Kreis Rhein-Erft

Best Practice im FVM: Ehrenkodex prägt Vereinsatmosphäre

Die Frauen-Mannschaft ist eines der Aushängeschilder von Grün-Weiß Brauweiler. Wolfram Kämpf sprach mit Trainerin Jessica Abels über die Gründe und die Vereinsphilosophie des Klubs aus dem Rhein-Erft-Kreis.

Best Practice im FVM: Ehrenkodex prägt Vereinsatmosphäre

Dass es der Teamkasse an Nachschub fehlt, nimmt Jessica Abels ziemlich locker. „Durch mannschaftsinterne Strafen kommt nicht viel rein“, sagt die Trainerin der Frauen des SV Grün-Weiß Brauweiler. Das liegt allerdings keineswegs daran, dass es keinen Strafenkatalog gibt. Doch der bleibt meist im Konjunktiv.

Zufall ist das nicht. Davon ist Abels fest überzeugt. „Es gibt klare Absprachen und Regeln, denen sich jede Spielerin verpflichtet fühlt“, erklärt sie die Gründe. Hinzu komme eine spezielle Mentalität des Teams. „Wir haben hier etwas Besonderes“, findet die 25-Jährige. Dafür sorge auch die Geschichte der Mannschaft. „Vor fast fünf Jahren wollten wir eine Frauen-Mannschaft ins Leben rufen. Dafür haben einige Mädels sich intensiv engagiert und Freundinnen und Bekannte überzeugt mitzumachen“, sagt die Trainerin. So kam eine Truppe zusammen, die bis heute an einem Strang zieht und in der man den selbstkritischen Austausch miteinander sucht. „Potenzielle Zugänge gucken wir uns ganz genau an. Es muss vor allem menschlich passen“, sagt sie.

Dass diese Einstellung dem sportlichen Erfolg nicht im Wege steht, beweist eindrucksvoll die Bilanz seit Gründung des Teams vor viereinhalb Jahren. Nach einer durchwachsenen Premierensaison ging es steil bergauf. Das zweite Jahr endete mit dem Sprung in die Bezirksliga und im Sommer, also nur zwei Jahre später, folgte der Landesliga-Aufstieg. Brauweiler nutzte zudem eine besondere Chance und machte aus der Meisterschaft ein Triple, das auf absehbare Zeit kein anderer Klub wiederholen dürfte: „Durch die organisatorische Veränderung im Kreispokal haben wir diesen Titel im Juli holen und im Oktober verteidigen können“, sagt Abels, die auch als Torhüterin am Triumph beteiligt war.

Dieser Coup war offenkundig kein Erfolg um jeden Preis. Nur eine einzige Gelbe Karte stand am Ende der abgelaufenen Saison zu Buche – und so durften sich die Damen im grün-weißen Dress auch als Gewinner des FVM-Fair-Play-Pokals feiern lassen. In den Staffeln des Fußball-Verbandes Mittelrhein hatte es keine Frauenmannschaft gegeben, die sich weniger Maluspunkte für Gelbe, Gelb-Rote und Rote Karten oder anderes unsportliches Verhalten eingehandelt hatte.

Vereinsphilosophie wirkt anziehend

Hans Wirtz erfüllt die Erfolgsgeschichte der Frauen seines 600 Mitglieder zählenden Klubs mit Stolz. Die Bilanz sei beeindruckend und man habe sich zum Anziehungspunkt für Mädchen und Frauen entwickelt, weil die Leute merkten, dass im Verein ordentlich gearbeitet werde, sagt der Vorsitzende, der betont, Mädchen seien genauso herzlich willkommen wie Jungen. 120 Spielerinnen gibt es inzwischen im Nachwuchs- und Erwachsenenbereich. „Ich glaube, wir haben einfach ein tolles Miteinander hier“, sagt Wirtz, der seit 1997 dem Klub vorsteht und sich noch bestens an die großen Zeiten des Frauenfußballs in Brauweiler erinnert, als Grün-Weiß Deutscher Meister und dreimal DFB-Pokalsieger wurde, ehe sich das Team mit dem 1. FC Köln zusammenschloss. „Inzwischen haben wir uns wieder als eine der führenden Adressen für Frauenfußball im FVM etabliert“, sagt Wirtz, der in diesem Kontext die Arbeit des Sportlichen Leiters im Mädchenbereich, Dennis Berk, und von Abels herausstellt.

Unterstützung ist vorbildlich

Abels gibt das Kompliment gerne zurück. „Unser Standing im Klub und die Unterstützung, die wir durch die Vereinsführung erfahren, ist absolut vorbildlich“, sagt die 25-Jährige, die lange Zeit als Jugendtrainerin beim 1. FC Köln tätig war.

Kooperation mit Abtei-Gymnasium

Als große Bereicherung erweist sich auch eine Kooperation mit dem örtlichen Abtei-Gymnasium. Das habe dem Verein viele engagierte DFB-Junior-Coaches im Nachwuchsbereich beschert, sagt Wirtz. Damit diese die Ideale des Vereins beherzigen und mit Leben füllen, lässt man sie wie alle Trainer den vom DFB unterstützten „Ehrenkodex für Fußballtrainer“ unterschreiben. Sie verpflichten sich auf diesem Wege zu vorbildlichem Verhalten in der Öffentlichkeit und gegenüber Kollegen und dem Fair-Play-Gedanken. „Das prägt nachhaltig die Atmosphäre im Verein“, sagt Abels. Mit anderem Worten: Nicht nur der Mannschaftskasse ihrer Elf wird es noch häufiger an Nachschub fehlen.

Weiterführende Links:

- Best Practice
- Fair Play Wertung
- Junior Coaches
- SV Grün-Weiß Brauweiler

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