Handicap-Fußball

In allen 21 Landesverbänden des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) sind Beauftragte für den Handicap-Fußball und Inklusion Ansprechpartner für Vereine und Menschen mit Behinderungen. Hauptziel ist es, Fußballspieler/-innen mit Beeinträchtigungen bundesweit den Zugang in die „Fußballfamilie“, d.h. in die Vereine, zu erleichtern. Gefördert und koordiniert wird diese „Inklusionsinitiative“ durch die Sepp-Herberger-Stiftung.

FVM-Leitsatz (frei nach Giorgio Rimaun, Schweizer Journalist)

„Behinderung ruft nicht nach Mitleid, Behinderte brauchen nicht Überbetreuung und schon gar nicht fürsorgliche Bevormundung. Was ihnen nottut, ist partnerschaftliche Anerkennung als vollwertige Menschen, Motivation zur Selbständigkeit und Hilfe (nur) dort, wo es anders nicht geht“. So kann man Behinderungen und Sport zusammen führen.


Ansprechpartner im FVM


Im Fußball-Verband Mittelrhein hat das Präsidium im Herbst 2012 den langjährigen FVM-Geschäftsführer Hans Willy Zolper zum Beauftragten für den Behindertenfußball berufen. Er ist durch diverse Tätigkeiten, u.a. als Berater der Gold-Kraemer-Stiftung für das Projekt „Fußball-Leistungszentrum Frechen“, gut vertraut mit den Facetten des Behindertenfußballs. Überdies verfügt er über sehr gute Kontakte zu Organisationen, Institutionen und Personen aus Sport und Politik. Seine Aufgabe besteht u.a. im Aufbau eines FVM-Fachbereichs Behindertenfußball sowie dessen Weiterentwicklung.

Hans Willy ZolperLipizzanerstraße 750735 Köln
Tel.: 0221/315459 hans.willy.zolper(at)fussballfreunde.de


Portrait Hans Willy Zolper

  • Portrait Hans Willy Zolper

    Portrait Hans Willy Zolper

    Dieser pfeilschnelle und brandgefährliche Linksaußen aus der A-Jugend hatte es ihm angetan. „Unser Goalgetter“, erinnert sich Hans Willy Zolper. „Und unser Idol.“ Als Zolper beim SV Eitorf 09 in der C-Jugend kickte, da spielte dieser Linksaußen in der A-Jugend und schoss den SV völlig überraschend ins Finale um die Westdeutsche Meisterschaft. „Eine Sensation für unseren kleinen Verein“, schwärmt Zolper. Das Finale ging zwar verloren, die Erinnerungen an seine Fußballjugend aber sind geblieben. Auch dank des Linksaußen aus der A-Jugend, der nur zwei Jahre später beim 1. FC Köln spielte: Hannes Löhr. Der ehemalige deutsche Nationalspieler und spätere Trainer – unter anderem der U21-Nationalmannschaft – stammt gebürtig aus Eitorf. Zolper ist in Ruppichteroth geboren und in Alzenbach – nur drei Kilometer von Eitorf entfernt – aufgewachsen. Schon in jungen Jahren trat er als kleiner Junge auf den Siegwiesen in Eitorf gegen den Ball. Dem Fußball ist er bis heute treu geblieben – aktuell als Inklusionsbeauftragter des Fußball-Verbandes Mittelrhein (FVM).

    „Ich habe schon früh immer mit Freunden Fußball gespielt. In den Verein ging es dann ab der C-Jugend. Eine D-, E- oder gar F-Jugend gab es damals noch nicht“, erinnert sich der 67-Jährige. „Als der SV damals im Finale um die Westdeutsche Meisterschaft stand, war das ein unglaubliches Erlebnis.“ Das Los hatte entschieden: Das Endspiel um die Meisterschaft findet in Eitorf statt. „Da waren mehrere Tausend Menschen am Platz. Zwar wurde das Finale verloren, aber die Leute haben noch viele Jahre später von diesem Tag erzählt und geschwärmt. Das war fantastisch.“ Zum Training machte sich Zolper damals mit dem Fahrrad bei Wind und Wetter auf, die drei Kilometer von seinem damaligen Heimatort nach Eitorf zu radeln. Hauptsache, er konnte Fußball spielen. Und den großen Jungs wie Hannes Löhr beim Spiel zuschauen. „Wir haben damals natürlich die Spiele unserer A-Jugend verfolgt. Und einige Jahre später, als ich selbst in der A-Jugend war und Löhr bereits Profi, da kam er immer noch zu uns die Spiele schauen. Auch als wir später für Eitorf im Seniorenbereich gespielt haben, kam Löhr regelmäßig als Zuschauer zu unseren Spielen. Oft brachte er Freunde und Mitspieler mit wie etwa Karl-Heinz Thielen oder Wolfgang Weber. Er kam dann in der Halbzeit immer zu uns und gab uns Tipps. Für uns war das natürlich etwas ganz Besonderes.“

    1967 verlässt Zolper jedoch seine Heimat – es geht zunächst zur Bundeswehr, 1968 dann zum Jura-Studium nach Köln. „Da blieb nur noch Zeit, um ein wenig auf Kreisliganiveau zu kicken.“ Der SV Höhe aus der Nähe von Eitorf fragt bei ihm an. Und Zolper sagt zu, an den Wochenenden für den kleinen Verein zu spielen, bei dem auch schon sein Vater gespielt hatte. Sportliche Heimat des SV Höhe – den Ortsnamen gibt es dort nicht – ist der kleine Weiler Altenherfen nebst einer Handvoll Satellitendörfer. „Eine Kapelle, eine Volksschule, eine Dorfkneipe, 50 Häuser, eine Kuhweide“, beschreibt Zolper liebevoll seine damalige sportliche Heimat. Und weil er am Wochenende ohnehin in der Gegend war, da machten sie ihn nicht nur zum Spieler, sondern gleich auch zum Vorsitzenden. Mit damals 28 Jahren. Von 1978 bis 1992 war er Vorsitzender, heute ist er Ehrenvorsitzender des SV Höhe. Seine erste Station als „Fußball-Funktionär“.
    „Wir haben damals dann sonntags in der Früh die Vorstandssitzungen gemacht und am Nachmittag Fußball gespielt.“ Früh setzte sich Zolper dafür ein, dass aus der „Kuhweide“ (Zolper: „Viel zu klein, und windschief obendrein“) ein Sportplatz wurde. Doch die damalige Bezirksregierung in Köln, für die Bezuschussung zuständig, wollte keine Sportplätze „in der Einöde“ fördern. Das Anliegen des SV Höhe drohte auf den Höhen vom Winde verweht zu werden, bis Egidius Braun auf den Fall aufmerksam wurde. Der damalige Vorsitzende des Fußball-Verbandes Mittelrhein lud Zolper in die Sportschule nach Hennef ein. „Egidius Braun war dafür bekannt, sich für die Belange der kleinen Vereine stark zu machen. Deshalb hatte ich ihm einen Bittbrief geschrieben, und prompt eine Einladung erhalten.“ Zolper stellte Braun und einigen seiner Mitstreiter beim Verband das Anliegen des SV vor. „Ein studierter Rechtsanwalt aus Köln. Der noch aktiv bei einem kleinen Verein in seiner Heimat spielt. Und dort auch noch Vorsitzender ist. Das hat Braun imponiert“, erinnert sich Zolper. „Er hat mich danach noch oft als leuchtendes Beispiel für den Fußball am Mittelrhein genannt. Und er schaffte es, die Blockaden in den Köpfen der Entscheidungsträger zu lösen.“ Höhe bekam einen neuen Sportplatz. Zur Einweihung 1983 kickten ehemalige Schalker Größen gegen eine Rhein-Sieg-Auswahl.

    Zolper arbeitete längst erfolgreich als Bankjurist in Köln, als er Ende der 1980er-Jahre im Kölner Stadtanzeiger eine Stellenausschreibung des Fußball-Verbandes Mittelrhein las. Dort suchte man einen Geschäftsführer. „Meine Frau sagte: Du bringst doch alle Voraussetzungen mit. Also, bewirb dich doch.“ Zolper verfasste eine sehr emotionale Bewerbung, kam von 140 Kandidaten tatsächlich in die engere Auswahl, und traf erneut Egidius Braun – diesmal zu einem sehr persönlichen Vorstellungsgespräch. „Natürlich haben wir damals auch über den SV Höhe gesprochen“, sagt Zolper, der am Ende den Zuschlag erhielt und von Oktober 1990 bis Ende 2010 die Geschicke des Verbands als Geschäftsführer lenkte.

    Erste Kontakte mit dem Behindertenfußball hatte er in dieser Funktion bereits in den 1990er-Jahren. Braun, damals bereits DFB-Präsident, pflegte noch immer einen engen Kontakt zu den Menschen im Fußball-Verband Mittelrhein. „Einmal in der Woche arbeitete er mit seiner Sekretärin Marlies Wirges in den Räumen der Kölner Geschäftsstelle, setzte sich auf einen Kaffee zu mir ins Büro, erzählte vom großen Fußball und fragte nach dem Gelingen an der Fußballbasis.“ Eines Tages kam er mit einem Brief von Willy Breuer ins Büro, der damals im Dienste des Deutschen Behindertensportverbandes die Nationalmannschaft der Menschen mit einer geistigen Beeinträchtigung trainierte. Gemeinsam mit der DFB-Stiftung Sepp Herberger und deren damaligem Geschäftsführer GoetzEilers organisierte Zolper auf Wunsch von Egidius Braun weitere Unterstützung für die von Breuer betreute Auswahl, zum Beispiel in Form von Trikotsätzen und Equipment. Später kreuzten sich immer wieder die Wege von Zolper und Breuer, der heute die Frauen-Mannschaft des 1. FC Köln trainiert und mit diesen gerade erst in die 1. Bundesliga aufgestiegen ist. „Wir trafen uns zum Beispiel auch im Jahr 2006, als nach dem ‚Sommermärchen‘ in Deutschland auch eine Fußball-Weltmeisterschaft für geistig-beeinträchtigte Fußballer  ausgetragen wurde.“ Derzeit sehen sich die beiden allwöchentlich, da sie Verantwortung für das Gelingen des Fußball-Leistungszentrums für geistig behinderte Menschen in Frechen vor den Toren Kölns übernommen haben.

    Im Jahr 2012, zwei  Jahre nachdem Zolper in Ruhestand gegangen war, meldete sich der Präsident des FVM, Alfred Vianden, per Telefon. „Ist doch viel zu schade, jetzt schon im Ruhestand zu sein – bei den Kontakten“, sagte er mir. Und Vianden bot Zolper eine neue Aufgabe an: Inklusionsbeauftragter im Fußball-Verband Mittelrhein. „Ich habe das dann meiner Frau Doris geschildert.“ Ihre Meinung dazu? „Wenn es um Fußball geht, bist du doch ohnehin von nichts abzuhalten.“ Und so übernahm Zolper die neue Aufgabe, sagte im Herbst 2012 zu. „Unser klares Ziel ist es, Netzwerke zu schaffen, von denen alle Beteiligten profitieren, auf die sie zugreifen können. Langzeitziel ist es, den Zugang behinderter Spielerinnen und Spieler in die Vereine zu Selbstverständlichkeiten werden zu lassen. Wir haben einen Fragebogen entwickelt und diesen allen 950 FVM-Vereinen zugesandt. Die Rücklaufquote war mäßig bis enttäuschend. Aber immerhin teilten 20 Vereine ihren Bezug zum Behindertenfußball mit. Heute umfasst das Netzwerk bereits knapp 100 Kommunikationsdaten aller Art. Die anfängliche Anzahl von 20 Vereinen hat sich fast verdoppelt. Ich habe Verständnis für die vielen kleinen Dorfvereine, die sagen, wir können uns aufgrund unserer Größe, unserer Infrastruktur und unserer personellen Ressourcen nicht dem Behindertenfußball widmen. Wir haben schon Schwierigkeiten genug, den Spielbetrieb mit einer Seniorenmannschaft und/oder zwei Jugendmannschaften aufrecht zu erhalten. Umso erfreulicher ist es, dass die Zahl der Vereine mit Behindertenfußball-Angeboten  deutlich gestiegen ist. Wir sind auf einem guten Weg. Aber, und das sage ich wie alle anderen Kollegen auch: Es ist noch sehr viel zu tun.“ Packen wir es an…


Termine 2017

Datum Veranstaltung
24.1.2017 Regionaltreffen LV-Inklusionsbeauftragte WDFV, FVM, FVN, FLVW in der Sportschule Kamen-Kaiserau
15.-17.3.2017 DFB-LV-Inklusionsbeauftragte, Jahrestreffen mit SHS in der Sportschule Kamen-Kaiserau
20.5.2017 LVR-Tag der Begegnung, Rheinpark Köln
12.-15.6.2017 Deutsche Meisterschaften der Bundesländer, Rostock
28.6.2017 NRW-Werkstattmeisterschaften in der Sportschule Hennef
10.-12.7.2017 Special Olympics NRW in Neuss
2.9.2017 WDFV-Meisterschaften der Freizeit- und AH-Fußballer incl. Handicap-Teams, Sportschule Duisburg-Wedau
3.9.2017 „Inklusion konkret“ – Inklusiver Fußballtag für Kinder/Jugendliche am FC-Geißbockheim
4.-7.9.2017 Deutsche Meisterschaften der Werkstätten für Männer und Frauen, Sportschule Duisburg-Wedau
3.10.2017 „Inklusion konkret“ – Trainerfortbildung im Kurt-Bornhoff-Sportpark in Frechen
21.10.2017 Endrunde Landesmeisterschaften BRSNW

Sepp-Herberger-Stiftung (SHS)

Förderung des Handicap-Fußballs

Die im Jahre 1977 vom Deutschen Fußball-Bund gegründete SHS fördert viele soziale Projekte und Aktivitäten. Seit Jahren engagiert sich die Stiftung auf unterschiedlichste Weise für den Fußballsport von Menschen mit Behinderungen. Gerade die Blindenfußball-Bundesliga macht dabei das Motto „Mit Fußball in die Mitte der Gesellschaft“ lebendig. Unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Joachim Gauck spielen blinde und sehbehinderte Menschen in der europaweit einzigartigen Spiel- bzw. Turnierrunde in zentraler Innenstadtlage, um so einer breiten Öffentlichkeit zu zeigen, welch faszinierende und spannende Fußballfacette der Blindenfußball ist.

Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Förderung der Deutschen Meisterschaft der Werkstätten für behinderte Menschen (DM WfbM). DFB-Vizepräsident und Vorstandsvorsitzender Eugen Gehlenborg bezeichnet diese als „Flagschiff“ in der Kooperation mit der BAG WfbM. „Gleichzeitig arbeiten wir im Rahmen des Projektes 700 Vereine – 700 Werkstätten daran, Vereine und Werkstätten enger zusammen zu bringen“. SHS-Geschäftsführer Wolfgang Watzke ist von der Qualität des Fußballs bei den DM WfbM angetan. „Man sieht, dass sich die Teams in den letzten Jahren positiv entwickelt haben. Ganz besonders freut mich, dass es viele Spieler gibt, die mittlerweile auch im Regelspielbetrieb der Vereine in den DFB-Landesverbänden mitwirken“. In den 2.500 deutschen Werkstätten spielt Fußball eine große Rolle. Durch den Sport trainieren die Werkstattbeschäftigten soziales Zusammenspiel und soziale Kompetenzen. Darüber hinaus bietet der Fußball eine hervorragende Möglichkeit, die Inklusion behinderter Menschen voran zu treiben.

Internet: www.sepp-herberger.de

Inklusionsbeauftrager der Sepp-Herberger-Stiftung

In allen 21 Landesverbänden des Deutschen Fußball-Bundes gibt es mittlerweile einen Inklusionsbeauftragten - und mit Norbert Wetzelaer (norbert.wertzelaer(at)fussballfreunde.de)auch einen, der sie alle koordiniert. Mehr als 30 Jahre war der aus Alsdorf bei Aachen stammende Familienvater als Jugendreferent beim Fußball-Verband Mittelrhein aktiv. Vom Fußball aber kann er nicht lassen - und so engagiert er sich aktiv beim Thema Inklusion. Seit September 2012 ist er Koordinator der Inklusionsbeauftragten.


DFB-Infos zum Handicapfußball

Mehr als zehn Millionen Menschen in Deutschland haben einen Behinderungsgrad. Und immer mehr spielen in den rund 25.500 bundesdeutschen Fußballvereinen aktiv Fußball, auch in Wettbewerben, die der DFB mit seiner Sepp-Herberger-Stiftung organisiert und besonders fördert.

Otto Rehhagel und Uwe Seeler, beide seit vielen Jahren für die älteste deutsche Fußball-Stiftung engagiert, haben in Frankfurt einen neuen Onlinebereich mit vielen Informationen zum "Handicap-Fußball" freigeschaltet.

Die neue Rubrik auf DFB.de ist unterteilt nach den Themen Blindenfußball, Werkstattfußball, Integrative Spielformen, CP-Fußball, Amputiertenfußball, Gehörlosenfußball, Rollstuhlfußball und Sitzfußball. Informiert wird über Regeln, Verbreitung, Spielmöglichkeiten sowie Wettbewerbe im Fußball für Menschen mit Behinderung.

Vernetzung der Mannschaften über Handicap-Börse

Über die neue Handicap-Börse können fußballbegeisterte Spieler/innen mit Handicap den passenden Verein in ihrer Umgebung suchen. Zudem haben Vereine die Möglichkeit, über die Abbildung ihres Handicap-Teams neue Spieler/innen für ihre Mannschaft zu gewinnen oder andere Mannschaften zu kontaktieren, um sie beispielsweise zu Turnieren oder Freundschaftsspielen einzuladen.

Im Rahmen der Anwendung des DFBnet-Vereinsmeldebogens können alle Fußballvereine angeben, ob und in welchen Bereichen Angebote für Fußballer mit Handicap existieren und diese zusätzlich über ein Freitextfeld beschreiben. Die Daten werden „live“ ausgespielt und in die bestehende Handicap-Börse in der Rubrik Handicap-Fußball auf http://handicapteams.dfb.de/  übertragen.

Wie Sie die Daten ins DFBnet eintragen, erfahren Sie hier.

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