALL.DE hat sich mit ihm am Geißbockheim getroffen, der Heimat des 1. FC Köln - seines Lieblingsvereins. Im exklusiven Interview spricht Geschke über Fußball, Literatur und seinen fesselnden Schreibstil.
Linus Geschke, während wir hier sprechen, tragen Sie das aktuelle Trikot des 1. FC Köln. Offenbar sind Sie großer FC-Fan?
Ja, leider.
Warum leider?
Weil es manchmal wehtut und dieser Verein einen leiden lässt. Aber man sucht es sich ja nicht aus. Man bekommt von klein auf mitgegeben, welchen Verein man liebt. Ich komme aus dieser Stadt, ich liebe diese Stadt - sie ist meine Heimat. Entsprechend bin ich natürlich FC-Fan.
Und auch regelmäßig im Stadion?
Das ist schwierig, weil es ja immer ausverkauft ist. Aber wenn sich die Gelegenheit bietet, bin ich natürlich da.
Haben Sie auch selbst mal Fußball gespielt?
Ich weiß nicht, ob man das so nennen kann. Aber ja, ich habe im Verein gespielt - und war dabei völlig talentfrei. Das ist die Wahrheit.
Wo haben Sie gespielt?
Beim SC West in Köln-Ehrenfeld. Ganz klassischer Amateurfußball, wie man ihn sich vorstellt. Selbst dafür war ich eigentlich nicht gut genug - Spaß hat es mir trotzdem gemacht.
Wie haben Sie, unabhängig von Ihren sportlichen Fähigkeiten, die Zeit im Amateurfußball erlebt?
Für mich persönlich war sie sehr wichtig. Es bestehen noch heute Freundschaften aus dieser Zeit. Es war einfach eine schöne Zeit - ich war jung, habe viel Zeit auf der Sportanlage verbracht und für meine Sozialisation war das sicher prägend. Dort ist auch meine Liebe zum Sport und zum Fußball im Besonderen entstanden. Ohne den Amateurfußball wäre ich heute ein anderer Mensch.
Der Amateurfußball lebt vom Ehrenamt. Wie sehen Sie das?
Das Ehrenamt ist essenziell, ohne das freiwillige Engagement so vieler Menschen würde das System nicht funktionieren. Wenn das Ehrenamt wegbräche, würde auch das Fundament des Fußballs wegbrechen. Das dürfen wir nicht zulassen.
Sie sind nicht nur Fußballfan, sondern auch einer der angesagtesten Thrillerautoren Deutschlands. Was verbindet aus Ihrer Sicht Fußball und Literatur?
In erster Linie die Emotionen. Man kann nur dann ein gutes Buch schreiben und viele Leserinnen und Leser erreichen, wenn man ihre Emotionen anspricht. Genauso ist es beim Fußball. Wir stehen hier auf dem Gelände des 1. FC Köln - bei diesem Verein spielt es kaum eine Rolle, ob man in der Bundesliga gegen Bayern München antritt oder in der 2. Liga gegen Holstein Kiel. Das Stadion ist immer voll. Weil es eine emotionale Angelegenheit ist.
In Vorbereitung auf dieses Gespräch habe ich mir den Trailer zu einem Ihrer Thriller angeschaut. Hätte ich das abends gemacht, hätte ich sicher Albträume bekommen.
Dann haben wir unser Ziel ja erreicht. Meine Bücher sind spannend und dunkel - ich will die Leserinnen und Leser fesseln.
Eine Frau wird in einem dunklen Wald von einem Maskierten verfolgt, die Musik im Hintergrund ist gruselig…
Das Buch spielt auf einem abgelegenen Campingplatz in den Ardennen. Eine junge Frau ist dort vor 15 Jahren spurlos und unter mysteriösen Umständen verschwunden. Ein Kölner Barbesitzer hat damals etwas gesehen, will aber nicht mit der Polizei sprechen - er ist vorbestraft und möchte sich nicht selbst auf Platz eins der Verdächtigen setzen. Eine True-Crime-Podcasterin greift den Fall auf und macht ihn wieder aktuell. Sie ahnt nicht, dass sie damit nur weitere Morde auslösen wird.
Im zweiten Teil drehen Sie die Geschichte weiter - und der Abschluss der Trilogie ist noch nicht fertig?
Richtig, ein paar Seiten fehlen noch. Aber ich bin auf der Zielgeraden. Ich wache morgens mit den Figuren meiner Bücher auf und gehe abends mit ihnen schlafen. Ich verbringe mehr Zeit mit ihnen als mit meiner Familie oder meinen besten Freunden. Für das Buch selbst braucht die Leserin oder der Leser dann durchschnittlich acht Stunden - ich hingegen schreibe acht Monate daran.
Wie schreiben Sie?
Ich brauche absolute Ruhe. Ich sitze alleine in meinem Zimmer am Schreibtisch, keine Musik, keine Ablenkung. Nichts darf mich herausreißen.
Und was muss man für ein Mensch sein, um so eine düstere Handlung zu erfinden?
Da müsste man wohl mein Umfeld fragen. Ich hoffe sehr, ein ganz normaler… Ich lese viel und gerne über True-Crime-Fälle - so entstehen bei mir die Ideen. Wenn ich ein neues Buch beginne, weiß ich, wie es anfängt und wie es enden wird. Der Mittelteil entwickelt sich oft flexibel. Ein bisschen Fantasie schadet natürlich nicht, aber es ist kein Hexenwerk. Fußballspielen ist mir früher auf jeden Fall immer viel schwerer gefallen. Um damit den Bogen zum Anfang unseres Gesprächs zu spannen.
