Umfrage: Zufriedenheit mit Maßnahmen im Kinderfußball?

Bachelorarbeit zum Thema Kinderfußball: Timo Menge (24) hat in seiner Bachelorarbeit die Zufriedenheit der Maßnahmen im Kinderfußball des FVM untersucht. Seine Beweggründe, Ergebnisse und Handlungsempfehlungen stellt er im EINSZUEINS-Interview mit FVM-Jugendbildungsreferent Oliver Zeppenfeld vor.

Umfrage: Zufriedenheit mit Maßnahmen im Kinderfußball?

EINSZUEINS: Timo, Du hast eine Bachelorarbeit über die Zufriedenheit der Maßnahmen im Kinderfußball in unserem Verband geschrieben. Was war Deine Intention, Deine Beweggründe?
Timo Menge: Als Staffelleiter hatte ich oft Kontakt mit Trainern und Eltern. Mitunter waren diese auch teilweise unzufrieden mit der Umsetzung der Neuerungen, die der FVM in den letzten Jahren im Kinderfußball eingeführt hat. Ich selbst habe als Trainer sowohl positive als auch negative Erfahrungen im Kinderfußball gesammelt. Deshalb wollte ich von einer großen Anzahl von Trainern, Co-Trainern, Betreuern, Vereinsvorsitzenden und Eltern Meinungen einholen, um einen umfangreicheren Eindruck zu erhalten, die Entwicklung der Maßnahmen voranzutreiben und ggf. Anregungen zu geben.

 

Wie sieht das Ergebnis aus?
Es wurden drei Neuerungen ausgewertet: das Bambini-Spielfest, die geänderten Ballgrößen und die FairPlayLiga. Alle drei wurden von den Befragten positiv bewertet, das Bambini-Spielfest und die geänderten Ballgrößen sogar sehr positiv eingeschätzt. 85% der Befragten waren mit den geänderten Ballgrößen und der Einführung des Bambini-Spielfests voll bzw. eher zufrieden. Die FairPlayLiga mit ihren drei Regeln bewerten 3 von 4 Befragten (73%) positiv, wenngleich dies nach Punkten die am schwächsten bewertete Maßnahme ist.

 

Woran liegt es deiner Meinung nach, dass Bambini-Spielfest und die Ballgrößen „zufriedenstellender“ bewertet worden sind als die FairPlayLiga?
Das Bambini-Spielfest und die veränderten Ballgrößen dienen der fußballerischen Entwicklung. Diese hat bei vielen Mannschaftsverantwortlichen und Eltern eine hohe Bedeutung. Die FairPlayLiga hingegen hat vor allem gesellschaftliche, soziale Ziele: Trainer sollen die Entwicklung aller Kinder auf dem Feld im Blick haben, Kinder sollen Regeln selbst beachten, einfordern und einhalten, Eltern sollen den Kindern Entwicklungs-Freiraum geben. Das schätzt nicht jeder Erwachsene, der in seinem Nachwuchs den kommenden Fußballstar sieht. Hinzu kommt, dass die FairPlayLiga stark vom Verhalten des Trainers abhängig ist. Hier können besonders ehrgeizige Trainer für negative Erfahrungen sorgen.

 

Welche Punkte der drei angesprochenen Maßnahmen stellen die Befragten nicht voll zufrieden?
Beim Bambini-Spielfest ist es der Mehr-Aufwand, den das Spielfest verursacht. Bei den Ballgrößen wird der finanzielle Aufwand kritisiert. In der FairPlayLiga wird das Spiel ohne Schiedsrichter – Kinder sollen die Regeln selbst oder in Ausnahmen mit Unterstützung der Trainer einhalten – kritisch gesehen. Dies kann von ergebnisorientierten Trainern und Mannschaften ausgenutzt werden. Bei allen Maßnahmen wünscht man sich eine umfangreiche Unterstützung seitens des FVM.

 

Was glaubst Du könnte man tun, um die genannten Punkte zu verbessern?
Es bietet es sich an, den Vereinen bei der Umsetzung der Maßnahmen besser zu helfen. Dazu könnte man sich der Kreisstrukturen im FVM bedienen. Vertreter der Kreisjugendausschüsse könnten beispielsweise vor Saisonbeginn Muster-Spieltage der Bambini-Spielfeste umsetzen. Bei zusätzlich vierteljährlichen Seminaren, die ggf. auch online durchgeführt werden können, könnte auf Sorgen eingegangen und Fragen beantwortet werden, um die im Kinderfußball handelnden Personen zu unterstützen. Probleme im Spielbetrieb könnten angesprochen und vielleicht umgehend gelöst werden.
Um die organisatorischen Fragen zum Bambini-Spielfest zu klären, hat der FVM bereits viele Infos auf der FVM-Homepage veröffentlicht und Flyer produziert. Zudem könnte man eine Handy-App entwickeln, die den Ablauf eines Kinderturniers erleichtert. Meines Wissens wird eine entsprechende App aktuell bereits von DFB und FVM entwickelt. Dennoch bleibt ein Spielfest/Turnier immer mit einem höheren Aufwand verbunden als ein einziges Spiel. Allerdings müssen Spielfeste/Turniere seltener ausgerichtet werden und können bei Verpflegungsangeboten für Einnahmen sorgen, die wiederum der Ausstattung des Kinderfußball (u.a. altersgerechte Bälle) zu Gute kommen.
Eine Anpassung der Schiedsrichterregel in der FairPlayLiga ist problematisch, da sie essenziell ist. Hier muss an das pädagogische Gespür der handelnden Trainer appelliert werden, die für die Einhaltung der Spielregeln – gemeinsam mit dem Trainer des gegnerischen Teams – fair und transparent sorgen müssen, sofern die Kinder vereinzelt Probleme haben. Dies ist vermutlich nur durch fortlaufende Schulungen der Trainer möglich.

 

Welche Wünsche hast für die Zukunft im Kinderfußball?
Ich würde mich über weitere Maßnahmen wie die flächendeckende Verkleinerung der Torhöhen im Kinderfußball freuen, um Dribblings und Kurzpässe in den Mittelpunkt des Kinderfußballs zu rücken, hohe und für die Torhüter unerreichbare Fernschüsse zu verhindern. Dies wäre durch den Einsatz von Minitoren auf Kleinspielfeldern schnell umsetzbar. Zudem sollten die Mannschaftsgrößen angepasst werden, so dass durch Kleinfeldteams (3vs3 bis 5vs5) für alle Spieler mehr Aktionen, Entwicklungen und Erfolgserlebnisse – bitte ohne Ergebnisdruck – möglich sind.

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