Bitburger-Pokalfinale: Finalistencheck Fortuna Köln

Bitburger-Pokalfinale: Finalistencheck Fortuna Köln

Die Form

Ungewohnt sorgenfrei verlief die dritte Drittliga-Saison von Fortuna Köln über weite Strecken. Einige Wochen lang durften die Optimisten unter den Anhängern des Südstadt-Klubs sogar hoffen, ihr Verein würde die großenteils besser betuchte Konkurrenz düpieren und in den Aufstiegskampf eingreifen. Doch ein paar Punkte blieben die Spitzenplätze der Liga trotz teils beeindruckender Resultate immer entfernt. Im Frühjahr bröckelte der Erfolg jedoch. Fortuna rutschte allmählich auf jene Plätze ab, die eher Sorgen mit sich bringen, als die Euphorie im Umfeld zu schüren. „Wir waren von Beginn an auf das Ziel Klassenerhalt fokussiert. Dann aber waren die Abstiegsränge lange Zeit weit entfernt, vielleicht hat das bei einigen Spielern zwischenzeitlich zu einer Selbstzufriedenheit geführt, die wir uns in dieser Liga nicht erlauben können“, sagt Trainer Uwe Koschinat. Als es aber wirklich eng wurde, war dieses Manko wie weggeblasen. Schon im Heimspiel gegen den SC Paderborn lieferte Koschinats Elf eine gute Leistung ab, blieb beim 0:1 aber noch unbelohnt. Eine Woche später, am 6. Mai, sorgte dann ein fulminanter Auftritt beim 2:1 in Osnabrück für das Ende aller Sorgen. „Das war eine nahezu perfekte Leistung“, findet Koschinat. Der Abstieg war abgewendet, die Spieler konnten feiern. Doch schon am Morgen des 7. Mai dürfte ihnen klar geworden sein, dass in dieser Spielzeit noch mehr geht, als nur der Klassenerhalt. Im Bitburger-Pokal ist schließlich noch ein Titel zu vergeben.

Die Stärken

Trainer Koschinat hat seit Beginn seines Engagements in der Kölner Südstadt im Jahre 2011 ein Ensemble geschaffen, das jedem Gegner erhebliche Probleme bereiten kann. Zweikampfstärke, Einsatzfreude und körperliche Robustheit der Spieler machen die Elf zu einem unangenehmen Rivalen. „Wir können mit unserer Art Fußball zu spielen, vielen Kontrahenten gehörigen Stress im Spielaufbau bereiten“, sagt Koschinat. Der 45-Jährige verweist aber auch noch auf andere Vorzüge seiner Mannschaft: Nach Balleroberung gehe es an guten Tagen schnörkellos und schnell nach vorne. „Diese Tugend fürchten sicherlich auch einige Gegner“, betont er. Hinzu kommt die Stärke bei Standardsituationen. Mit Daniel Flottmann, Boné Uaferro und Cédric Mimbala stehen kopfballstarke Akteure in den Reihen der Fortuna. Auch mental beweisen die Spieler des langjährigen Zweitligisten immer wieder ihre Klasse. „Wenn es darauf ankam, haben wir uns aus schwierigen Phasen überragend herausgearbeitet, weil es das Team versteht, im richtigen Moment den Fokus scharf zu stellen“, erklärt Koschinat.

Die Schwächen

Fortuna Köln ist keine Mannschaft, der es regelmäßig gelingt, mit technischer Finesse und Leichtigkeit Gegner an die Wand zu spielen. Bester Beleg waren die eher holprigen Auftritte im Viertel- und Halbfinale des Bitburger-Pokals gegen die Mittelrheinligisten SV Bergisch Gladbach 09 und TV Herkenrath. Akteure, die eine Partie dank ihrer spielerischen Klasse gestalten können, sind rar. Kristoffer Andersen ist zweifellos so ein Mann, doch der Sohn des einstigen FC-Profis Henrik Andersen fällt mit einem Kreuzbandriss noch lange aus. Zudem fehlt es dem Kader an Akteuren mit langjähriger höherklassiger Erfahrung. Anhänger des Drittligisten dürfen daher eher nicht erwarten, dass ihr Team mit Coolness und Routine eine Partie kontrolliert und bei Bedarf das Tempo rausnimmt.

Die Taktik

Bei der Fortuna hat man kein Problem damit, die Favoritenrolle im Bitburger-Pokal anzunehmen. „Wir sind das klassenhöchste Team im Wettbewerb, also muss es unser Anspruch sein, diesen Wettbewerb zu gewinnen“, sagt Coach Koschinat. Das bedeute aber noch lange nicht, dass man diese Stellung in jeder Minute des Finals gegen den starken Regionalligisten Bonner SC auf Teufel komm raus dokumentieren wolle, erklärt der gebürtige Koblenzer. „Ich erwarte nicht, dass wir ständig in Ballbesitz sind und uns andauernd in der gegnerischen Hälfte aufhalten“, meint er. Denn dies sei nun einmal nicht das Spiel seiner Elf und berge zudem eine große Gefahr: „Wir wollen auf keinen Fall mit unserer Taktik einer der konterstärksten Mannschaften der Regionalliga West in die Karten spielen.“ Die Idee dürfte folglich darin bestehen, mit dem defensiven Mittelfeld um Markus Pazurek und der soliden Defensive um die Innenverteidiger Uaferro und Mimbala den BSC-Angreifern möglichst keine Räume zu eröffnen und nach Ballgewinn gradlinig und zügig nach vorne zu spielen. Als Tempomacher ist Cauly Oliveira Souza gefragt, als Abnehmer im Angriff stehen dann vermutlich Johannes Rahn und Toptorjäger Hamdi Dahmani bereit. Wie häufig diese Theorie zur Praxis wird, ist Koschinat letztlich egal: „Es ist ein Endspiel. Es geht also ganz einfach darum, ein Tor besser zu sein als der Gegner.“

Der Gegner

Zweimal standen sich der Regionalligist Bonner SC und der Drittligist Fortuna Köln in der Vorbereitung auf die Hin- beziehungsweise Rückrunde gegenüber. Zweimal setzte sich Fortuna gegen den klassentieferen Herausforderer durch. „Doch sie haben uns immer geärgert“, so Koschinat. Überrascht hat ihn das jedoch nicht. BSC-Trainer Daniel Zillken leiste gute Arbeit. Dem Kollegen sei es gelungen, interessante Spieler nach Bonn zu locken und eine echte Einheit zu formen. „Der Bonner SC agiert sehr diszipliniert im Spiel gegen den Ball, verfügt über Leute mit herausragendem Tempospiel und gute Stürmer“, sagt der 45-Jährige. Damit meint er nicht nur Lucas Musculus, den besten Torjäger des Teams, sondern auch Thiemo-Jérôme Kialka. Letzterer lief unter Koschinat 64 Mal für Fortuna Köln auf und erzielte dabei 15 Tore. „Er wird sicherlich auf einen Einsatz brennen“, sagt der Kölner Trainer. Insgesamt, so Koschinat, spiele Bonn eine sensationelle Saison. Die Krönung dieser Spielzeit will er mit seiner Mannschaft aber verhindern.

Der Kader

Tor: André Poggenborg, Tim Boss, Zicos Resvanis
Abwehr:
Boné Uaferro, Florian Hörnig, Cédric Mimbala, Jannik Schneider, Kusi Kwame, Cimo Röcker, Daniel Flottmann, Dennis Engelman
Mittelfeld:
Markus Pazurek, Oliver Schröder, Jannik Stoffels, Maik Kegel, Kristoffer Andersen, Christopher Theisen, Selcuk Alibaz, Lars Bender, Cauly Oliveira Souza, Michael Kessel, Kai-David Bösing
Angriff:
Hamdi Dahmani, Maurice Exslager, Johannes Rahn, Marc Brasnic, Serhat Koruk
Trainer:
Uwe Koschinat
Co-Trainer:
André Filipovic
Torwarttrainer:
Michael Hafkemeyer

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