David gegen Goliath: 1. FC Düren vor Spiel des Lebens

Der 1. FC Düren trifft in der 1. Runde des DFB-Pokals 2020/21 auf den Triple-Sieger, FC Bayern München. Für den Mittelrheinligisten ist diese Partie zweifellos das Spiel des Lebens. Im Bitburger-Pokalfinale bezwang der Fünftligist Regionalliga-Vertreter Alemannia Aachen mit 1:0 und sicherte sich somit das Ticket für den DFB-Pokal.

David gegen Goliath: 1. FC Düren vor Spiel des Lebens

DFB.de hat vor dem Erstrundenmatch gegen den Bundesligisten aus München mit Mittelstürmer Marc Brasnic gesprochen.

Früher war Brasnic Mannschaftkamerad von Leroy Sané und spielte zudem für die deutsche U 15-Nationalmannschaft. Nun blickt der Stürmer mit dem 1. FC Düren dem DFB-Pokalspiel heute Abend (ab 20.45 Uhr, live auf Sport1) gegen den FC Bayern München entgegen. Der 23-Jährige spricht im DFB.de-Interview mit Mitarbeiter Oliver Jensen über das Duell mit dem Rekordmeister und seine Freundschaft zu Sané.

DFB.de: Herr Brasnic, erinnern Sie sich noch daran, mit welchen Emotionen Sie die Pokalauslosung verfolgt haben?

Marc Brasnic: Ja, wir Spieler hatten die Auslosung alle zu Hause verfolgt. Als das Los FC Bayern gezogen wurde, haben wir natürlich miteinander geschrieben. Dementsprechend groß war der Ansporn, das Pokalfinale zu gewinnen.

 

Video: "Im Hinterkopf war immer Bayern" - Düren vor dem Traumspiel gegen München

 

DFB.de: Das Finale um den Landespokal gegen Alemannia Aachen fand nämlich erst nach der Pokalauslosung statt…

Brasnic: Genau. Jetzt freuen wir uns, dass wir in der großen Allianz-Arena gegen Bayern München antreten dürfen. Das ist für uns Spieler, den Verein und die Stadt etwas ganz Besonderes.

DFB.de: Was trauen Sie Ihrer Mannschaft gegen den FC Bayern München zu?

Brasnic: Man muss realistisch sein. Wir spielen gegen die beste Mannschaft der Welt. Trotzdem werden wir in dem Spiel Gas geben und alles reinhauen. Mal sehen, wie die Bayern drauf sind. Vielleicht unterschätzen sie uns ja.

DFB.de: Der FC Schalke 04 hat gegen Bayern mit 0:8 verloren, der FC Barcelona unterlag mit 2:8. Man könnte also sagen: Weniger als acht Gegentore wären ein gutes Ergebnis, oder?

Brasnic: (lacht) Auf jeden Fall. Wir wollen uns einfach nicht abschlachten lassen und danach mit einem guten Gefühl nach Hause fahren.

DFB.de: Die meisten Fußballfans in Deutschland dürften den 1. FC Düren überhaupt nicht kennen. Mögen Sie Ihren Klub ein wenig vorstellen?

Brasnic: Der FC Düren hat großes Potenzial. Wir sind keine gewöhnliche Oberligamannschaft. In diesem Sommer sind sehr viele gute Spieler aus der Regionalliga hinzugekommen. Auch ich bin erst in diesem Sommer hierher gewechselt. Wir haben uns gut zusammengefunden. Viele Spieler kennen sich noch aus der Jugendzeit, haben zum Beispiel für den 1. FC Köln, Alemannia Aachen oder Bayer Leverkusen gespielt. Wir sind sehr offensivstark und spielen mutig nach vorne. In Adam Matuschyk bekamen wir sogar einen ehemaligen Bundesligaspieler hinzu. Der Verein und der Vorstand stehen hinter uns. Wir wollen diese Saison in die Regionalliga aufsteigen. Unser Stadion wird gerade erweitert und soll in einem Jahr, wenn wir hoffentlich aufgestiegen sind, 12.000 Zuschauern Platz bieten.

DFB.de: Sie sollen nach der Pokalauslosung bereits Kontakt mit Leroy Sané vom FC Bayern München gehabt haben…

Bransnic: Das stimmt. Wir kennen uns noch gut, da wir in der Jugend von Bayer 04 Leverkusen zusammengespielt haben. Wir hatten gleich miteinander geschrieben, weil wir seit langer Zeit wieder einmal hätten gegeneinander spielen können. Leider hat er sich verletzt, sodass wir uns auf dem Spielfeld nun doch nicht sehen werden.

DFB.de: Welche Erinnerungen haben Sie an die gemeinsamen Zeiten mit Leroy Sané?

Bransnic: Er hatte schon immer eine super Technik und einen super Schuss, ein gutes Dribbling und eine gute Schnelligkeit. Er war bereits damals ein Unterschiedsspieler. Er war zwar noch eher klein, hat später aber mit etwa 18 Jahren noch einmal einen Wachstumsschub gemacht.

DFB.de: Als Sané in die Nachwuchsabteilung des FC Schalke 04 gewechselt ist, trennten sich Ihre Wege…

Bransnic: Genau. Wir behielten aber weiter Kontakt. Ab und zu sind wir zusammen essen gegangen. Als er dann zu Manchester City gewechselt ist, hatte man natürlich weniger Zeit dafür. Ich bin Vater geworden, er auch. Ein lustiger Zufall: Unsere Töchter haben sogar exakt am gleichen Tag Geburtstag. Seine Tochter kam allerdings ein Jahr früher zur Welt als meine.

DFB.de: Sie sind bei Bayer Leverkusen geblieben, unterschrieben mit 18 Jahren sogar einen Profivertrag, kamen in der Bundesliga allerdings nie zum Einsatz. Was hat Ihnen damals noch gefehlt?

Brasnic: Ich trainierte das letzte A-Jugend-Jahr komplett bei den Profis mit. Ich war im Trainingslager dabei und habe Testspiele bestritten. Aber leider wurde ich nie bei einem Bundesligaspiel in den Kader genommen. Daher bin ich zum SC Paderborn in die 2. Bundesliga gewechselt. Dort erlebte ich eine kuriose Saison. Wir hatten vier verschiedene Trainer in einer Spielzeit und sind in die 3. Liga abgestiegen. Daraufhin ging ich zu Fortuna Köln, hatte dort allerdings mit Verletzungen zu kämpfen. Ich wollte es dann noch einmal in Leverkusen versuchen. Aber es hat nicht mehr gepasst. Daher wurde der Vertrag aufgelöst.

DFB.de: Sie gingen dann in die Regionalliga…

Brasnic: Genau. Relativ spät in der Saison gelangte ich zu Victoria Köln, hatte dann aber leider Verletzungsprobleme. Später zog ich weiter zu Rot-Weiß Erfurt, die plötzlich insolvent waren. Also wusste ich wieder nicht, wie es weitergeht. Nach der kurzen Zwischenstation Berliner AK bin ich nun beim 1. FC Düren. Man kann also sagen: Vieles in meiner Karriere lief nicht so prickelnd.

DFB.de: Könnte man dann auf einen Leroy Sané neidisch werden, bei dem die Karriere scheinbar perfekt verlief?

Brasnic: Ach quatsch, nein, so denke ich überhaupt nicht. Ich freue mich für all meine ehemaligen Mitspieler, die es nach ganz oben geschafft haben. Ich habe in der Leverkusen-Jugend zum Beispiel auch mit Benjamin Henrichs und einigen anderen Spielern zusammengespielt, die heute erfolgreiche Profis sind. Mir ist wichtig, dass meine Familie, meine Frau und meine Tochter, gesund sind. Von daher passt alles.

 

Text: DFB.de

 

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