Ein Saisonfinale mit Spannung und Emotionen ist nicht ungewöhnlich. So packend und offen wie in diesem Jahr war das Finish in den beiden höchsten Spielklassen des FVM jedoch selten. Sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern geht es in der Mittelrheinliga in einem Herzschlagfinale am letzten Spieltag um den Titel und die Chance, in die Regionalliga aufzusteigen. Und als ob das nicht alles Grund genug für besonderes Augenmerk und Vorfreude wäre, treffen auch noch in beiden Ligen die Tabellenführer auf ihre direkten Verfolger.
Bei den Männern hat der FC Wegberg-Beeck gegenüber dem FC Hennef nur dank des besseren Torverhältnisses derzeit die Nase vorn. In der Frauen-Mittelrheinliga ist die Ausgangslage für Spitzenreiter Alemannia Aachen nur unwesentlich komfortabler: Zwei Punkte trennen das Team aus der Kaiserstadt vom SV Allner-Bödingen. Im direkten Aufeinandertreffen am Sonntag, 11. Juni, 16 Uhr, auf dem Kunstrasenplatz des Leo-Vermeeren-Stadions (Hasselholzer Weg 58) würde also schon ein Unentschieden zum Gewinn der Meisterschaft reichen.
„Wir werden aber sicherlich nicht auf einen Punkt spielen. Es gilt, die Rückrunde perfekt abzuschließen“, sagt Sascha Schmitz, der Sportliche Leiter der Alemannia-Frauen. Ein Aufstieg werde doch erst dann richtig schön, wenn eine Meisterschaft dahinter stehe, findet er. Die Voraussetzungen scheinen günstig. Das Team um den Aachener Trainer Gökhan Demerci ist seit Saisonstart ungeschlagen. Lediglich viermal musste man sich mit einen Unentschieden begnügen. „Wir können auf unsere beste Elf zurückgreifen“, nennt Schmitz einen weiteren Grund für Optimismus.
Alemannia mit starker Achse
Das bedeutet, Innenverteidigerin Lisa Thelen lenkt die Abwehr, Kapitänin Verena Keusgen und Gina Gottschalk ziehen im defensiven Mittelfeld die Fäden und Sarah Giebels wird versuchen, ihre ohnehin üppige Torausbeute nochmals aufzustocken. „Diese Spielerinnen sind auch in der Lage, die anderen mitzureißen“, betont Schmitz. Das sei möglicherweise nötig. Denn der Gegner verfüge über eine sehr starke und disziplinierte Mannschaft. „Beim SV Allner-Bödingen hat Trainer Pedro Cidoncha absolut bemerkenswerte Arbeit geleistet“, findet der Aachener Sportliche Leiter.
Sein Pendant auf der Seite des Kontrahenten nimmt das Kompliment gerne entgegen. „Wir haben durchaus die Hoffnung, Aachen ärgern zu können“, sagt Mike Echternach. Zwar habe man das Hinspiel Anfang Dezember mit 1:3 verloren, doch damals sei man ohne gelernte Torhüterin zwischen den Pfosten angetreten. Zudem habe das Team der besagten Niederlage neun Siege und ein Unentschieden folgen lassen. „Die Mädels sind in Form und heiß auf das Spiel“, macht Echternach klar. Für seinen Klub aus dem Hennefer Stadtgebiet geht es lediglich um den Titel. „Wir haben keinen Antrag auf eine Regionalliga-Lizenz gestellt“, erklärt er. Der Sportliche Leiter des SV Allner-Bödingen vertraut auf das starke Kollektiv und auf offensive Schlagkraft. 78 Treffer in 21 Begegnungen sprechen eine klare Sprache. Die beste Scorerin ist Danielle Bender.
FC Hennef ist der Herausforderer
Auch bei den Männern könnte der Titel nach Hennef gehen. Der FC 05 tritt am Sonntag, 15 Uhr, im Waldstadion Beeck am Kiefernweg an, um den gastgebenden FC Wegberg-Beeck die Meisterschaft noch zu entreißen. „So ein Saisonfinale hat man wirklich nicht jedes Jahr. Wir sind gut gerüstet und haben die letzten zwei Spiele klar gewonnen“, erklärt Dirk Hager, der Sportliche Leiter des FC Hennef. Bis zum Anpfiff werde man nichts anders machen als sonst. Gewohnte Abläufe und eine entspannte Stimmung sollen den großen Coup möglich machen. „Wir wollen das Ding rocken“, sagt Hager. Ob man letztlich den Sprung in die Regionalliga wagen würde, ist derweil offen. „Darüber wird noch beraten“, sagt Hager.
Für ihn und Trainer Sascha Glatzel hat das Spiel eine besondere Note. Das Duo wird sich mit Saisonende verabschieden. „Nach sechseinhalb Jahren als Meister zu gehen, wäre die Krönung“, erklärt Hager. Begonnen habe man Anfang 2017 – mit einer damals abstiegsgefährdeten Mannschaft. „Am Ende haben wir die letzten sieben Saisonspiele gewonnen und die Klasse gehalten“, blickt der Hennefer zurück. Seitdem gehörten die 05er immer zu den Spitzenteams der Mittelrheinliga. In dieser Serie sind Angreifer Masahiro Fujiwara mit 14 Saisontreffern sowie Tarik Dogan als Abwehrchef und Jannik Stoffels als Sechser die treibenden Kräfte.
Doch starke Spieler hat auch der Gastgeber. „Wegberg ist nicht umsonst Erster. Das ist eine sehr erfahrene abgeklärte Truppe. Die wissen, wie es geht. Wir bekommen den schwersten Gegner zum Schluss“, betont Hager.
Wegberg-Beeck daheim ungeschlagen
Am nötigen Selbstvertrauen dürfte es den Gastgebern aus dem Westen des Verbandsgebiets nicht mangeln. In der Rückrunde hat Wegberg-Beeck um Trainer Mark Zeh kein Spiel verloren und zu Hause ist das Team seit Saisonstart nicht bezwungen worden. Marc Kleefisch, Shpend Hasani und Dimitrios Touratzidis gehören allesamt zur Top-Fünf der Regionalliga-Torjägerliste. Und mit Keeper Stefan Zabel, Nils Hühne und Kapitän Maurice Passage hat das Team eine bewährte Achse.
„Optimismus muss da sein. Wer den nicht verspürt, sollte zu Hause bleiben“, sagt Friedel Henßen, Sportlicher Leiter in Wegberg. „Wir haben großen Respekt vor Hennef. Aber die Jungs werden alles reinhauen. Da bin ich sicher“, so Henßen. Ziel sei es Meister zu werden und den Aufstieg ohne Wenn und Aber am Sonntag perfekt zu machen, betont er. Dann werde man sicherlich ausgiebig feiern.
Die Partien im Überblick
Herren: FC Wegberg-Beeck gegen FC Hennef 05, Sonntag, 11. Juni um 15 Uhr im Waldstadion Beeck (Kiefernweg, 41844 Wegberg)
Frauen: Alemannia Aachen gegen SV Allner-Bödingen, Sonntag, 11. Juni 16 Uhr im Leo-Vermeeren-Stadion (Hasselholzer Weg 58, 52074 Aachen)
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