Frauenfußball beim VfL Kommern – das hat eine lange Tradition. Im Jahr 2011 erreichte der damalige Bezirksligist die 2. Runde des DFB-Pokals der Frauen und traf dort auf den Topklub FFC Frankfurt, dem man sich auf heimischem Platz geschlagen geben musste. Eine weitere Überraschung blieb also aus, nachdem die Mannschaft bereits zuvor den 1. FC Köln besiegen konnte.
„Leider gab es damals keinen Unterbau im Mädchenbereich und so kam es dann letztlich zur Saison 2019/20 zur Auflösung und Abmeldung der Frauenmannschaft“, erinnert sich Sascha Wagner, Abteilungsleiter Fußball Frauen & Mädchen beim VfL Kommern, zurück. Aktuell verfügt der Verein über vier Mädchenmannschaften (E- bis B-Juniorinnen) und zwei Frauenmannschaften. Es besteht auch eine Schul-AG in Zusammenarbeit mit der Grundschule Kommern, in der derzeit rund 130 Spielerinnen aktiv sind. Zudem hat der Verein zwei Schiedsrichterinnen aus den eigenen Reihen ausgebildet, die inzwischen fest im Spielbetrieb eingesetzt werden.
Von 2018 bis Anfang 2022 hat Wagner gemeinsam mit seinem Vorgänger, Alexander Koch, die Mädchenmannschaften aufgebaut, trainiert und entwickelt. Immer mit dem Ziel, wieder eine Frauenmannschaft zu etablieren. „Seit 2022 leitete ich diesen Bereich allein, bis ich Anfang 2024 die Mädchenmannschaften in eine eigene Abteilung ausgegliedert habe, um den Mädels ein Gesicht und eine eigene Bühne zu bieten“, betont er die Wichtigkeit der Mädchenabteilung als Unterbau. Und fügt hinzu: „Entscheidend war dabei eine vollständige Unterstützung durch den Hauptverein und den Vereinsvorstand. Es gab nie Benachteiligungen, ganz im Gegenteil, die Mädels – und jetzt auch Frauen – sind voll integriert und akzeptiert im Verein.“ Mit sichtbarem Erfolg: Der Aufbau der Frauenmannschaft verlief problemlos, bis heute stammen rund 90 Prozent der aktiven Spielerinnen aus der eigenen Jugend. Dies war ein bewusst gesetztes Ziel, um den talentierten Jugendspielerinnen aus der Gründungszeit im Jahr 2018 langfristige Entwicklungsperspektiven im Frauenfußball zu bieten.
Kontinuierlichen Ausbau der Mädchenmannschaften
Den notwendigen und kontinuierlichen Ausbau der Mädchenmannschaften hat der VfL Kommern durch verschiedene Maßnahmen vorangetrieben. Dazu zählen Mädchen-Fußballcamps, der Tag des Mädchenfußballs, schulische Fußball-AGs, der Einsatz des DFB-Mobils sowie eigene Hallenturniere. Sascha Wagner ist sich sicher, dass man auch zum Beispiel durch gemeinsame Ausflüge ins Stadion die Gemeinschaft stärkt und ein freundliches Umfeld schafft. „Toll war auch, dass die Mädels aufgrund ihrer Erfolge zwei Mal an der Westdeutschen Hallenmeisterschaft im Futsal teilnehmen konnten und wir die Möglichkeit hatten, ihnen das zu ermöglichen“, erinnert er sich gerne zurück. Außerdem hob Wagner hervor: „Solche Erfolge und Highlights, wie zum Beispiel auch die Spiele im ARAG-Pokal gegen Bayer 04 Leverkusen (mit heutigen Bundesliga-Spielerinnen wie Estrella Gonzalez oder Delice Boboy) und den 1. FC Köln, sind unvergessen, stärken das Teamgefüge, unabhängig von den Ergebnissen der Partien.“
Zur Gewinnung von Spielerinnen für die eigene Frauen-, aber auch Mädchenmannschaft setzt der Verein auf Werbemaßnahmen wie Flyer und Plakate sowie Social-Media-Content auf Instagram und Facebook. Sascha Wagner betont, dass auch die Gewinnung von Spielerinnen über das Zweitspielrecht eine wichtige Rolle spielte. Auf diesem Weg konnte man den Mädchen die Möglichkeit geben, eventuell fehlende Einsatzzeiten im Juniorenbereich auszugleichen. Der Verein bewertet dieses Vorgehen als Erfolg, da auf diese Weise viele Mädchen im Verein gehalten werden konnten, selbst wenn sie bei den Junioren nicht mehr spielen konnten oder wollten. „Wir konnten sie hier quasi auffangen, ohne sie von den Jungs und ihren Heimatvereinen wegzuholen“, erklärte Sascha Wagner und unterstrich, wie wichtig ihm diese Vorgehensweise war.
Wo Weiterentwicklung stattfinden soll, müssen geeignete Fördermaßnahmen umgesetzt werden. So versucht der VfL Kommern, die Bausteine der Nachwuchsarbeit im Bereich der Mädchenmannschaften, Schul-AGs und der Sichtung weiter zu festigen. Darüber hinaus bietet man den Spielerinnen über die Förderzentren des FVM weitere Möglichkeiten an und arbeitet mit externen Athletiktrainern zusammen – immer unter Berücksichtigung der individuellen Aus- und Weiterbildung der Trainer.
Sascha Wagner berichtet neben der erfolgreichen Mädchen- und Frauenabteilung auch von den Herausforderungen, denen sich der Verein gegenübersieht: „Wie viele andere Vereine auch, haben wir Probleme im Bereich der Infrastruktur. Leider verursacht unser Rasenplatz (ohne Flutlicht) immer wieder Ausfälle und Probleme in der Beschaffenheit und der zweite Platz ist momentan ein 25 Jahre alter Aschenplatz. Hier kommt es immer wieder zu Ausfällen bei Training und Spielen. Zudem trainieren momentan 20 Mannschaften auf dieser Anlage, was im Bereich Auslastung auch immer wieder Herausforderungen mit sich bringt.“ Glücklicherweise gibt es die Möglichkeit, bei befreundeten Nachbarvereinen die eine oder andere Trainingseinheit oder Spiele abzuhalten. Dabei verweist er auf die große Bedeutung eines funktionierenden Netzwerks sowie der gegenseitigen Unterstützung über den eigenen Verein hinaus.
Stetiger Aufbau oder Förderung des Mädchenbereichs
Für die Zukunft hat sich der VfL Kommern weitere Ziele gesetzt. Zunächst möchte sich der Verein weiter etablieren und die Mannschaften konstant im Spielbetrieb halten, gleichzeitig aber auch die Qualität verbessern. Zusätzlich soll das Angebot an Schul-AGs ausgebaut werden. Dabei gibt Wagner eine weitere Richtung vor: „Perspektivisch soll die 1. Frauenmannschaft die Landesliga anpeilen, was bei einem Durchschnittsalter von 19 Jahren realistisch erscheint. Leider musste die Mannschaft nach vier Jahren in der C- und B-Mittelrheinliga (zwei Mal Platz 2) im Seniorenbereich in der Kreisliga A anfangen und sich nun hocharbeiten. Das wollen wir gemeinsam angehen.“
Einen Rat für Vereine, die das Thema Mädchen- und Frauenfußball angehen möchten, hat der Abteilungsleiter: „Wichtig erscheint mir ein stetiger Aufbau oder die Förderung des Mädchenbereichs als Unterbau für den Frauenfußball. Frauenfußball ohne Mädchenmannschaften kann ich mir langfristig nicht vorstellen.“
